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Fukushima aktuell: Tsunami-Risiko war neun Jahre vor AKW-Krise bekannt

AKW-Betreiber TEPCO lehnte weitergehende Untersuchungen ab

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Foto des Tsunami am AKW Fukushima am 11.03.2011 Foto: Tepco
Tsunami am AKW Fukushima am 11. März 2011 (Foto: TEPCO)

Es scheint vielen Menschen sicher kaum vorstellbar, dass es rund um die Katastrophe am AKW Fukushima heute noch Unklarheiten oder neue Erkenntnisse geben könnte – doch die in Japan aktuell bekannt gewordenen Fukushima News sind ein klares Beispiel dafür.

Weitere Meldungen befassen sich mit dem Wiederaufbau der Region und der mangelnden Bereitschaft zur Rückkehr bei einigen Evakuierten. Die Einzelheiten gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Januar 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Forderung nach Tsunami-Simulation neun Jahre vor AKW-Krise abgelehnt
  • Spatenstich für Industriegebiet nahe des AKW Fukushima
  • Fast 80 Prozent der Evakuierten in Niigata haben keine Rückkehrabsicht
Forderung nach Tsunami-Simulation neun Jahre vor AKW-Krise abgelehnt

Bereits neun Jahre bevor es im März 2011 zu den Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi kam, warnte die damalige Atomaufsichtsbehörde NISA, die unter Aufsicht des Industrieministeriums stand, vor der Gefahr eines großen Tsunami.

Im Juli 2002 kam ein Erdbeben-Untersuchungsausschuss in einer langfristigen Risikobewertung zu dem Schluss, dass die Gefahr eines schweren Erdbebens, verbunden mit dem Risiko eines Tsunami an der Küste der Region Tohoku, ernstzunehmen sei.

Als Konsequenz daraus forderte die NISA vom Kraftwerksbetreiber TEPCO die Durchführung einer Simulation mit dem Szenario eines Tsunami als Folge eines Erdbebens vor der Küste der Präfektur Fukushima.

Doch die Forderung stieß beim Unternehmen auf taube Ohren. Man berief sich auf die Forschungen eines Seismologen und führte die Maßnahme nicht durch.

Diese Behauptungen fanden sich nun in Aussagen von Shuji Kuwahara, der bei der NISA beschäftigt war. Sie waren im Rahmen der Klage eines Evakuierten vor einem Gericht in Chiba vorgelegt worden.

Nach Angaben von Kawahara, nahm die NISA damals die Ablehnung von TEPCO hin, da die langfristige Berechnung nicht ausreichend Beweiskraft für eine tatsächliche Gefahr im Bezug auf den AKW-Betrieb dargestellt habe.

Dies war nach damaligem Stand offenbar rechtlich zulässig und TEPCO habe zudem erklärt, man werde womöglich in Zukunft über gesonderte Tsunami-Schutzmaßnahmen nachdenken.

Die Bitte um eine Stellungnahme zu den jetzt vorliegenden Aussagen lehnte TEPCO unter Verweis auf das laufende Gerichtsverfahren ab.

Die Naturkatastrophen hätten das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in jedem Fall getroffen. Der Kläger ist  jedoch der Ansicht, dass man möglicherweise bereits früher Tsunami-Schutzmaßnahmen getroffen hätte, falls die Simulation damals erfolgt wäre.

Über diesen Vorwurf berichteten Kyodo und Präfekturmedien.

Spatenstich für Industriegebiet nahe des AKW Fukushima

Am vergangenen Freitag fand in der Gemeinde Futaba der erste Spatenstich für ein neues Industriegebiet im Bezirk Nakano statt. Der Ortsteil ist ein aussichtsreicher Kandidat für die Aufhebung der Evakuierungsanordnung, die fǘr den Großteil der Gemeinde gilt.

Insgesamt 96 Prozent der Ortschaft sind im Rahmen des Drei-Zonen-Systems als langfristig unbewohnbar klassifiziert worden. Auf etwa 200 Hektar der verbliebenen Fläche läuft eine Dekontamination, so dass eine Fläche von 50 Hektar für das Industriezentrum zur Verfügung steht.

Geht es nach dem Willen der Planer, soll noch in diesem Jahr eine teilweise Wiederherstellung der Infrastruktur gelingen, so dass der Verkauf an interessierte Unternehmen möglich sein wird.

Sowohl der Bürgermeister, als auch der Minister für Wiederaufbau und der Vize-Industrieminister nahmen an der Zeremonie teil und äußerten sich zuversichtlich im Bezug auf den Wiederaufbau und die Wiederbelebung der Region.

Ein Teil der Fläche wird voraussichtlich an Unternehmen verpachtet, die im Bereich der Stilllegung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi tätig sind. Diese könnten dort Forschungseinrichtungen für künftige Maßnahmen errichten.

Wiederaufbauminister Masayoshi Yoshino erklärte, parallel zu den Arbeiten würden auch Dekontaminationsmaßnahmen in Wohngebieten durchgeführt werden, so dass man Einwohnern anschließend die Möglichkeit zur Rückkehr bieten könne.

Über den Schritt berichtete neben der NHK auch Präfekturmedien.

Fast 80 Prozent der Evakuierten in Niigata haben keine Rückkehrabsicht

Eine am Samstag vorgelegte Umfrage der Präfektur Niigata zeigte, dass dort fast 80 Prozent jener Haushalte, deren Bewohner ohne offizielle Evakuierungsanordnung aus der Präfektur Fukushima geflohen waren, absolut keine Rückkehrabsicht haben.

Obwohl im vergangenen Jahr die kostenlose Unterbringung in Niigata offiziell beendet wurde, plant dort kaum jemand die Rückkehr in die Heimatpräfektur.

Insgesamt 2.079 der 2.753 Haushalte mit so genannten „freiwillig Evakuierten“ existieren dort weiterhin – das entspricht 76,2 Prozent. Lediglich 472 Haushalte (17,1 Prozent) sind rückkehrbereit.

Bislang sind nur 78 Haushalte tatsächlich zurückgekehrt, über die verbleibenden 106 Haushalte gibt es keine Angaben. Das berichteten Präfekturmedien