Start Aktuelles Fukushima aktuell: TEPCO will Arbeitsmoral der AKW-Arbeiter stärken

Fukushima aktuell: TEPCO will Arbeitsmoral der AKW-Arbeiter stärken

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Artikelbild: J-Village vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Strengere Auswahl von AKW-Arbeitern in Japan geplant (Symbolfoto: TEPCO)

Misserfolge führen zu einem Sinken der Arbeitsmoral und somit zu einem Anstieg von Fehlern durch Nachlässigkeit. Nachdem sich TEPCO bereits mehrfach mit dem Problem konfrontiert sah, ist es für den Betreiber des AKW Fukushima aktuell erneut Thema. Dies glaubt man offenbar nur durch massive Investitionen lösen zu können.

In den heutigen Fukushima News geht es jedoch auch um Politik und nicht zuletzt wurde auf der Anlage in Fukushima heute wieder ein Ölleck entdeckt. Einzelheiten zu diesen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. November 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Betreiber arbeitet an verbesserten Arbeitsbedingungen
  • Atomkraftkritischer Politiker verwarnt
  • Ölleck auf Gelände des AKW Fukushima

Fukushima-Betreiber arbeitet an verbesserten Arbeitsbedingungen: TEPCO erklärte am heutigen Freitag, man habe eine Reihe von Maßnahmen ausgearbeitet, durch deren Umsetzung die schwierigen Arbeitsumstände der Beschäftigten auf der Anlage des AKW Fukushima Daiichi verbessert werden sollen.

J-Village: Buffet im Café am 6. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
J-Village: Buffet im Café am 6. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)

Zu den vorgesehenen Maßnahmen, die TEPCO-Präsident Naomi Hirose auf einer Pressekonferenz vorstellte, gehören zum Einen mehr zwei neue temporäre Bürogebäude, die Platz für 1.000 Arbeiter bieten werden.

Gegenwärtig sind der Großteil der Arbeiter in einem Bürogebäude auf dem Gelände des AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) tätig. Da das erste Gebäude auf dem Gelände von Fukushima Daiichi (Fukushima 3) bereits im Juni fertig sein soll, wird das Pendeln überflüssig.

Für den Transport der Arbeiter will der Betreiber neue Busse zur Verfügung stellen und auch sonst für mehr Annehmlichkeiten sorgen – auch in Hinsicht auf die medizinische Versorgung.

J-Village: Blick in eine Unterkunft in Hirono am 22. Juni 2011 (Foto: TEPCO)
J-Village: Blick in eine Unterkunft in Hirono am 22. Juni 2011 (Foto: TEPCO)

Zum Anderen ist der Bau eines achtstöckigen Gebäudes mit Ruhebereichen vorgesehen. Dort wird nach den Plänen von TEPCO ausreichend Platz für 1.200 Personen sein.

Zusätzlich soll auch eine Einrichtung zur Ausgabe warmer Mahlzeiten auf dem Gelände in der Nähe des Kraftwerks errichtet werden. Dort können dann Mahlzeiten für 3.000 Personen zubereitet werden. Beide Einrichtungen sollen Ende des Fiskaljahr 2014 gebaut werden.

Finanzielle Anreize soll es ebenfalls geben, um die Moral der Kraftwerksarbeiter zu stärken.

So soll die bisherige Gefahrenzulage für riskante Tätigkeit von 10.000 Yen pro Tag auf 20.000 Yen täglich verdoppelt werden. Allerdings wird das Geld zunächst an die Vertragspartner von TEPCO gehen und nicht direkt an die Arbeiter ausgezahlt werden.

Gegenwärtig sind die Kraftwerksangestellten auf dem Gelände einer ehemaligen Sportanlage, des so genannten J-Village, untergebracht.

Zugangskontrollen zum J-Village (Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Zugangskontrollen zum J-Village (Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)

In dem durch Kontrollen abgesperrten Areal befinden sich neben einfachen Wohnkomplexen auch eine Einkaufsmöglichkeit. Zuvor hatte es aufgrund der bisherigen Lebensbedingungen der Arbeiter an der Anlage internationale Proteste gegeben.

Dass eine Erhöhung von Motivation und Wohlbefinden der Arbeiter tatsächlich dringend erforderlich ist, zeigen die Entwicklungen während der Tätigkeiten an der Anlage.

So hatte sich bereits zu Beginn des Jahres eine Reihe wiederholter Misserfolge und Rückschläge auf die Arbeitsmoral der Angestellten ausgewirkt und unter anderem zum „Dekontaminations-Umweltskandal“ geführt, bei dem unter anderem kontaminiertes Laub einfach in Bäche gekippt worden war (Spreadnews berichtete am 9. Januar 2013).

Im Oktober hatte auch die Atomaufsichtsbehörde NRA die niedrige Arbeitsmoral für eine Reihe verschiedener Zwischenfälle, etwa für Nachlässigkeit bei der Kontrolle von Ventilen verantwortlich gemacht (Spreadnews berichtete am 9. Oktober 2013).

Ob die künftigen Maßnahmen zur Verhinderung derartiger Ereignisse tatsächlichen allen Arbeitern zugute kommen, bleibt abzuwarten, da es bereits in der Vergangenheit finanzielle Ausbeutungen in einem Geflecht aus Subunternehmen gegeben hatte.  Über die Pläne zur Verbesserung berichteten unter anderem  Kyodo und jiji.

Atomkraftkritischer Politiker verwarnt:  Nach Absprache mit dem Hauptausschuss des Oberhauses verwarnte Masaaki Yamazaki, Präsident des japanischen Oberhauses, den parteiunabhängigen Abgeordneten Taro Yamamoto aufgrund eines Schreibens, das dieser dem Tenno vergangene Woche auf  der jährlichen Herbstgartenfeier überreicht hatte.

Kunaicho Kaiserliches Hofamt  (Foto: pd)
Kaiserliches Hofamt unzufrieden über atomkritischen Politiker (Foto: pd)

In dem Schreiben sollen die vermuteten Gesundheitsfolgen der Fukushima-Katastrophe erläutert werden. Yamamoto hatte sich bereits entschuldigt und erklärt, er habe die Position des Tenno nicht politisch instrumentalisieren wollen. Vielmehr habe er es  als wichtig angesehen, ihn über die vermutlichen gesundheitlichen Gefahren zu informieren.

Der Präsident des Oberhauses erklärte nun, dieser Bruch des Protokolls habe Schande über das Oberhaus gebracht und ermahnte den als Atomkraftkritiker bekannten Yamamoto, derartige Aktionen künftig zu unterlassen. Zuvor hatte auch das kaiserliche Hofamt sein Missfallen über den Zwischenfall zum Ausdruck gebracht.

Der Abgeordnete entschuldigte sich erneut und erklärte, ihm sei der Umstand, dass dies unangebracht sei, nicht bekannt gewesen. Als weitere Konsequenz wurde der Politiker bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2019 von einer Liste gestrichen, die eine Teilnahme an kaiserlichen Veranstaltungen ermöglicht. Hierüber berichteten jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Ölleck auf Gelände des AKW Fukushima: Gegen 8:15 Uhr gelangte auf dem Gelände der Baustelle der Abfallverbrennungsanlage für Feststoffe an den Reaktoren 5 und 6 beim Betanken eines Fahrzeugs etwas Leichtöl auf eine am Boden liegende Eisenplatte. Dort konnte es durch ein Adsorptionsmittel aufgenommen worden.

Als standardmäßige Sicherheitsmaßnahme wurde gegen 8:50 Uhr die Feuerwehr Futaba verständigt. Der Zwischenfall hatte sich offenbar aufgrund einer Nachlässigkeit beim Betanken ereignet. Insgesamt sind etwa drei Liter Leichtöl ausgetreten.

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