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Fukushima aktuell: Überhitzung gefährdet Gesundheit der AKW-Arbeiter

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Artikelbild - AKW Fukushima: Kühlbox zur Arbeiterversorgung am 13. August 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kühlbox zur Arbeiterversorgung am 13. August 2014 (Foto: TEPCO)

Spektakuläre Meldungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für die Arbeiter am AKW Fukushima heute immer noch um die eigene Gesundheit geht, wenn sie ihren Aufgaben dort nachgehen. Hierzu gab TEPCO nun Informationen bekannt. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. September 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO dokumentiert Hitzschlagmaßnahmen
  • Maßnahmen zur Strahlungskontrolle im Hafen vorgestellt
  • Fukushima-Fehlberichte haben Folgen für Asahi Shimbun
  • Yoshida erklärte Befehlsmissachtung für lebensrettend
  • Menschenkette anlässlich des Jahrestags der Anti-AKW-Zelte
  • TEPCO zahlt Entschädigung für Todesfall

TEPCO dokumentiert Hitzschlagmaßnahmen: In der Vergangenheit berichteten wir mehrfach von Arbeitsunfällen am AKW Fukushima Daiichi, die zum Teil tödlich verliefen.

AKW Fukushima: Gesundheitskontrolle am 13. August 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gesundheitskontrolle am 13. August 2014 (Foto: TEPCO)

Ein weiteres Gesundheitsproblem neben der Strahlungsbelastung, ist für die Kraftwerksarbeiter auch die körperliche Belastung, die bereits in mehreren Fällen zu Hitzschlägen bei AKW-Arbeitern führten. Jetzt hat TEPCO sowohl Zahlen, als auch Videoaufnahmen mit Bezug zu Hitzschlägen veröffentlicht.

Im Fiskaljahr 2011 lag die Zahl aller Fälle von Hitzschlag, einschließlich der Verdachtsfälle bei 43. Bereits im Folgejahr sank die Zahl auf 26, um dann im Fiskaljahr 2013 auf 18 Fälle. Allerdings gab es im Fiskaljahr 2014 bis zum jetzigen September wieder einen Anstieg auf 32 Fälle.

Die Aufnahmen zeigen sowohl die Maßnahmen vor Ort, etwa durch die Bereitstellung von Kühlboxen mit Wasserflaschen und Handtüchern, sowie Prävention durch Trinkwasser und Versorgung im Ruhebereich der Kraftwerksanlage.

Bereits einen Monat nach der Katastrophe im März  2011, hatte der Kraftwerksbetreiber, vermutlich nicht zuletzt aufgrund von internationalen Medienberichten, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten verbessert und im Juli 2011 auch Bilder von Kühlmaßnahmen, wie etwa Eisbeutel in Form von „Cooling packs“ für die Angestellte, veröffentlicht.

Arbeiten im Fukushima-Hafenbereich: Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte heute Aufnahmen und Informationen über die künftige Anbringung neuer Messgeräte zur Kontrolle der Meerwasserbelastung. Die bereits regelmäßig durchgeführten Kontrollen sollen Auskunft über den Kontaminationsgrad im Hafenbereich geben.

AKW Fukushima: Arbeiten für Messgeräte der Meeresbelastung (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeiten für Messgeräte der Meeresbelastung (Foto: TEPCO)

Durch die Kontrollen an der Hafenmündung, dem südlichen Hafendamm und den anderen Bereichen, wird die Konzentration von Cäsium und Betanukliden kontrolliert. Auch die Arbeiten zur Betonierung des Meeresbodens im Hafenbereich werden von TEPCO  noch einmal dokumentiert.

Auf den veröffentlichten Fotos ist die Hafeneinfahrt, sowie die geschilderten Arbeiten für Messposten zu sehen. Die aufwändigen Arbeiten und Testbetriebe werden Bauarbeiten und Maßnahmen erforderlich machen, die mindestens das kommende Fiskaljahr betreffen werden.

Fukushima-Fehlberichte haben Folgen für Asahi Shimbun: Nachdem sich die Asahi Shimbun in einem Artikel vom August 2014 auf die Yoshida-Protokolle gestützt und behauptet hatte, 90 Prozent der Kraftwerksarbeiter am AKW Fukushima Daiichi seien nahezu desertiert und trotz ausdrücklicher Anordnung zum AKW Fukushima Daini geflohen waren, erwiesen sich diese Aussagen als falsch.

Als Reaktion auf die umgehend einsetzende Kritik, folgte nicht nur eine offizielle Entschuldigung der Unternehmensführung – das Blatt widmete der Richtigstellung seiner Falschmeldung sogar eine Titelseite.

Verhängnisvoll war eine irrtümliche Schlussfolgerung, Yoshidas Unkenntnis über die Arbeiterevakuierung sei auf eine Befehlsverweigerung der Arbeiter zurückzuführen. Aussagen von Yoshida, die gegen diese Interpretation sprachen, wurden als „unwichtig“ bewertet.

Die Einreichung eines Nominierung der Meldungen für einen Journalistenpreis und die Androhung rechtlicher Schritte gegen ein Magazin, dass gegen die Fehlinterpretation argumentiert hatte, trugen zur Peinlichkeit für das Blatt bei.

Nun steht sogar ein Rücktritt an der Spitze des Medienunternehmens im Raum. Hierüber berichtete die Mainichi Shimbun.

Yoshida erklärte Befehlsmissachtung für lebensrettend: Die gestrige erste Veröffentlichung der Befragungsprotokolle, ermöglicht nun einen direkteren Blick auf die Entwicklung der Krise als Folge des Tohoku-Erdbebens. Neben den Aussagen des damaligen Kraftwerksleiters Masao Yoshida, sind auch die Aussagen 19 weiterer Personen verfügbar.

AKW Fukushima Daini in Japan. Foto: Tepco
AKW Fukushima-Daini: Evakuierung hierher schützte vermutlich Arbeiter (Foto: TEPCO)

Yoshida habe zwischen dem Abend des 14. März 2011 und dem kommenden Morgen berichtet, trotz der hohen Strahlung durch die freiliegenden Brennelemente sei man nicht in der Lage gewesen, den Druck zu senken oder Wasser einzuspeisen. Er fürchtete, bei ausstehender Kühlung werde eine vollständige Kernschmelze einsetzen und in die Umgebung gelangen.

Am Morgen des 15. März habe er dann alle Arbeiter, die für den Betrieb nicht dringend erforderlich waren, dazu aufgefordert, das Gebäude der Kommandozentrale zu evakuieren und sich in geringer belastete Gebiete zurückzuziehen, um dort weitere Anordnungen abzuwarten. Die Evakuierung zum Kernkraftwerk Fukushima Daini (2F) habe er nicht angeordnet.

Rückblickend befürwortet Yoshida die nicht ausdrücklich genehmigte Evakuierung zu diesem AKW. Seiner Ansicht nach wären sie aufgrund der Strahlung und der Art der Schutzkleidung, beim befolgen seiner Befehle, noch während des Zeitraums der Evakuierung einer tödlichen Strahlenbelastung ausgesetzt worden. Das berichtete die Mainichi Shimbun.

Yoshida selbst hatte sich später wegen seiner Ablehnung der Regierungsanordnung, die Notkühlung mit Meerwasser einzustellen, kritisieren lassen müssen. Trotz der Korrosionsfolgen wird die Notfallmaßnahme heute vielfach als angemessen angesehen. Der Kraftwerksleiter starb im Juli 2013  an Schilddrüsenkrebs.

Menschenkette anlässlich des Jahrestags der Anti-AKW-Zelte: Anlässlich des dritten Jahrestags der Protestzelte der Atomkraftgegner vor dem Gebäude des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), hielt die Protestgruppe eine Menschengruppe um das Gebäude ab, an der sich nach Angaben der Organisatoren 800 Menschen beteiligten.

Die Protestler wollen das Bewusstsein für die Aktion erhöhen, da die Zelte nicht die Maßnahme einer einzelnen Gruppierung sein sollen, sondern ein Symbol für die Ablehnung der Atomenergie in der Bevölkerung und damit sowohl Zeichen für Anklage, als auch für Hoffnung, wie es die Autorin Keiko Ochiai formulierte. Über die  Menschenkette berichtete die Asahi Shimbun.

TEPCO zahlt Entschädigung für Todesfall: Am heutigen Freitag einigte sich der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi mit Hinterbliebenen auf eine Entschädigungszahlung von 13,5 Millionen Yen.

Das Unternehmen hatte die Verantwortung für den Tod einer 83 Jahre alten Frau übernommen, die als Folge der Kraftwerkskatastrophe ohne adäquate medizinische Versorgung in der Klinik Futaba verbleiben musste

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Tod vieler Patienten zu mindestens 75 Prozent durch TEPCO verschuldet ist. Das berichtete die Kyodo.

 

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