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Fukushima aktuell: Umstrittener UN-Bericht soll Einwohner beruhigen

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Artikelbild - UN-Hauptquartier (Foto: worldsislandinfo cc-by)
Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York (Foto: http://www.worldsislandinfo.com cc-by)

Wenn im Zusammenhang mit der Kraftwerkskatastrophe von Fukushima heute erneut das vorläufige Fazit, die freigesetzte Radioaktivität sei für Menschen bislang praktisch folgenlos geblieben, thematisiert wird, dürfte dies für einige Aufmerksamkeit sorgen. Tatsächlich ist Aufmerksamkeit auch das aktuelle Ziel eines Untersuchungsausschusses der Vereinten Nationen.

Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Mai 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • UN-Strahlungsbericht für Fukushima soll verbreitet werden
  • Rückkehr nach Naraha für kommenden Frühling geplant
  • Öllecks an zwei Fahrzeugen festgestellt
  • Evakuierung um AKW Sendai würde 29 Stunden dauern
  • Angestellte beim Wiederaufbau ausgebeutet

UN-Strahlungsbericht für Fukushima soll verbreitet werden: Carl-Magnus Larsson, Vorsitzender eines UN-Untersuchungsausschusses, besuchte am gestrigen Mittwoch den Vize-Gouverneut der Präfektur Fukushima und überreichte ihm den UN-Bericht zu den Auswirkungen der Fukushima-Katastrophe auf die Einwohner der Präfektur.

Der UNSCEAR-Gesundheitsbericht sieht keine Krebsfolgen durch Fukushima. Die Ergebnisse hatten seinerzeit Atomkraftgegner brüskiert. Nun erwägt der „Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung” (UNSCEAR) die Durchführung von Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung.

In dem von 80 internationalen Experten zusammengestellten Bericht kommt man zu dem Schluss, bislang habe es keine Todesfälle oder schwere Erkrankungen gegeben, die in Zusammenhang mit der Strahlungsbelastung durch die Reaktorkatastrophe stehen. Ein Anstieg der Krebsrate wird nicht erwartet.

Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
UN-Bericht zu Fukushima soll bekannter werden (Symbolfoto:pd)

Im Bezug auf Schilddrüsenkrebs bei Kindern führt der Bericht an, die Fälle, die nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 aufraten, seien nicht mit der Situation in Fukushima vergleichbar, da im Fall der Situation in Japan die Strahlungsbelastung der Kinder deutlich niedriger gewesen sei, als in der Ukraine.

Mit Stand vom 20. Mai 2014 gibt es 50 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kindern, die jedoch auch nach Ansicht japanischer Ärzte offiziell keinen Bezug zu den Ereignissen vom 11. März 2011 haben.

Bei dem Treffen mit Journalisten betonte Larsson den besonderen Wert der Untersuchung, da sie auf wissenschaftlichen Daten und aktuell gesammelten Berichten basiere.

Da jedoch bislang nur drei Jahre vergangen sind, sei der Bericht nicht perfekt, räumte Larsson ein, da noch keine Langzeitstudien vorliegen.

Wann die möglichen Informationsveranstaltungen stattfinden sollen und welchen Charakter sie haben werden, ist offenbar noch unklar. Ziel soll es sein, die Ergebnisse der Bevölkerung verständlich zu machen. Das berichtet die NHK.

Rückkehr nach Naraha für kommenden Frühling geplant: Geht es nach Bürgermeister Yukiei Matsumoto, so könnten die 7.500 evakuierten Einwohner von Naraha bereits im kommenden Frühjahr wieder in die Gemeinde zurückkehren. Dieses Ziel sei aufgrund der Fortschritte bei der Dekontamination und dem Wiederaufbau der Infrastrukltur realistisch.

Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Matsumoto erklärte, man könne den Bürgern kein langfristiges Leben als Flüchtlinge zumuten und mit der Regierung in Tokyo die Möglichkeit einer ersten temporären Rückkehr besprechen. In diesem Fall könnten sich die Einwohner tagsüber in dem Sperrgebiet aufhalten, dürfen dort jedoch nicht über Nacht bleiben.

Trotz der praktisch vollständigen Dekontamination, die im März 2014 gemeldet wurde und der Experteneinschätzung, Einwohner könnten auf eigenen Wunsch zurückkehren, da die Strahlung jener anderer bewohnter Gebiete der Präfektur entspreche, hat die Regierung in Tokyo bislang nicht auf die noch ausstehenden Forderungen reagiert.

Zu ihnen gehört die Dekontamination der Wälder, die 70 Prozent der Ortschaft umfassen und die Reinigung der Innenräume schwer beschädigter Häuser, die zudem oft von Tieren verunreinigt wurden. Eine besonders dringende Forderung ist die Entfernung der kontaminierten Erdschichten am Boden des Kido-Damms. Dort waren hohe Konzentrationen von Cäsium nachgewiesen worden.

Während die Verwaltung von Naraha aus ihrem derzeitigen Büro in Iwaki die Unterstützung von Krankenhäusern und Unternehmen anstrebt, betonte Matsumoto daher auch, die Bedeutung der Sicherheit für die Einwohner. Sollten die Vorbedingungen von Strahlungssenkung und öffentlichem Wohnraum doch nicht erfüllt werden, so könne man die Aufhebung der Sperrzone auch verschieben.

Auch die Meinung der potentielle Rückkehrer soll in die Entscheidung über den Zeitpunkt einfliessen. Allerdings war bereits bei Informationsveranstaltungen Ende April niemand der Anwesenden an einer Rückkehr interessiert. Die immer noch bestehende Angst vor Radioaktivität könnte den Plan stärker verzögern, als die technischen Erfordernisse.

Über die Pläne berichteten Mainichi Shimbun, jiji und NHK.

Öllecks an zwei Fahrzeugen festgestellt: Am heutigen Donnerstag entdeckten Angestellte eines Partnerunternehmens nach Ende ihrer Schicht um 10:55 Uhr, dass aus einem Fahrzeug vor dem erdbebensicheren Hauptgebäude Motoröl ausgetreten war. Das Öl wurde mit Adsorptionsmatten aufgenommen und auch die Ölspuren entlang der Straße entfernt.

Am selben Tag wurde gegen 11:45 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Sozialgebäude ein weiteres Ölleck entdeckt. Wie im ersten Fall wurden auch hier die Beschäftigten eines Vertragspartners auf den Zwischenfall aufmerksam und der Ölaustritt hatte bereits gestoppt. Bei der Flüssigkeit handelte es sich in diesem Fall um Getriebeöl.

In beiden Fällen beurteilte die Feuerwehr den Zwischenfall nicht als Austritt gefährlichen Materials.

Evakuierung um AKW Sendai würde 29 Stunden dauern: Wie eine heute veröffentlichte Einschätzung der Präfektur Kagoshima zeigt, das eine Evakuierung von 90 Prozent der 210.000 Einwohner innerhalb der 30-Kilometer-Zone um das AKW Sendai mehr als  29 Stunden dauern würde.

Die Präfekturverwaltung arbeitete 13 verschiedene Evakuierungsfälle aus, die sich durch Tageszeit, Wetterbedingungen und soziale Komponenten, wie etwa die Touristensaison voneinander unterscheiden.

Bei einer eigenmächtigen Flucht von 40 Prozent der Einwohner vor der Evakuierungsaufforderung und zwei Personen pro Fahrzeug, würde beim Wegfall der Autobahnen die Evakuierung 28 Stunden und 45 Minuten dauern. Für das AKW Sendai bestehen Neustartpläne, sollte die Sicherheitsprüfung durch die Atomaufsicht NRA positiv verlaufen. Das berichtet die jiji.

Angestellte beim Wiederaufbau ausgebeutet: Berichte über die fragwürdige Behandlung der Angestellte von Subunternehmen, die bei TEPCO unter Vertrag stehen und als Kraftwerksarbeiter am AKW Fukushima Daiichi eingesetzt werden, hatten in der Vergangenheit bereits Aufmerksamkeit erregt. unter Vertrag sind.

Trümmer in Kesennuma am 11. Juni 2011 (Foto: Hajime Nakano cc-by)
Trümmer in Kesennuma am 11. Juni 2011 (Foto: Hajime Nakano cc-by)

Doch auch bei den Unternehmen, die mit dem Wiederaufbau in der Präfektur Miyagi beauftragt sind, gibt es zunehmend Berichte über ungezahlte Löhne und unerlaubte Überstunden. Im Vergleich zur Situation vor dem Tohoku-Erdbeben stieg die Zahl um etwa 70 Prozent an. Allein im Jahr 20013 wurden 242 Berichte über derartige Verstöße eingereicht.

So wird von nächtlichen Überstunden in Kesennuma berichtet, um den Rückgang der Flut für Arbeiten zu nutzen. Dabei wurde zum Teil die ganze Nacht hindurch gearbeitet. Ein 61 Jahre alter Arbeiter, der auch nach seinem Krankenhausaufenthalt aufgrund eines Herzproblems, zum Schlafen ein Atemgerät benötigt, erzählte von finanzieller Ausbeutung.

Damnach habe er nur für September eine vollständige Lohnzahlung erhalten. Im Oktober habe er lediglich ein Drittel der Summe erhalten und seit November sei keine Zahlung mehr erfolgt. Nachforschungen ergaben, dass der Präfekturverwaltung nicht bekannt war, dass der beauftragte Unternehmer weitere Betriebe als Subunternehmen unter Vertrag genommen hatte.

Nachdem die Mainichi Shimbun am 24. Januar 2014 die Präfekturverwaltung auf den Missstand aufmerksam gemacht und die Verantwortlichen zunächst behuaptet hatten, der Arbeiter habe seine Angaben zu geleisteten Arbeiten gefälscht, wurde am 27. Januar die Zahlung für November nachgereicht. Im Februar erfolgte die Zahlung für Dezember.

Dennoch spricht der frühere Arbeiter davon, er haben nur die Hälfte bis zwei Drittel der eigentlichen Summe erhalten. Ursache für die Geschäftspraktiken ist der Mangel an Arbeitskräften und dem benötigen Material in der Katastrophenpräfektur. So würden teilweise achtstufe Subunternehmens-Strukturen entstehen, an deren Ende die Arbeiter praktisch nichts mehr erhalten. Hierüber berichtete die Mainichi Shimbun.

 

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