Fukushima aktuell: Umweltministerium erneut unter Manipulationsverdacht

Fukushima aktuell: Umweltministerium erneut unter Manipulationsverdacht

Recyling-Entscheidung für radioaktive Abfälle in der Kritik

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Artikelbild - Schwarze Säcke (Foto: Prof. Haruhiko Okumura)
Radioaktive Abfälle: Umweltministerium führt Tests für künftige Bauprojekte durch (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura,cc-by)

Zu Beginn der Woche scheint sich in Fukushima heute alles um die geplante Wiederverwendung radioaktiver Abfälle in Baumaßnahmen zu drehen.

Neben einer positiven Meldung hierzu, lassen die aktuellen Fukushima News aber auch einen weiteren Vertuschungsverdacht vermuten. Die Einzelheiten hierzu gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. Februar 2017.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Weiterer Verschleierungsverdacht bei Wiederverwendungs-Entscheidung
  • Grenzwert für Wiederverwendung radioaktiver Abfälle bei Test verschärft
  • Olympia-Ausrichter erwägen Standorte in Fukushima
Weiterer Verschleierungsverdacht bei Wiederverwendungs-Entscheidung

Anfang des Jahres war die Manipulation von Dokumenten aus den vertraulichen Sitzungen, bei der die umstrittene Neuregelung der Wiederverwendung kontaminierten Erdreichs diskutiert wurde, bekannt geworden.

Bereits damals war der Verdacht vorsätzlicher Vertuschung aufgekommen, da Textpassagen von Aussagen des Umweltministeriums, die eine Manipulation des Entscheidungsprozesses nahe legen, entfernt worden waren.

Jetzt gibt es offenbar Belege dafür, dass auch Bedenken der Atomaufsichtsbehörde NRA in den veröffentlichten Aufzeichnungen der Treffen ausgelassen wurden.

Unter Berufung auf eine namentlich ungenannte Quelle berichtete die Mainichi Shimbun, in den bekannten Notizen wurde lediglich allgemein vermerkt, dass bei Gesprächen der NRA diese ihr Augenmerk auf die Handhabung des Erdreichs gelegt habe.

Die Quelle habe jedoch deutlich gemacht, dass die Atomaufsichtsbehörde besondere Besorgnis im Bezug auf den Verwendungsort des Erdreichs, insbesondere die Möglichkeit der Verwendung auf Privatgrundstücken geäußert habe.

Diese Passage wurde jedoch offenbar aus den veröffentlichten Notizen des Treffens entfernt – somit ist also auch die tatsächliche Haltung eines weiteren Betroffenen der vertraulichen Diskussionen, nicht mehr zweifelsfrei nachvollziehbar.

Bei einer weiteren Abweichung war ein Kommentar, der sich als Aufforderung zur Überarbeitung der Dokumente und Bitte um gemeinsame Einflussnahme auf die NRA interpretieren lässt, entfernt worden.

Über diese neu bekannt gewordenen Umstände berichtete die Mainichi Shimbun.

Grenzwert für Wiederverwendung radioaktiver Abfälle bei Test verschärft

Bei der umstrittenen Wiederverwendung von radioaktiv kontaminiertem Erdreich, ist die Regierung den Forderungen der Kritiker nun teilweise entgegen gekommen und hat die Vorgaben für erste Versuche mit dem belasteten Material verschärft.

Zunächst war im Dezember 2011 die Wiederverwendung von Trümmern mit radioaktiver Belastung bis maximal 3.000 Becquerel pro Kilogramm zugelassen worden. Damals wanderten etwa 350.000 Tonnen der Trümmer in bauliche Küstenschutzmaßnahmen

Für Aufsehen hatte dann der Beschluss vom 30. Juni 2016 gesorgt, als die Erlaubnis zur weiteren Nutzung auf Abfälle bis zu 8.000 Becquerel pro Kilogramm erhöht wurde – zumal im August 2016 bekannt wurde, dass diese Entscheidung finanziell motiviert war.

Nachdem auf dem Gelände einer behelfsmäßigen Lagerstätte in Minamisoma nun auch der Einsatz des stärker belasteten Materials als 1.000 Säcken erprobt werden soll, begann Bürgermeister Katsunobu Sakurai Druck auf das Umweltministerium auszuüben.

Der 500 Millionen teure Versuch soll prüfen, ob bei der Verwendung des Materials für Fundamente die jährliche Maximaldosis von einem Millisievert eingehalten wird.

Bürgermeister Sakurai forderte die Einhaltung des alten Grenzwerts von 3.000 Becquerel pro Kilogramm bei dem Testeinsatz auf dem Gebiet und argumentierte, die Regierung könne nicht Sicherheit versprechen und zugleich den Grenzwert lockern.

Nach Angaben der Mainichi Shimbun gab das Umweltministerium nun nach und erklärte, den ursprünglichen Grenzwert beim Versuch anzuwenden. Die durchschnittliche Belastung des Baumaterials werde bei 2.000 Becquerel liegen.

Die Ergebnisse des Bauversuchs unter Einhaltung der strengeren Werte werden frühestens Ende des kommenden Fiskaljahrs verfügbar sein. Sollte der Jahresgrenzwert überschritten werden, würde dies auch den Grenzwert von 8.000 Becquerel in Frage stellen.

Olympia-Ausrichter erwägen Standort in Fukushima

In die Diskussion um mögliche olympische Wettbewerbe in der Präfektur Fukushima ist offenbar wieder Bewegung gekommen. Bereits am Freitag erklärten die Ausrichter der Olympischen Spiele 2020 eine dortiges Stadion als Austragungsort in Erwägung zu ziehen.

Geht es nach dem Willen der Verantwortlichen, könnten die Wettkämpfe im Baseball und Softball im Azuma-Stadion in der Stadt Fukushima ausgerichtet werden.

Zuvor waren im November 2016 von der  „World Baseball Softball Confederation“ zunächst Verbesserungen am Stadion gefordert worden und das IOC hatte im Dezember stattdessen das Stadion in Yokohama zum Hauptaustragungsort bestimmt.

Dennoch will das japanische Organisationskomitee vor der endgültigen Entscheidung des IOC im März erneut versuchen, die Baseball/Softball-Spiele zumindest teilweise zum Alternativstandort in Fukushima zu verlegen, da weitere Nachbesserungen möglich wären.

Über den Kampf um die Anerkennung als Austragungsort der Olympischen Spiele von Tokyo 2020 berichtete die Kyodo.

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