Start Aktuelles Fukushima aktuell: Tonnenweise radioaktives Wasser bei Pumpzwischenfall und Leck ausgetreten

Fukushima aktuell: Tonnenweise radioaktives Wasser bei Pumpzwischenfall und Leck ausgetreten

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Artikelbild - AKW Fukushima: Leckbereich um gelben Kunststofftank am 13. April 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leckbereich um gelben Kunststofftank am 13. April 2014 (Foto: TEPCO)

Mit einem Tankleck und einem Pumpenzwischenfall, bei denen große Mengen an stark radioaktivem Wasseraustraten, beginnt die Woche am AKW Fukushima heute alles andere als positiv. Andere Fukushima News scheinen Angesichts der beiden Zwischenfälle eher zweitranging.

Informationen zu dem, was an der Anlage in Japan aktuell geschah, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. April 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Wasserleck an Kunststofftank im Bereich H5
  • Über 200 Tonnen an radioaktivem Wasser in falsches Gebäude gepumpt
  • TEPCO gibt Entwarnung nach Erdbeben
  • Feldtest für Dekontaminationsgerät
  • Bürgermeister halten Evakuierungspläne für schwierig

Wasserleck an Kunststofftank im Bereich H5: Bei einem Kontrollgang am Sonntag, entdeckten Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 8:40 Uhr, dass Wasser aus einem Plastikbehälter austrat. Offensichtliche Ursache war ein Riss am Boden des Behälters.

Die Strahlungswerte des austretenden Wassers, entsprachen etwa der Hintergrundstrahlung vor Ort. Eine Analyse des Wassers im Tank ergab einen Cäsiumwert von 440 Becquerel pro Liter. Cäsium-137 wurde in einer Konzentration von 1.200 Becquerel angegeben, so dass sich die Gesamtbelastung mit Cäsium auf  1.640 Becquerel pro Liter.

TEPCO benennt das Gesamtergebnis aller Betastrahler, wie etwa Strontium-90 mit 1.400 Becquerel pro Liter.

AKW Fukushima: Schaden des Kunststofftanks am 13. April 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schaden des Kunststofftanks am 13. April 2014 (Foto: TEPCO)

Die Menge an ausgetretenem Wasser wird mit einer Tonne angegeben.

Eine Lache von 3 x 15 Metern bildete sich um den Behälter. Gefahr für das Meer bestehe nicht, da es in der Nähe keinen Abfluss gebe. TEPCO kündigte an, die Hintergründe des aktuellen Wasserlecks zu ermitteln.

Der Standort des Kunststoffbehälters befindet sich im Lagertankbereich H5 und liegt etwa 700 Meter von der Küste entfernt. Über den Zwischenfall berichtete neben dem Kraftwerksbetreiber TEPCO auch die jiji.

Über 200 Tonnen an radioaktivem Wasser in falsches Gebäude gepumpt: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO heute berichtet, kam es zu einem weitreichenden Zwischenfall beim Transfer radioaktiven Wassers. Aufmerksam geworden sei man, als zwischen Donnerstag und Sonntag der Wasserstand eines Behälters nicht gestiegen, sondern gefallen war.

Arbeiter entdeckten beim Transfer von kontaminiertem Wasser aus einem Abfalllagergebäude zur Hauptverarbeitungsanlage, dass dort der Wasserstand eines Behälters sank, anstatt zu steigen.

Wie eine Untersuchung ergab, hatten vier Pumpen, die eigentlich nicht in Betrieb sein sollten, sondern nur für den Notbetrieb vorgesehen sind,  insgesamt 203 Tonnen an radioaktivem Wasser, weder in einen Lagertank, noch in eine Filteranlage gepumpt – sondern in die Gegenrichtung.

Somit gelangte das radioaktive Wasser, dass eine Konzentration von 37 Millionen Becquerel pro Liter an radioaktivem Cäsium aufweist, in das Untergeschoss eines Gebäudes, das eigentlich mit der Verbrennung radioaktiver Abfälle in Verbindung steht.

Von den 37 Millionen Becquerel pro Liter entfallen 10 Millionen auf Cäsium-134 und 27 Millionen auf Cäsium-137. Das betroffene Gebäude liegt südlich von Reaktor 4.

Im Erdgeschoss dieses Gebäudes befindet sich auch eine ausgemusterte Cäsiumfilteranlage. Ob hierbei ein Zusammenhang besteht, ist noch unklar. Da sich Bedienelemente für die vier Pumpen sowohl im Gebäude der Verbrennungsanlage, als auch einem weiteren Gebäude befinden, könnte menschliches Versagen nicht ausgeschkossen werden.

Das Unternehmen führte aus, man werde die Wasserstandsänderungen innerhalb des Gebäudes ebenso im Auge behalten, wie die Grundwassermessposten. Grundsätzlich bestehe jedoch keine Verbindung zwischen dem Untergeschoss und der Außenwelt. Die Ursache für den ungeplanten Betrieb der Pumpen werde Untersucht.

Über den Zwischenfall berichteten auch Kyodo und NHK.

TEPCO gibt Entwarnung nach Erdbeben: Am Sonntag erschütterte gegen 18:16 Uhr ein Erdbeben der Magnitude 4,9 den Nordosten Japans. Das Epizentrum befand sich 60 Kilometer vor der Küste der Präfektur Fukushima. Die japanische Wetterbehörde gab keine Tsunamiwarnung aus.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Keine Schäden durch Erdbeben berichtet (Symbolfoto: TEPCO)

Kraftwerksbetreiber TEPCO reagierte auf das Erdbeben mit einer offiziellen Mitteilung. Obwohl das Erdbeben in der Stadt Naraha Stärke 4 der siebenstufigen japanischen Skala erreicht habe, sei es an zu keinen  Auffälligkeiten gekommen.

Sowohl die Wassereinspeisung, als auch das Kühlsystem, die Stickstoffanlage, die Wasserfilterungen inklusive des ALPS, sowie Wasserleitungen, Stromversorgung un die Messgeräte wiesen keine Abweichungen auf.

Auch an der zweiten Anlage des Betreibers, dem AKW Fukushima Daini, habe es keine Auffälligkeiten gegeben.

Feldtest für Dekontaminationsgerät: Am Samstag führten Mitarbeiter der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, in der Ortschaft Otama (Präf. Fukushima), Feldversuche eines Systems durch, das die Dekontamination von landwirtschaftlich genutzten Kanälen und Gräben erleichtern soll.

Durch den Einsatz des Gerätes, soll kontaminiertes Erdreich an diesen Stellen ausgehoben werden können, ohne dass ein Arbeiter in Kontakt mit dem radioaktiven Aushub kommt. Auch die Reinigung von belastetem Erdmaterial wird bei der Planung derartiger Geräte berücksichtigt.

Die Entwicklung dieser Anlagen, mit denen beispielsweise auch Gräben entlang von Schulwegen dekontaminiert werden können, wird durch die Kooperation mit Unternehmen im Rahmen von Wiederaufbauprojekten für die  Präfektur gefördert. Über die Aktion in Otama berichteten Präfekturmedien.

Bürgermeister halten Evakuierungspläne für schwierig: Die Vereinigung der „Bürgermeister für ein atomenergiefreies Japan“, zu der etwa 90 aktive Amtsinhaber und Ruheständler zählen, hat bei einer Befragung zu den Katastrophenschutzplänen der Regierung, vor allem kritische Antworten erhalten.

Zu den Maßnahmen gehört für die Verwaltungen von Gemeinden, die innerhalb eines 30 Kilometer messenden Gebiets um Atomkraftwerke, der so genannten UPZ liegen, Evakuierungspläne für schwere Störfälle auszuarbeiten. Doch die Erstellung der Pläne wird als schwierig bezeichnet.

So sei die Evakuierung beim Zusammentreffen einer AKW-Krise mit Naturkatastrophen wie etwa Erdbeben, aufgrund der Infrastrukturschäden schwierig.

Katsukawa Idogawa, früherer Bürgermeister der Gemeinde Futaba (Präf. Fukushima), berichtet, einige Bewohner hätten acht Stunden für eine Strecke benötigt, die sonst in einer Stunde zu bewältigen sei. Hätte es Erdrutsche gegeben, wäre man gänzlich abgeschnitten gewesen.

Idogawa erklärte, man habe bereits vor dem Kraftwerksunfall einen Evakuierungsplan gehabt, dieser habe sich als nutzlos erwiesen.

Weitere Probleme ergeben sich nach Angaben der befragten Bürgermeister, durch die Radioaktivität und die Evakuierten selbst. So verfügen nicht alle Gemeinden über Kenntnisse und Mittel zur Dekontamination von Flüchtlingen, oder Möglichkeiten zur langfristigen Unterbringung. Hierüber berichtete die Kyodo.

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