Start Aktuelles Fukushima aktuell: Unerwarteter Stopp am Kühlsystem des Abklingbeckens von Reaktor 2

Fukushima aktuell: Unerwarteter Stopp am Kühlsystem des Abklingbeckens von Reaktor 2

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO berichtet im Zusammenhang mit den Messverfahren am AKW Fukushima heute von einem großen Fortschritt für künftige Arbeiten, auch wenn es wieder zu technischen Zwischenfällen kam. Einzelheiten der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. November 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Kühlsystemstopp an Abklingbecken
  • Leckdetektoralarm an Turbinengebäude
  • Neu entwickeltes Strontium-Messgerät kurz vor Einsatz
  • Schneller Anstieg bei Messwerten eines Postens
  • Experten fordern mehr Schilddrüsentests bei Kindern

Kühlsystemstopp an Abklingbecken: Am heutigen Donnerstag kam es gegen 16:43 Uhr zu einem automatischen Stopp der Pumpe des alternativen Kühlsystems am Abklingbecken von Reaktor 2. Wie der Betreiber TEPCO zunächst bekannt gab, suche man derzeit nach der Ursache.

Da die Temperatur des Abklingbeckens zum Zeitpunkt der Abschaltung bei 16,7 Grad Celsius betrug und eine Anstiegsrate von 0,146 Grad pro Stunde erwartet wird, steht ein Zeitraum von 13,8 Tagen zur Verfügung, bevor der Betriebsgrenzwert von 65 Grad Celsius erreicht wird.

Die übrigen relevanten Daten, wie etwa zur Einspeisung des Wassers in den Reaktor wiesen keine Abweichungen auf. Weitere Angaben konnte TEPCO zu Beginn nicht machen. Nach Durchführung der Untersuchungen konnte das Unternehmen diese Angaben jedoch ergänzen.

Ursache für die Alarmmeldung war offenbar der Halt eines der beiden Luftkompressoren am Kühlsystem und ein damit verbundenes Ventilproblem. Wieso es zum Stopp kam wird weiterhin untersucht. Nach Prüfung wurde der zweite Kompressor aus dem Standby-Modus aktiviert. Der Vollbetrieb der Pumpe soll innerhalb von zwei Stunden eintreten.

Leckdetektoralarm an Turbinengebäude: Einem aktuellen Bericht des Kraftwerksbetreibers zufolge, kam es am gestrigen Mittwoch gegen 17:51 Uhr zum Alarm eines Leckdetektors am Turbinengebäude von Reaktor 3, so dass eine Kontrolle durchgeführt wurde.

Die Untersuchung gab, dass von der Decke des Kontrollraums der Abfallentsorgungseinheit Regenwasser hinein und in den Bereich des Leckdetektors gelangt war. Dort fand sich auch eine Wasserlache von 3m x 20m und einer Tiefe von drei Zentimetern.

Bereits in der Vergangenheit hatte eindringendes Regenwasser zum Auslösen von Kontrollgeräten und der damit verbundenen Fehlalarme an der Kraftwerksanlage geführt.

Neu entwickeltes Strontium-Messgerät kurz vor Einsatz: Am heutigen Donnerstag stellten Wissenschaftler ein neues Gerät zur Messung von radioaktivem Strontium-90 vor, dass bereits in Kürze die Kontrolluntersuchungen am AKW Fukushima Daiichi deutlich erleichtern könnte.

Erstes Strontium-Analysegerät mit ICP-MS (Foto: TEPCO)
Erstes Strontium-Analysegerät mit ICP-MS (Foto: TEPCO)

Wurde für die Ermittlung der Strontiumkonzentration in kontaminiertem Wasser, bislang ein Zeitraum zwischen zwei Wochen und einem Monat benötigt, liefert das neue Gerät, das in Zusammenarbeit mehrerer Institutionen, darunter die Universität Fukushima, die Atomenergiebehörde JAEA und das Unternehmen PerkinElmer Japan Co., Ltd. entwickelt wurde, bereits nach 30 Minuten seine Ergebnisse.

Möglich wird dies durch den Einsatz einer Technologie, die den etwas sperrigen Namen „Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma“ (ICP-MS) trägt und bislang lediglich zur Analyse anderer Stoffe, wie etwa Schwermetalle, verwendet werden konnte.

Erste Anwendung am AKW Fukushima Daiichi soll das Gerät in Situtationen wie etwa Wasserlecks, oder Regenfällen innerhalb der Betonbarrieren um die Lagertanks finden, da es sich um Entwicklungen handelt, bei denen eine schnelle Einschätzung der Strontiumkonzentration wichtig für die Sicherheit der Arbeiter ist.

Weitere Verbesserungen, wie etwa die noch fehlende Fähigkeit, auch Salzwasser zu analysieren, sollen folgen.

Mit der Entwicklung des neuen Geräts war unmittelbar nach der Katastrophe begonnen worden. Das Gerät wurde bereits Anfang August auf das Gelände des AKW gebracht und könnte nach den bisherigen Testläufen bereits am 1. Dezember in Betrieb gehen.Über die Neuentwicklung berichtete neben TEPCO auch die Kyodo.

Schneller Anstieg bei Messwerten eines Postens: Bereits nach einem Tag kam es an einem Grundwasserposten E-1 im Lagertankbereich H4 des AKW Fukushima Daiichi zu einem weiteren Anstieg eines Messwerts. War am Dienstag noch ein Gesamtwert an Betastrahlern in Höhe von 850 Becquerel pro Liter nachgewiesen worden, stieg er am Mittwoch auf 63.000 Becquerel pro Liter.

Das stellt einen siebzigfachen Anstieg innerhalb von 24 Stunden dar. Wie in vergleichbaren Fällen zuvor, nennt der Betreiber TEPCO die bisherigen Regenfälle als wahrscheinliche Ursache und erklärte, die Entwicklungen weiter zu verfolgen.

Die neuste Entwicklung an diesem Messposten liegt weit unter dem bisherigen Höchstwert des Messpostens vom 10. November 2013. Damals waren 710.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen worden. Über den nichtsdestotrotz schnellen Anstieg berichtete der Kraftwerksbetreiber.

Experten fordern mehr Schilddrüsentests bei Kindern: In einem gestern veröffentlichten Zwischenbericht, der bei einem Treffen in Tokyo vorgelegt wurde, kommt ein Expertenausschuss des Umweltministeriums zu dem Schluss, dass es bislang keine Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen den Fällen von Schilddrüsenkrebs bei Kindern der Präfektur Fukushima und der Katastrophe vom 11. März 2011 gebe.

Schilddrüse (Grafik: pd)
Präf. Fukushima: Weitere Schilddrüsentests gefordert (Abb. symbolisch, pd)

Um einen möglichen Zusammenhang nachweisen zu können, müssten mehr Kontrollen durchgeführt werden. Die Gesundheitsbehörden müssten zudem die Daten der Kinder aus Fukushima mit den Zahlen aus sicheren Gebieten abgleichen, um einen eventuellen Anstieg zu beweisen.

Die Experten hielten in ihrem Zwischenbericht fest, Kinder der Präfektur Fukushima seien wahrscheinlich deutlich geringeren Strahlungswerten ausgesetzt gewesen, als dies etwa bei Kindern nach der Tschernobyl-Katastrophe in der Ukraine 1986 der Fall gewesen war.

Der Bericht soll der Regierung eine Reihe von Empfehlungen zum Vorgehen bei künftigen Maßnahmen liefern. Daher waren neben den  Strahlungswerten auch indirekte Folgen der Katastrophe wie psychische Erkrankungen und eine negative Veränderung des Lebensstils, die weitere Erkrankungen nach sich ziehen kann, ein Thema des Treffens.

Bei den medizinischen Untersuchungen sei man auf die Kooperation der Einwohner angewiesen und müsse deren Ängste berücksichtigen, so dass die Kontrollen weniger als  Belastung empfunden würden. Über die Einschätzungen im Rahmen der bisherigen Bekanntgaben berichteten NHK und Präfekturmedien.

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