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Fukushima aktuell: Todesfälle mit Katastrophenbezug nehmen zu

Tohoku-Katastrophen fordern immer noch Opfer - Zahl der Fukushima-Evakuierten besonders hoch

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Artikelbild - Jizo-Statue auf Friedhof (Foto: MikuraTv, pd)
Jizo-Statue auf Friedhof (Foto: MikuraTv, pd)

Totenzahlen, ein Ministerbesuch und Wiederbelebungsversuche für die Infrastruktur, gehören in Fukushima heute zu den aktuellen Meldungen. Die Einzelheiten der Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. September 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Über 4.000 Folgeopfer der Tohoku-Katastrophen
  • Erster Besuch des neuen Ministers für Kraftwerksnotfälle am AKW Fukushima
  • Versuchsfahrt auf einstiger Sperrgebiets-Bahnstrecke
  • Entwicklungen im J-Village machen Fortschritte
Über 4.000 Folgeopfer der Tohoku-Katastrophen

Am gestrigen Mittwoch gab die Präfektur die aktuellen Zahlen von Todesfällen bekannt, die im kausalen Zusammenhang mit den Tohoku-Katastrophen vom März 2011 stehen. Dabei wurde ein Anstieg der Todesopferzahlen deutlich.

Waren es im Dezember 2012 bereits mehr als 3.000 Todesfälle, so stieg diese Zahl auf nunmehr 4.001 Personen an. Wird der Tod eines Menschen als „Todesfall mit Katastrophenbezug“ anerkannt, besteht ein Entschädigungsanrecht für Hinterbliebene.

Die Mehrheit der neuen Todesfälle ist allerdings nicht auf das Großbeben, oder den Tsunami zurückzuführen. Bei insgesamt 2.173 Personen wurde ein Zusammenhang mit der Evakuierung aufgrund der AKW-Katastrophe, oder ein entsprechender Suizid festgestellt.

Um bei künftigen Katastrophen die Zahl solcher „Folgetode“ zu reduzieren, müssen nach Ansicht der Präfektur stärkere Sozialmaßnahmen, wie etwa Kontrollen bei allein lebenden Personen in Evakuierungssiedlungen erfolgen.

Über die Entwicklung berichteten Präfekturmedien.

Erster Besuch des neuen Ministers für Kraftwerksnotfälle am AKW Fukushima

Erstmals seit Antritt seines Postens besuchte Masaharu Nakagawa, Minister für Nuklearkatastrophenbereitschaft, das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, um sich einen Eindruck von den dortigen Maßnahmen zu verschaffen.

Neben der obligatorischen Ermutigungsrede gegenüber Angestellten, gehörte auch eine Besichtigung des so genannten Eiswalls zum Besuch des Ministers. Der Eiswall ist aus Sicht von TEPCO eine der wichtigsten Schritte zur Reduzierung radioaktiver Abwässer.

Eines der Probleme, mit denen sich Minister Nakagawa in Zukunft befassen muss, sind die Evakuierungspläne für die angrenzenden Gemeinden. Jede Ortschaft im 30-Kilometer-Radius von Kernkraftanlagen muss einen entsprechenden Plan für den Ernstfall vorweisen.

Doch fünf der insgesamt 13 Gemeinden innerhalb dieses Bannkreises waren bislang offenbar noch nicht dazu in der Lage, brauchbare Konzepte zur Evakuierung der Bevölkerung auszuarbeiten. Über den AKW-Besuch berichteten Präfekturmedien.

Versuchsfahrt auf einstiger Sperrgebiets-Bahnstrecke

Am heutigen Donnerstag begann JR East, der Betreiber der Joban-Zugstrecke, auf dem bislang gesperrten Teilstück zwischen den Bahnhöfen Tomioka und Tatsuta mit einem Testbetrieb, der zunächst einen Monat lang laufen soll.

Die 6,9 Kilometer lange Passage gehört zu einer Strecke, die in Folge der Tohoku-Katastrophe, aufgrund der Evakuierung von Gemeinden, gesperrt worden war.

Sofern keine Probleme auftreten, soll der Bahnverkehr auf dieser Teilstrecke zwischen den Gemeinden Tomioka und Naraha am 21. Oktober in den Regulärbetrieb übergehen.

Folgen der Ereignisse vom März 2011 sind dennoch sichtbar. Sowohl anhand der geringen Einwohnerzahl freigegebener Gemeinden, als auch in Form der Plastikbehälter mit Dekontaminationsabfällen in der Nähe der Bahnstrecke.

Über das Projekt zur künftigen Freigabe berichteten neben der jiji auch Präfekturmedien.

Ähnliche Hoffnung auf einen positiven Einfluss im Bezug auf die Wiederbelebung der Region, dürfte auch die für November geplante Eröffnung einer neuen Straße wecken. Sie könnte bei Sperrungen der Nationalstraße 13, etwa im Katastrophenfall, Staus vermeiden.

Außerdem wird die Fahrzeit zwischen zwei Drehkreuzen durch die 35,60 Kilometer lange Zusatzstrecke um 20 Minuten verkürzt. Ob dies tatsächlich zu einer wirtschaftlichen Revitalisierung der Region beitragen wird, bleibt abzuwarten.

Entwicklungen im J-Village machen Fortschritte

In der Regel ist das Wachsen von Gras kein Vorgang, der besondere Erwähnung findet. Doch in diesem Fall geht es um die Spielfelder auf der Sportanlage des so genannten J-Village in Nähe zum Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Hier wächst das Gras wie geplant.

Seit der AKW-Krise diente die Sportstätte als Ausgangsbasis für die Einsätze der Arbeiter am Kernkraftwerk, so dass an Aktivitäten sportlicher Art nicht zu denken war. Die Rasenfläche diente als Landeplatz für Helikopter und Parkplatz.

Doch nachdem die Nutzung des J-Village im Rahmen der Olympischen Spiele 2020 diskutiert worden war, beschloss man eine Umverlegung der Arbeitskräfte und eine Wiederbelebung von Japans einst größter Trainingseinrichtung.

Jetzt wächst dort wieder Gras und damit auch die Hoffnung auf eine Wiederbelebung sportlicher Aktivitäten. Heute besuchten Vertreter des japanischen Fußballverbands die Anlage, um die Fortschritte vor Ort zu inspizieren und die Ergebnisse zu besprechen.

Verläuft alles wie geplant, könnten im Sommer 2018 die Wiedereröffnung einer ersten Unterbringungsmöglichkeit erfolgen. Über diese positiven Aussichten berichtete die jiji.