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Fukushima aktuell: Über hundert neue Arbeitsrechtsverstöße am AKW Fukushima

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Artikelbild - Fukushima-Arbeiter vor Transport zum Arbeitsplatz am 7. Oktober 20111 (Foto: TEPCO)
Weitere Verstöße gegen Rechte der Fukushima-Helfer (Foto: TEPCO)

Auch wenn die Situation weniger dramatisch anmuten mag, ist das AKW Fukushima heute noch in vielfacher Hinsicht ein Risiko für die Beschäftigten. Einzelheiten hierzu und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. November 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • 127 neue Arbeitsrechtsverstöße am AKW Fukushima
  • Bergung verformter Brennelemente verlief problemlos
  • Missgeschick an Abklingbecken von Reaktor 4
  • Mehrtägige Katastrophenübung in Region Tohoku angelaufen
  • Betreiber will Sicherheitsprüfung für unfertiges AKW beantragen
  • Angeblich radioaktives Material an Privatpersonen verkauft

127 neue Arbeitsrechtsverstöße am AKW Fukushima: Die Arbeitsbehörde Fukushima kommt in einem gestern vorgelegten Bericht zu dem Schluss, das zwischen April und August 127 Verstöße bei den Stilllegungsarbeiten am AKW Fukushima Daiichi begangen wurden. Die Gesamtzahl die seit der Katastrophe gezählten Verstöße beläuft sich nun auf 347 Fälle bei 234 Betrieben.

Zu den nachgewiesenen Mängeln gehören das fehlende Tragen von Atemschutzmasken mit Filtern und die Arbeit mit abgeschaltetem Dosimeter auf der Anlage. Grundlage für den Bericht sind Kontrollen vor Ort die mindestens einmal monatlich durchgeführt werden.

Zu den übrigen Verletzungen des Arbeitsrechts gehörten Arbeitsbedingungen, Überschreitungen der Arbeitszeit, fehlende Auszahlung von Überstunden und Gefahrenzulagen. Auch regelmäßige Wartungskontrollen an Kränen und eingesetztem Arbeitsgerät erfolgten vielfach nicht. Über die Verstöße berichteten Präfekturmedien.

Bergung verformter Brennelemente verlief problemlos: Die erfolgreiche Bergung aller abgebrannten Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 4, hatte auch zu Fragen um den Zustand der verformten Brennelemente aus dem Becken geführt.

AKW Fukushima: Transfer eines beschädigten Brennelements am 4. November 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Transfer eines beschädigten Brennelements am 4. November 2011 (Foto: TEPCO)

Insbesondere  im Fall eines eingeknickten Brennelements war mit Schwierigkeiten gerechnet worden. Beschädigte Brennelemente setzen eine höhere Radioaktivität frei. Doch die Nutzung eines großen Sonderbehälters mit mehr Platz konnte auch dieser Arbeitsschritt erfolgreich gemeistert werden.

Nach offizieller Darstellung von TEPCO habe es dabei kein Sicherheitsproblem gegeben. Ergänzend zu diesen Meldungen von Präfekturmedien, veröffentlichte der Kraftwerksbetreiber auch Aufnahmen der Bergung verformter Brennelemente aus dem Becken.

Doch auch wenn nun lediglich bislang ungenutzte Brennelemente im Abklingbecken verbleiben, deren Bergung weniger riskant ist und bis zum Jahresende abgeschlossen sein soll – gänzlich ohne Anpassungen wird dieser Arbeitsschritt nicht erfolgen.

Da das Gemeinschaftsbecken als eigentlicher Bestimmungsort nicht ausreichend  Lagerplatz für Brennelemente aus Reaktor 4 bietet, werden diese letzten Elemente nun in ein Lagerbecken von Reaktor 6 verbracht werden.

Missgeschick an Abklingbecken von Reaktor 4: Am heutigen Vormittag kam es bei den Arbeiten zur Wasserentnahme im Umgehungskanal des Wärmetauschers eines Lagerbeckens in Reaktor 4 gegen 11:30 Uhr zu einem Zwischenfall. Dort fiel eine Abdeckung aus Gummi mit Maßen von 10 x 2 Zentimetern und einer Dicke von zwei Millimetern in das Becken und floss in den gap Ausgleichsbehälter des gleichen Beckens.

Als Reaktion auf diesen Zwischenfall wurden alle relevanten Werte für das Kühlsystem des Abklingbecken untersucht und bestätigt, dass keine Unregelmäßigkeiten auftraten. Das berichtete der Kraftwerksbetreibers TEPCO.

Mehrtägige Katastrophenübung in Region Tohoku angelaufen: Als Teil der Vorbereitungen auf das erwartete Nankai-Großbeben, begannen in der Region Tohoku die großangelegte Katastrophenübung „Michinoku Alert 2014“. Die mehrtägige Übung umfasst nicht nur die Selbstverteidigungsstreitkräfte, sondern auch die sechs Präfekturverwaltungen beteiligen sich.

Zerstörtes Gebäude nach den Tohoku-Katastrophen (Foto; Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Gebäudeschäden nach den Tohoku-Katastrophen (Foto; Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Grundlage der Übung ist ein hypothetisches Erdbeben der Magnitude 9,0 mit einem Epizentrum vor der Küste der Präfektur Miyagi, dass sich um 9:00 Uhr ereignet und dabei einen Tsunami auslöste, der die Pazifikküste trifft.

Bei der jetzt angelaufenen umfangreichen Übung, beteiligen sich neben 15.000 Mitgliedern der SDF, auch Mitarbeiter von vier Präfekturen und 52 Gemeinden, um erste Notfallmaßnahmen zu treffen.

Es handelt sich nicht nur um die erste Großübung in der Region seit den Katastrophen vom März 2011, sondern erstmals sind auch Truppen der Vereinigten Staaten und australische Einheiten beteiligt. So sollen etwa US-Transportflugzeuge vom Typ MV-22 Osprey am Samstag benötigtes Material anliefern.  Die gemeinsamen Übungen sollen bis zum Sonntag laufen.

Bereits gestern führten mehrere Gemeinden anlässlich des “Tsunami Disaster Prevention Day“ unter anderem auch Evakuierungsübungen durch. Für Ortschaften wie Hirono war es die erste derartige Übung seit dem Tsunami des Tohoku-Großbebens vom März 2011. Dabei wurde auch Evakuierungshilfe für Behinderte und Senioren geübt.

Über die Katastrophenübungen berichteten unter anderem Kyodo, jiji und Präfekturmedien.

Betreiber will Sicherheitsprüfung für unfertiges AKW beantragen: Ende des Jahres will die Electric Power Development Company (J-Power), die Sicherheitsprüfung der Atomaufsichtsbehörde NRA für das im Bau befindliche Kernkraftwerk Oma (Präf. Aomori) beantragen.

Absolvierung der Sicherheitsprüfung ist eine der Voraussetzungen für Reaktorneustarts.

Der Bau der Anlage war nach der Fukushima-Katastrophe 2011 unterbrochen, jedoch Ende 2012 mit dem Ziel wiederaufgenommen worden, die zwischenzeitlich verschärften Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen.

Kommende Woche will das Unternehmen seine Pläne der Präfekturleitung vorlegen und auch die Verwaltung der Stadt Hakodate soll über Einzelheiten informiert werden. Die Stadt liegt weniger als 30 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt, lediglich getrennt durch die Meerenge der Tsugaru-Straße. Einwohner wehren sich gegen das AKW.

Dies berichten Kyodo und NHK unter Bezug auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Sollten die Angaben zutreffend sein, wäre dies der erste Antrag für einen Reaktor, der sich noch im Bau befindet. Bislang wurden Prüfungsanträge für 20 Reaktoren an 13 AKW eingereicht.

Angeblich radioaktives Material an Privatpersonen verkauft: Ein 54 Jahre alter Mann aus Fujisawa (Präf. Kanagawa) muss sich vor einem Gericht verantworten, nachdem er gestanden hatte, Proben des radioaktiven Americium-241 an acht Privatpersonen verkauft zu haben.

Americium-241 (Foto: pd)
Americium-241 (Symbolfoto: pd)

Mit dem Material, dass er sich angeblich im Internet beschafft haben soll, wollte er sich den, nach der Fukushima-Katastrophe aufgetretenen steigenden Bedarf an Dosimetern und anderen Messgeräten zu nutze machen und das Material zur Prüfung der Geräte verkaufen.

Der Verdächtige habe nach  eigenen Angaben zunächst insgesamt 15 Stück des radioaktiven Isotops in abgeschirmten Paketen für Preise zwischen 1.100 und 1.200 Yen online gekauft und zu Preisen zwischen 3.500 und 4.500 Yen an die acht Personen weiterverkauft.

Bei dem illegal gehandelten Material wurde nach Angaben der Polizei der gesetzlich festgelegte Grenzwert überschritten. Das berichtete die Kyodo.

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