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Fukushima aktuell: Testfilterung von radioaktivem Grundwasser begonnen

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Artikelbild: Test des neuen Filtersystems geplant, 20. August 2014 (Foto: TEPCO)
TEPCO testet neues Multinuklid-Filtersystem und Leistung der Grundwasserfilterung (20. August 2014, Foto: TEPCO)

Sowohl die testweise Filterung von kontaminiertem Grundwasser, als auch der Test eines leistungsfähigeren Multinuklid-Filtersystems, standen für den Betreiber des AKW Fukushima heute im Mittelpunkt. Die Fukushima News zeigen aber auch, das man trotz des Rückschlags am Tunnelprojekt festhalten will. Weitere Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. August 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Testfilterung von radioaktivem Grundwasser begonnen
  • TEPCO gibt Tunnelprojekt nicht auf
  • Fukushima-Arbeiter in Krankenhaus eingeliefert
  • Klage zur Freigabe der Yoshida-Dokumente
  • Notfallmaßnahmen außerhalb der 30-Kilometer-Zone

Testfilterung von radioaktivem Grundwasser begonnen: Am heutigen Mittwoch begann der Kraftwerksbetreiber TEPCO mit der versuchsweisen Filterung von kontaminiertem Grundwasser aus Posten in Nähe der Reaktorgebäude. Ziel ist es, die maximale Filterleistung zu ermitteln.

Die Regierung und TEPCO planen die Verklappung von radioaktiv kontaminiertem Grundwasser in den Pazifischen Ozean. Die Einleitung in den Pazifik ist derzeit noch auf sauberes Grundwasser aus den Bergen beschränkt, das zunächst in Sondertanks geleitet, analysiert und dann verklappt wird.

Gestern hatte das Unternehmen bekannt gegeben, das Heraufpumpen von 500 Tonnen an kontaminiertem Grundwasser nach vier Tagen  abgeschlossen zu haben.

Heute begann der Filterungsversuch, indem etwa 290 Tonnen an Grundwasser in das Filtersystem eingespeist wurden. Der Elektrizitätsanbieter hofft, den Gehalt an radioaktivem Material auf ein Tausendstel oder Zehntausendstel reduzieren zu können. Ergebnisse wurden bislang noch nicht veröffentlicht.

Sollte die Filterleistung ausreichen und die örtlichen Gemeinden und Vereinigungen ihre Zustimmung geben, könnte nach Angaben von TEPCO, die Menge der 400 Tonnen Grundwasser, die täglich durch die Reaktorgebäude kontaminiert werden, auf die Hälfte gesenkt werden.Über die Pläne berichteten neben dem Betreiber auch die Kyodo und NHK.

Der Elektrizitätsanbieter setzt bei den künftigen Arbeiten auch auf eine leistungsfähigere Version des Multinuklid-Filtersystems ALPS. Die Testphase für das jetzige Projekt beträgt drei Monate.

TEPCO gibt Tunnelprojekt nicht auf: Auch wenn der Elektrizitätskonzern das Scheitern des bisherigen Gefrierungskonzepts in den Tunneln eingestehen musste, erklärte TEPCO-Präsident Naomi Hirose heute, das Projekt nicht aufgeben zu wollen. Auch die im November 2013 begonnene und derzeit ruhende Bergung von Brennelementen sei nicht begraben, sondern könnte vielleicht bereits im November wieder aufgenommen werden.

AKW Fukushima: Arbeiten am Projekt zur Tunnelfrostung am 29. Juli 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeiten am Projekt zur Tunnelfrostung am 29. Juli 2014 (Foto: TEPCO)

Nachdem im Rahmen des Tunnelprojekts lediglich bis zu 90 Prozent des Tunnels hinreichend vereist, jedoch die Temperatur nicht weit genug gesenkt werden konnte, ersucht TEPCO nun die Atomaufsichtsbehörde NRA, die Arbeiten anderweitig fortführen zu dürfen.

Das Unternehmen plant, die verbliebenen 10 Prozent des Wasserflusses zwischen den Tunneln und Turbinengebäuden durch die Hinzufügung von Füllmaterial zu verschließen. Die NRA erklärte bereits jetzt, die Erlaubnis für weitere Arbeiten werde nur gewährt, wenn ein funktionsfähiges Konzept vorgelegt werden kann.

TEPCO wird daher die Effektivität mehrerer potentieller Füllmaterialien testen – neben Beton und Eisensand, sind auch  haftendes Natriumsilikat und verschiedene Absorptionsmittel in der Auswahl.

Das Unternehmen will Mitte September über die geeignetsten Mittel entscheiden. Die Entscheidung der NRA soll dann Ende des Monats fallen. In diesem Fall will man die Arbeit umgehend aufnehmen. Dies berichten Kyodo und Asahi Shimbun.

Fukushima-Arbeiter in Krankenhaus eingeliefert: Nachdem ein Angestellter eines Partnerunternehmens gegen 11:40 Uhr über gesundheitlich Probleme klagte, wurde er in das Notfallzentrum gebracht. Dort wurde die Notwendigkeit einer weitergehenden medizinischen Behandlung festgestellt und um 13:14 Uhr ein Krankenwagen gerufen.

Nach ersten Maßnahmen vor Ort verließ das Fahrzeug die Anlage, so dass der Patient um 13:57 Uhr in das Krankenhaus Fukushima eingeliefert werden konnte. Nach Angaben von TEPCO wurde keine radioaktive Kontamination am Kraftwerksarbeiter festgestellt.

An der Anlage kommt es neben Arbeitsunfällen auch immer wieder zu Berichten über gesundheitliche Probleme der Arbeiter, die insbesondere während der Sommermonate auf die schwere körperliche Belastung zurückgeführt werden. Zuletzt war Anfang dieses Monats ein Fukushima-Arbeiter an einem Herzstillstand gestorben.

Klage zur Freigabe der Yoshida-Dokumente: Am heutigen Mittwoch reichte ein Gruppe von Einwohnern der Präfektur Fukushima offiziell Klage bei einem Gericht in Tokyo ein. Sie fordern die Freigabe aller Aufzeichnungen, die vom Fukushima-Untersuchungsausschuss der Regierung bei der Befragung des damaligen Kraftwerksleiters Masao Yoshida, angelegt worden waren.

Yoshida, der im Juli 2013 an Krebs gestorben war, hatte zuvor verfügt, die Protokolle nicht öffentlich zu machen. Die Rechtsanwälte der Kläger argumentieren dagegen, die Angaben von Yoshida seien Allgemeingut, da sie entscheidende Informationen zur Verhinderung künftiger Unfälle an Kernkraftwerken enthalten könnten und daher Experten vorgelegt werden müssten.

Die gegenwärtige Handhabung schädige zudem das Vertrauen der Bevölkerung gegenüber der Regierung. Über die Klage berichteten Kyodo und NHK.

NRA will AKW-Katastrophenrichtlinien überarbeiten: Nachdem die derzeitigen Richtlinien für den Fall von Kraftwerkskatastrophen nach dem Unglück am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi erlassen worden waren, plant die Atomaufsichtsbehörde nun eine Überarbeitung.

Artikelbild: Einsatzkarte für Katastrophenhilfe nach der Fukushima-Katastrophe (Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Einsatzkarte für Katastrophenhilfe nach der Fukushima-Katastrophe (Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Bislang rufen die Richtlinien lediglich Personen innerhalb eines 30-Kilometer-Radius um ein Kernkraftwerk herum dazu auf, im Katastrophenfall entweder zu fliehen, oder Zuflucht in festen Gebäuden zu suchen. Ungeklärt blieb bislang die Möglichkeit, dass radioaktives Material auch über diesen Umkreis heraus stark verbreitet werden kann.

Nun soll geprüft werden, welche Gebiete außerhalb der 30-Kilometer-Zone ebenfalls Aufforderung für Sicherheitsmaßnahmen erhalten könnten. Experten erklärten, andernfalls könnten auch Personen die jenseits des derzeit festgelegten Areals leben, radioaktives Material aus einem Kraftwerksunglück aufnehmen könnten.

Folge der Neuregelung könnte sein, dass mehr Gemeinden Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa die Einlagerung von Jodtabletten, treffen und auf Evakuierungen vorbereitet sein müssten. Im Gegensatz zu Kernkraftwerken, soll es für Wiederaufarbeitungsanlagen keinen allgemein gültigen Evakuierungszonen-Standard geben. Hier müsse vielmehr eine individuelle Regelung jeder Anlage erfolgen. Das berichtet die NHK.

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