Fukushima aktuell: Uneinigkeit über Strahlungsbelastung der Bevölkerung

Fukushima aktuell: Uneinigkeit über Strahlungsbelastung der Bevölkerung

Externe Strahlungsbelastung wird unterschiedlich beurteilt

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Messungen in Haramachi, Minamisoma, am 4. November 2011 (Foto: raneko,cc-by)
Präfektur Fukushima: Strahlungsdaten nach Waldbränden veröffentlicht (Symbolfoto: raneko,cc-by)

Die Woche beginnt im Bezug auf die Präfektur Fukushima heute mit besonderem Schwerpunkt auf die radioaktive Belastung von Mensch und Umwelt. Die weiteren Fukushima News betreffen aber auch soziale Probleme und Handelsbeschränkungen

Die sonstigen Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Januar 2017.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Differenzen über externe Strahlungsbelastung von Bürgern
  • Bessere Ermittlung der Strahlungswerte in Gemeinden geplant
  • Wasserleck an Entsalzungsanlage aufgetreten
  • Präfekturen wollen bei auslaufender Wohnungsberechtigung helfen
  • USA hebt Importverbot für Schollenart aus Fukushima auf
Differenzen über externe Strahlungsbelastung von Bürgern

Wissenschaftler der Abteilung für Radiologie und Medizinwissenschaften an der Medizinischen Universität Fukushima haben eine Entdeckung gemacht, die auf eine ungenaue Schätzung der Strahlungsbelastung von Bürgern hinweisen könnten.

Ihren Forschungen in der Stadt Date (Präf. Fukushima) zufolge liegt die externe Strahlungsdosis, die vom persönlichen Dosimeter gemessen wird, etwa das 0,15-fache über der Umgebungsradioaktivität.

Die Entdeckung ist bedeutsam, da die Regierung ihre offiziellen Schätzungen zur Strahlungsbelastung der Bürger von der Berechnungsgrundlage ableitet, dieser Wert liege das 0,6-fache über der Umgebungsradioaktivität.

Diese offiziellen Schätzungen dienen beispielsweise der Beurteilung, ob die Evakuierungsanordnung für Gebiete aufgehoben wird.

Die Aussagen der Wissenschaftler beruhen auf der Auswertung von Dosimeterdaten und die Experten veröffentlichten sie gestern in einem britischen Fachblatt für Strahlenschutz.

Die Regierung kalkuliert ihre Schätzungen anhand einer hypothetischen Aufenthaltsdauer im Freien, möglicher Abschirmung durch Aufenthalt in Gebäuden und einer Umgebungsradioaktivität, was zu einer Jahresbelastung von einem Millisievert führe.

Die Wissenschaftler erklären, die Schätzwerte der Regierung würden die tatsächlichen Lebensverhältnisse, wie sie sich aus den Dosimetermessungen ablesen lassen, nicht angemessen wiedergeben. Das berichten Präfekturmedien.

Bessere Ermittlung der Strahlungswerte in Gemeinden geplant

Am Wochenende gab die Präfektur Fukushima bekannt, angesichts der geplanten Aufhebung von Evakuierungsanordnungen im Frühjahr, wolle man die Umgebungsradioaktivität in den Gebieten besser erfassen.

Nachdem das System zur Datenerfassung mit Fahrzeugen nur beschränkt wirksam ist, da enge Gassen oder Parks nicht erfasst werden, wurde in Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergieorganion IAEA ein System zur Datenerfassung durch Fußgänger entwickelt.

Das Gerät wird am Körper getragen und misst das Strahlungsniveau etwa alle drei Sekunden. Anhand der Erfassung durch GPS-Navigation kann der Bereich dann durch eine Software farblich gekennzeichnet auf der Karte angezeigt werden.

Das System gilt als besonders hilfreich, da auch Veränderungen durch Umwelteinflüsse und Dekontaminationsmaßnahmen detailliert erfasst werden können.

Die Präfektur ist der Hoffnung, durch genauere Karten die Besorgnis von Bürgern zerstreuen und evakuierte Einwohner zur Rückkehr in ihre alten Gemeinden zu motivieren. Das berichteten Präfekturmedien.

Wasserleck an Entsalzungsanlage aufgetreten

Am heutigen Montag entdeckten Angestellte gegen 10:46 Uhr heraustropfendes Wasser an der Entsalzungsanlage des Turbinengebäudes von Reaktor 4. Der Wasseraustritt konnte gegen 11:15 Uhr durch festes Anziehen des dortigen Ventils gestoppt werden.

Die Gesamtmenge an ausgetretenem Wasser beläuft sich auf sechs Liter und breitete sich auf einer Fläche von 2m x 3m aus, gelangte jedoch aufgrund der Barrieren nicht ins Freie.

Eine Messung an der Wasseroberfläche wies keine signifikante Kontamination nach, so dass gegen 14:30 Uhr das Wasser entfernt werden konnte. Als Sicherheitsmaßnahme wurde die Leckstelle am Ventil mit Vinyl abgedichtet. Das berichtet der AKW-Betreiber TEPCO.

Präfekturen wollen bei auslaufender Wohnungsberechtigung helfen

Neun Präfekturen wollen jene Menschen unterstützen, die bereits vor der offiziellen Evakuierungsanordnung in Eigeninitiative aus Fukushima flohen und deren mietfreies Wohnrecht im März diesen Jahres ausläuft. Das wurde am Wochenende bekannt.

Von der Regelung für die „freiwillig Evakuierten“ sind 26.601 Personen in 10.524 Haushalten betroffen, so dass in den übrigen 38 Präfekturen ein Unterbringungsproblem für diese Personen droht.

Obwohl die Übernahme der Mietkosten oft die einzige Form finanzieller Unterstützung darstellt, gab die Präfektur Fukushima im Juni 2015 den Plan zur Beendigung der Mietzuschüsse bekannt.

Als Grund gab man damals an, die Dekontaminationsarbeiten und der Wiederaufbau der Infrastruktur würden eine ausreichende Rückkehrgrundlage bilden, so dass eine Bezuschussung, oder gänzliche Übernahme der Kosten nicht mehr notwendig sein werde.

Im Dezember 2016 waren Proteste gegen die Aufhebung der Mietzuschüsse laut geworden. Dennoch müssen nun viele der Menschen, deren einziger Fehler es war, ohne Evakuierungsanordnung auf eigene Initiative zu fliehen, um ihr Obdach fürchten.

Das wollen unter anderem die Präfekturen  Tottori, Hokkaido, Yamagata und Nara, sow die Verwaltungen von Ehime, Kyoto und Niigata verhindern, indem sie den Flüchtlingen verschiedene Erleichterungen bietet.

Einige bieten Mieterleichterungen für Geringverdiener an, setzen die Mietpflicht für mehrere Jahre aus, oder bieten Zuschüsse für bereits angemietete Wohnungen an, um Umzüge zu verhindern. Über diese Hilfsbereitschaft berichtete die Mainichi Shimbun.

USA hebt Importverbot für Schollenart aus Fukushima auf

Wie das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF) am Wochenende bekannt gab, hat die USA am 29. Dezember 2016 ein Importverbot für Schollen der Gattung Microstomus achne aus der Küstenregion von Fukushima aufgehoben.

In Japan war das Fangverbot im Monat zuvor gefallen.

Gegenwärtig halten noch 33 Staaten verschiedene Einschränkungen gegen Produkte aus japanischer Landwirtschaft und Fischerei aufrecht, teilte das Ministerium mit. Über die jüngste Aufhebung berichteten Präfekturmedien.

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