Fukushima aktuell: Umfangreicher Stromausfall am AKW

Fukushima aktuell: Umfangreicher Stromausfall am AKW

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Artikelbild - AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)

Die Woche endet am AKW Fukushima heute mit einer ganzen Reihe interessanter Meldungen. Diese reichen über einen Stromausfall, über eine ungewöhnliche Anerkennung für einen AKW-Arbeiter, bis hin zu politischen Zielen.

Welche Fukushima News in Japan aktuell von Interesse sind, berichten wir im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. August 2016.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Umfangreicher Stromausfall am AKW
  • Zum zweiten Mal Krebs als Strahlungsfolge bei AKW-Arbeiter anerkannt
  • Experten sehen Eiswall als Misserfolg an
  • Fünf-Jahres-Ziel zur Aufhebung von Evakuierungsanordnungen
Umfangreicher Stromausfall am AKW

Am heutigen Morgen wurde gegen 3:40 Uhr Alarm ausgelöst, als es an mehreren Anlagen auf dem Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi zu Ausfällen der Elektrizitätsversorgung kam.

Davon betroffen waren auch 10 der 22 Kühleinheiten für den so genannten „Eiswall“, ein System aus Rohren, die tief liegende Bodenschichten gefrieren und so zu einer natürlichen Barriere zwischen kontaminiertem Reaktorwasser und sauberem Grundwasser führen soll.

Da durch die Verlegung auf andere Elektrizitätsquellen der Betrieb jedoch wieder aufgenommen werden konnte, sei die Kühlleistung nicht beeinträchtigt worden.

Ebenfalls betroffen war eine der beiden Cäsiumfilteranlagen. Hier konnte die Stromversorgung nach fast zwei Stunden wieder hergestellt werden.

Die Strahlungsmessposten auf dem Gelände wiesen keine Auffälligkeiten nach, so dass trotz des Zwischenfalls offenbar kein radioaktives Material freigesetzt wurde. Dennoch wolle man die genaue Ursache so schnell wie möglich ermitteln, um eine Wiederholung verhindern zu können.

Bereits in der Vergangenheit war es zu großen und kleinen Stromausfällen gekommen. Diese waren auf Nagetiere, Erdungsfehler und zertrennte Kabel zurückzuführen.

Zum zweiten Mal Krebs als Strahlungsfolge bei AKW-Arbeiter anerkannt

Wie des Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) am heutigen Freitag bekannt gab, ist einem leukämiekranken Mann offiziell bestätigt worden, dass seine Erkrankung die Folge seiner Tätigkeit am AKW Fukushima Daiichi ist.

Es handelt sich erst um den zweiten Fall, in dem ein Dokument ausgestellt wird, dass einen kausalen Zusammenhang zwischen der Strahlungsbelastung bei der Arbeit und der Krebserkrankung  bestätigt.

Erst im Oktober vergangenen Jahres wurde erstmals ein erster Leukämie-Fall als Folge der Arbeit am AKW anerkannt worden.

Der Mann Mitte 50 war vom April 2011 an fast vier Jahre lang am Kernkraftwerk tätig und dort hauptsächlich mit mechanischen Reparaturarbeiten beschäftigt. Er wurde dabei einer Gesamtbelastung von 54,4 Millisievert ausgesetzt.

Der frühere AKW-Arbeiter befindet sich in ambulanter Behandlung. Im Zeitraum von nunmehr fünf Jahren waren bislang etwa 47.000 Menschen am AKW Fukushima Daiichi beschäftigt.

Über die Entscheidung zur Gewährung des Zertifikats berichteten NHK und Präfekturmedien.

Experten sehen Eiswall als Misserfolg an

Beim gestrigen Treffen eines Expertenausschusses der Atomaufsichtsbehörde NRA kamen die Fachleute zu einem vernichtenden Ergebnis. Obwohl der Eiswall seit nunmehr fünf Monaten in Betrieb ist, zeige er kaum bis gar keine Effekte.

Auch wenn nach Angaben von TEPCO 99 Prozent der Thermometer auf der 820 Meter langen Strecke der Küstenseite ein Erreichen oder Unterschreiten des Gefrierpunkts anzeigen, habe sich die dort heraufgepumpte Grundwassermenge nicht wesentlich verringert.

Obschon ein Gefrierungsgrad von 99 Prozent nah an der vollständigen Abdichtung liegt, so zählt „nah dran“ bekanntermaßen nur beim Hufeisenwerfen, nicht jedoch, wenn es um die hermetische Abdichtung von Industrieanlagen geht.

Tatsächlich sollen ausgerechnet an dem verbleibenden Prozentpunkt jene Gebiete mit starker Grundwasserkonzentration liegen. Während TEPCO hofft, die Einspeisung von Beton werde Erfolge zeigen, fordert ein Teil der Experten nun ein Umdenken.

Das Unternehmen müsse beginnen, Alternativen in Betracht zu ziehen, selbst wenn man noch versuche, den Eiswall zum gewünschten Erfolg zu führen.

Der Ausschuss will nun von TEPCO eine Berechnung darüber, wie groß die Verhinderung einer Vermischung von Reaktorabwässern und Grundwassern wäre, wenn man das Wasser heraufpumpe, bevor es überhaupt den Eiswall erreiche.

Sollte sich diese Maßnahme statistisch als ebenso erfolgreich präsentieren wie der kostenintensive Eiswall, der bis Ende Mai bereits 34,5 Milliarden an Steuergeldern verschlang, könnte dies das Aus für den Eiswall bedeuten.

Über die äußerst kritische Beurteilung berichtete die Asahi Shimbun. Bereits in der Vergangenheiten war der Eiswall mehrfach kritisiert, ein Scheitern des Eiswalls vermutet und die Unmöglichkeit völliger Abdichtung prognostiziert worden. TEPCO hatte zuletzt sogar eine Politikänderung angekündigt.

Fünf-Jahres-Ziel zur Aufhebung von Evakuierungsanordnungen

Am Mittwoch beschloss die regierende Liberaldemokratische Partei  (LDP) eine Aufhebung der Evakuierungsanordnung für Sperrgebiete um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in den nächsten fünf Jahren.

Teil des Plans ist die Schaffung von Stützpunkten in abgeriegelten Gemeinden, um dort Vorbereitungen für Dekontamination und spätere Schaffung von Infrastruktur treffen zu können.

Diese Stützpunkte für den Wiederaufbau sollen im Zusammenarbeit mit den Präfekturen und Gemeindeverwaltungen geschaffen werden. Trotz dieser Schritte werde man „langfristig unbewohnbare“ Gebiete nicht vor Aufhebung der Evakuierung neu bewerten.

Über diesen Schritt berichtete die Mainichi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

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