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Fukushima aktuell: TEPCO werkelt an tropfender Leitung

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Artikelbild: Wassertropfen (Foto: denishelfer, cc-by)
Präfektur Fukushima: Pläne zur Dekontamination belasteter Wasserreservoirs (Symbolfoto: Denis.helfer, cc-by)

Am morgigen Freitag sollen die neue Regelungen für Fukushima-Flüchtlinge in Kraft treten, so dass sie vermehrten Anspruch auf Hilfsleistungen des Staates erhalten. Die für den Betreiber des AKW Fukushima heute gewährten Finanzmittel hätten allerdings auch die aktuellen Probleme nicht verhindern können.

So gab es an der Anlage erneut Austritte von Wasser und Leichtöl, so dass es nicht den Eindruck erweckt, als könne TEPCO alleine die Krise bewältigen. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. Dezember 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Anhaltendes Wasserleck an Leitung
  • Austritt von Leichtöl bei Baufahrzeug
  • Letzte evakuierte Bürger verlassen bis Jahresende Auffangeinrichtungen
  • Kontamination an Baustelle für Katastrophenopfer
  • Großes Tokyo-Erdbeben könnte 23.000 Menschen töten

Anhaltendes Wasserleck an Leitung: Gestern entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens bei einem Kontrollgang im Tankbereich F gegen 22:20 Uhr an einem Dichtflansch der Verbindungsleitung zwischen den Lagertanks C5 und C6, dass Wasser mit einer Geschwindigkeit von einem Tropfen pro Minute heraustropfte.

Das herausgetropfte Wasser hatte sich auf einer Fläche von etwa 30 x 5 Zentimetern ausgebreitet, gelangte jedoch aufgrund der Barrieren nicht in den Ozean. Das Verbindungsstück wurde mit Vinyl gesichert. In den Tanks wird Grundwasser aus den Kellern der Turbinengebäude 5 und 6 gelagert.

Heute veröffentlichte TEPCO weitere Informationen. Demnach wurde heute um 12:48 Uhr der Flansch fester angezogen, allerdings änderte sich die Tropfrate dadurch nicht. Man werde das Wasser in dem Tank nun ableiten und eine Untersuchung des betroffenen Teils durchführen.

Eine Strahlungsmessung des Wassers in diesem System ergab folgende Werte:

  • Cäsium-134: 22 Becquerel pro Liter
  • Cäsium-137: 97 Becquerel pro Liter
  • Cobalt-60: 18 Becquerel pro Liter

Austritt von Leichtöl bei Baufahrzeug: Am heutigen Dienstag kam es bei den Arbeiten zur Schaffung der wasserdichten Schutzwand auf der Seeseite gegen 14:17 Uhr zu einem Zwischenfall mit einem Radlader. Gegen 14:22 Uhr entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens, das etwa ein Liter Leichtöl austrat. Sechs Minuten später wurde die Feuerwehr Futaba informiert.

Bei dem Zwischenfall wurde niemand verletzt, auch an dem Fahrzeug traten keine Schäden auf. Gegenwärtig werde die Ursache ermittelt.

Durch Anbringung einer Spezialmatte konnte das Öl entfernt werden und auch der Radlader wurde wieder in Normalposition gebracht. Die Feuerwehr Futaba bestätigte, dass bei dem Zwischenfall keine gefährlichen Substanzen austraten.

Letzte evakuierte Bürger verlassen bis Jahresende Auffangeinrichtungen: Wie der Bürgermeister von Futaba (Präf. Fukushima) gestern mitteilte, werden die letzten Bewohner von Auffangeinrichtungen bis Ende des Jahres diese verlassen.

Bereits am Dienstag fanden sieben frühere Einwohner des Ortes eine neue Bleibe und konnten das Zentrum in Kazo (Präf. Saitama) verlassen, berichtete die Kyodo unter Berufung auf Angaben der Präfekturleitung.

Kontamination an Baustelle für Katastrophenopfer: Wie die Verwaltung von Otsuchi (Präf. Iwate) gestern mitteilte, wurde auf einem alten Schulgelände, auf dem Wohnmöglichkeiten für die Opfer der Tohoku-Katastrophen untergebracht werden sollten, Arsenwerte nachgewiesen, die das 7,4-fache über dem zulässigen Grenzwert lagen, nach.

Eingang eines Übergangshauses (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Kontamination behindert Schaffung alternativer Wohnmöglichkeiten für Katastrophenopfer (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Da der Bereich zuvor als temporäres Lager für Katastrophentrümmer gedient hatte, bat man die Präfekturleitung um eine Prüfung des Erdbodens gebeten. Dabei waren die erhöhten Arsenwerte entdeckt worden. Man geht davon aus, dass die Ursache möglicherweise nicht die Katastrophentrümmer sind.

Die Kontamination könnte bereits beim Bau des Schulgeländes im Jahr 1974 durch die Aufschüttung des Geländes in den Boden gelangt sein, berichtete eine Präfekturzeitung. Die Verwaltung von Otsuchi plant nun die Entfernung und Entsorgung des kontaminierten Erdreichs.

Großes Tokyo-Erdbeben könnte 23.000 Menschen töten: Ein Ausschuss zum Katastrophenmanagement kommt in Einschätzungen für die Präfekturen Tokyo, Chiba und Kanagawa zu dem Schluss, dass im Fall eines schweren Erdbebens, dessen Epizentrum sich unmittelbar unter dem Gebiet der Hauptstadt befinde, bis zu 23.000 Menschen sterben könnten.

Tokyo: Gasse am Ameya-Yokocho (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Enge Gassen führen zu hoher Brandgefahr (Foto: Copyright by KJ)

Weitere 123.000 Personen würden verletzt und 58.000 müssten gerettet werden. Es ist das erste Mal seit acht Jahren, dass diese Katastrophenschätzungen überarbeitet wurden. Grundlage der Schätzungen ist ein hypothetisches Erdbeben der Stärke 7,3, das sich an einem windigen Winterabend ereignen und sein Zentrum im Südend der Hauptstadt hätte.

Die aktuellen Schätzungen der Totenzahlen entspricht mehr als dem Doppelten der 11.000 Opfer, die bei der letzten Kalkulation aus dem Jahr 2005 ermittelt wurden. Die Steigerung wird durch die Anhebung der Schadensschätzungen aufgrund der Häuserbrände der alten Holzhäuser erklärt.

Diese Szenario ist jedoch keine ferne Zukunftsvision, denn tatsächlich besteht nach einer Einschätzung der Regierung eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent, dass sich im Zeitraum von 30 Jahren ein derartiges Beben im südlichen Bereich der Region Kanto und dem Großraum Tokyo ereignen wird.

Das Erdbeben und die dadurch ausgelösten Brände könnten 61.000 Gebäude zerstören und einen finanziellen Schaden von bis zu 95 Milliarden Yen verursachen.

Menschenmenge in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Hohe Bevölkerungsdichte birgt Risiko hoher Opferzahlen (Foto: Copyright by KJ)

Aufgrund der aktuellen Berechnungen fordert der Ausschuss von der Regierung nun Taten. So könnte bereits die Zahl der Toten auf ein Zehntel – 2.300 Personen – verringert werden, wenn mehr Gebäude erdbebensicher und brandgeschützt wären. Zudem müsse insbesondere das Verkehrssystem müsse vor einem Kollaps geschützt werden.

Neben dem Ausfall von Elektrizität und Wasser, müsse in Folge des Bebens mit wochenlangen Staus und einem Ausfall des Zugverkehrs für die Dauer eines Monats gerechnet werden. Über die aktuellen Zahlen berichteten unter anderem Kyodo, jiji und NHK.

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