Start Aktuelles Fukushima aktuell: Tierischer Eindringling auf AKW-Gelände

Fukushima aktuell: Tierischer Eindringling auf AKW-Gelände

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 2: Fuchssichtung am 21. Dezember 2015 (Foto: TEPCO/Hervorhebung: Spreadnews.de)
Artikelbild - Fukushima-Reaktor 2: Fuchssichtung am 21. Dezember 2015 (Foto: TEPCO/Hervorhebung: Spreadnews.de)

In der Zeit vor Neujahr ist in Japan das ganze Land auf den Beinen und Besucherströme sind auf den Flughäfen zu sehen. Dagegen werden vom AKW Fukushima heute Sichtungen ganz anderer Art gemeldet. Dort gelang nämlich der unautorisierte Zutritt auf das Gelände.

Welche Fukushima News vor Neujahr noch relevant sind, erfahren Sie nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Dezember 2015.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Fuchssichtung auf dem Gelände des AKW Fukushima
  • TEPCO lehnt Kostenübernahme für Dekontamination ab
  • Bevölkerungszahl der Präfektur Fukushima auf Rekordtief
  • Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
  • Fukushima-Kläger planen Verbandsgründung
  • Weihnachtskartenaktion für Tohoku-Katastrophenopfer
  • Suizidrate bei Fukushima-Flüchtlingen gestiegen

Fuchssichtung auf dem Gelände des AKW Fukushima: Die Sicherung von Nuklearanlagen vor unbefugtem Zutritt ist angesichts des weltweit agierenden Terrorismus von besonderer Bedeutung.

Einem listigen Fuchs gelang es jedoch, durch das Sicherheitsnetz der Anlage des AKW Fukushima Daiichi zu schlüpfen. Das zeigen heute veröffentlichte Kameraufnahmen des Kraftwerksbetreibers TEPCO vom Gelände.

AKW Fukushima: Fuchs auf dem Betriebsgelände am 21. Dezember 2015 (Foto: TEPCO/Hervorhebung: Spreadnews.de)
AKW Fukushima: Fuchs auf dem Betriebsgelände am 21. Dezember 2015 (Foto: TEPCO/Hervorhebung: Spreadnews.de)

Die Bilder entstanden offenbar am 21. Dezember und zeigen einen Fuchs in der Nähe des Gebäudes von Reaktor 2.

Er war Arbeitern aufgefallen, die sich auf Dosimetermessungen in einem anderen Bereich vorbereiteten.

An Reaktor 2 ist das Strahlungsniveau vergleichsweise hoch, so dass Untersuchungen und Dekontaminationsmaßnahmen nur mit ferngesteuertem Gerät durchgeführt werden können.

Wie dem tierischen Eindringling der Zutritt auf das Gelände gelang, ist bislang unklar. Man untersuche die genauen Umstände.

TEPCO lehnt Kostenübernahme für Dekontamination ab: Kraftwerksbetreiber TEPCO lehnt es ab, die Kosten für radioaktiv kontaminierte Gebiete, in die langfristig keine Rückkehraussicht besteht zu übernehmen und beruft sich dabei auf juristische Spitzfindigkeiten.

Das Umweltministerium fordert vom Unternehmen die Zahlung von 20 Milliarden Yen, die als Ausgaben für die Dekontamination der Ortschaft Okuma vom Ministerium vorgestreckt wurde. Es handelt sich somit bislang um Steuergelder.

Die Dekontamination von Okuma ist die erste in einem Gebiet, das im Rahmen des Drei-Zonen-Modells als Bereich mit schwierigen Rückkehraussichten eingestuft wurde. Die Arbeiten sollen bis Ende des Fiskaljahrs abgeschlossen sein.

TEPCO verweigert die Übernahme der Kosten unter Verweis auf den Umstand, dass die Pläne zur Dekontamination dieses Gebiets erst nach der Kabinettsentscheidung im Dezember 2013 getroffen wurden.

Tatsächlich ist in dem Gesetz zur Bewältigung der Umweltverschmutzung durch radioaktives Material nicht geklärt, ob die Regelung, TEPCO könne zur Kostenübernahme verpflichtet werden, auch auf Maßnahmen anzuwenden ist, die zum Zeitpunkt der Richtlinienfassung noch nicht geplant waren.

Unterstützt wird die ablehnende Haltung des Energiekonzerns vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), die diesen Schritt ebenfalls nicht als verpflichtend ansieht.

Bislang zeigte TEPCO sich vergleichsweise kooperativ und hat 350,5 Milliarden der insgesamt 381 Milliarden Yen an Dekontaminationskosten in 12 Fällen übernommen.

Doch im Fall der Gemeinde Okuma wird offenbar zunächst unklar bleiben, aus welcher Quelle die 20 Milliarden Yen umfassende Vorfinanzierung mit Steuergeldern gedeckt werden soll. In weiteren Gemeinden steht eine umfassende Dekontamination noch aus. Über diesen Fall berichtete die Mainichi Shimbun.

Bevölkerungszahl der Präfektur Fukushima auf Rekordtief: Wie aus der Volkszählung vom Oktober diesen Jahres hervorgeht, ist die Zahl der Einwohner der Präfektur Fukushima auf den niedrigsten Stand seit Kriegsende gesunken.

Die Volkszählung findet alle fünf Jahre statt und erste aktuelle Zahlen liegen vor. Im Vergleich zum Jahr 2010 wurde ein Rekordrückgang von 5,7 Prozent, oder 115.000 Einwohnern festgestellt. Demnach leben nun noch 1,9 Millionen Menschen dort.

Dieser Trend ist jedoch nicht nur auf die Katastrophen von 2011 zurückzuführen, denn bereits seit dem Höchststand von 2,1 Millionen im Jahr 1995 kam es zum kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang der Präfektur. Hier spiele auch die Überalterung eine Rolle.

Dennoch sind die Auswirkungen spürbar, denn jene Gebiete, die evakuiert werden mussten, weisen den deutlichsten Rückgang auf, während die Gemeinden, in die viele Flüchtlinge flohen, einen statistischen Bevölkerungszuwachs verzeichnen.

Über diese Entwicklungen berichteten mehrere Medien, darunter Asahi Shimbun, jiji und NHK.

Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am vergangenen  Montag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO, wie immer am Monatsende, die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den November 2015.

Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Daten zur Strahlungsbelastung der AKW-Arbeiter veröffentlicht (Symbolfoto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO, waren im November 2015 insgesamt 312 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden.

Die maximale externe Strahlungsbelastung der Angestellten lag bei 13,88 Millisievert. Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden wie zuvor, keine signifikanten Werte festgestellt.

Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten, mit Stand von Dezember 2015 befassen wird, soll gegen Ende Januar 2016 eingereicht werden.

Fukushima-Kläger planen Verbandsgründung: Bürger und Initiativen, die sowohl gegen die damalige Regierung, als auch den Kraftwerksbetreiber TEPCO klagen wollen, planen die Gründung einer Vereinigung.

Im Laufe dieses Monats hatten sich Kläger und Rechtsanwälte von zehn verschiedenen Gruppen beraten und eine engere Zusammenarbeit beschlossen. Die offizielle Gründung ist für Februar kommenden Jahres vorgesehen. Die erwartete Mitgliederzahl wird auf 10.000 Personen geschätzt.

Anlässlich des fünften Jahrestags der Tohoku-Naturkatastrophen und der damit verbundenen Krise am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, will man auch die Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten lassen. Über die Pläne berichtete die NHK.

Weihnachtskartenaktion für Tohoku-Katastrophenopfer: Seit vergangenem Mittwoch lief in der Stadt Fukushima eine Ausstellung von Weihnachtskarten mit Unterstützungsbotschaften für die Betroffenen der Ereignisse vom März 2011.

Noch bis zum Sonntag konnten kostenlos 2.600 dieser Weihnachtsbotschaften in der Ausstellung besichtigt werden. Es war bereits die vierte Aktion dieser Art.

Die Gesamtzahl der Karten ist deutlich größer. So kamen aus Europa und Asien etwa 25.000 Unterstützungskarten mit aufmunternden Worten. Über die weihnachtliche Ausstellung berichteten Präfekturmedien am Freitag.

Suizidrate bei Fukushima-Flüchtlingen gestiegen: Die Zahl der Selbsttötungen von Personen, die im Zuge der Kraftwerkskatastrophe vom März 2011 evakuierten, steigt in der Präfektur Fukushima weiter an.

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Bis Ende November wurden in den drei Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi insgesamt 154 Selbsttötungen mit Katastrophenbezug festgestellt.

Mehr als die Hälfte betreffen frühere Einwohner der Präfektur Fukushima.

Zwischen Januar und Ende November 2015 gab es 19 Selbsttötungen in der Präfektur Fukushima, bei denen ein Bezug zur AKW-Krise besteht. Das ist ein Anstieg um vier Fälle im Vergleich zum Vorjahr.

Im gleichen Zeitraum gab es in der Präfektur Iwate lediglich zwei und in der Präfektur Miyagi lediglich einen Suizid mit Bezug zu den Tohoku-Katastrophen, obwohl beide Präfekturen hart vom Großbeben und Tsunami getroffen und verwüstet worden waren.

Während dort die Zahlen rückläufig sind, steigen die Zahlen der Fälle in der Präfektur Fukushima weiter an, was nach Ansicht von Experten auf die unterschiedlichen Faktoren zurückzuführen ist.

Während in Miyagi und Iwate die Rückkehraussicht letztlich nur durch die Geschwindigkeit des Wiederaufbaus und der Neubelebung der Wirtschaft gebremst wird, sind es im Fall der Präfektur Fukushima die Sperrgebiete aufgrund der Radioaktivität.

Mehrheitlich wurden gesundheitliche Gründe, sowie wirtschaftliche Unsicherheit als Motiv für die Selbsttötungen angeführt.

Das Risiko an Depressionen zu erkranken. oder die Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) zu entwickeln, ist Studien zufolge in Fukushima größer, als in den beiden anderen Präfekturen.

Mit Stand vom November leben in der Präfektur Iwate noch etwa 24.000 und in Miyagi 55.000 Personen in Übergangsunterkünften außerhalb ihrer Heimatorte. In der Präfektur Fukushima beträgt die Zahl etwa 103.000 Personen.

Die Regierung in Tokyo plant für März 2017 eine Aufhebung der Evakuierungsanordnung für einige Gemeindeteile im Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Über die Suizidtendenzen berichtete die Asahi Shimbun.

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