Fukushima aktuell: Untersuchung kontaminierter Reisfelder wieder aufgenommen

Fukushima aktuell: Untersuchung kontaminierter Reisfelder wieder aufgenommen

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Artikelbild - Reisfelder in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Internationale Experten bestätigen Kontamination durch AKW (Symbolfoto: pd)

Die von offizieller Stelle längst zu den Akten gelegte Kontamination von Reisfeldern wird wieder aufgerollt. Das ist jedoch nur eine der Fukushima News, denn auch Dekontaminationsmaßnahmen und Lebensmittelsicherheit beschäftigen die Medien.

Mehr zu den Neuigkeiten, die aus Fukushima heute gemeldet wurden, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Dezember 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Behauptungen zur Reisfeldkontamination werden geprüft
  • Zahlreiche Fischereiprodukte von Oktober unbelastet
  • Dekontaminationsmaßnahmen bis Jahresende schwierig
  • Überzogene Mieten für Sozialwohnungen in Soma erhoben

Behauptungen zur Reisfeldkontamination werden geprüft: In der Frage, ob die radioaktive Kontamination von Reisfeldern tatsächlich nicht auf die Arbeiten nach der Fukushima-Katastrophe zurückzuführen ist, hat die Stadtverwaltung Minamisoma eine eigene Untersuchung angekündigt.

Die Entscheidung wurde einstimmig im Rahmen einer geplanten Sitzung getroffen und beruht auf einem im September eingereichten Antrag einer Bürgerrechtsgruppe. Der aktuelle Entschluss zieht somit die Einschätzung der Atomaufsichtsbehörde in Zweifel.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA hatte nach der Kontamination im Juli 2014 bereits im Oktober Zweifel an einem Zusammenhang geäußert und einen Monat später die ursächliche Verbindung zwischen AKW-Arbeiten und Reisfeldkontamination bezweifelt.

Schließlich hatte die japanische Regierung im Mai 2015 die Untersuchung der Reisfeldbelastung ergebnisoffen abgeschlossen. Der Abbruch der Untersuchung hatte insbesondere die Bürgerrechtsgruppe verärgert.

Da die NRA keine Angaben über eine alternative Quelle für die radioaktive Belastung machte, bleibe der Verdacht bestehen, dass man Fakten verschleiert habe, um zu dem gewünschten Schluss zu kommen, heißt es in der Petition.

Katsunobu Sakurai, Bürgermeister von Minamisoma erklärte, die Aussage des NRA-Vorsitzenden Shunichi Tanaka, diese Ursache zu ermitteln, wäre Aufgabe des Landwirtschaftsministeriums, sei für ihn in keiner Weise akzeptabel.

Das Landwirtschaftsministerium hatte die Möglichkeit einer Kontamination durch Trümmerräumungen auf der AKW-Anlage in Erwägung gezogen. Die NRA versicherte seinerzeit jedoch, das aufgewirbelte Material sei nicht über das Kraftwerksgelände hinaus gelangt.

Unter Verweis auf den Umstand, das ihnen selbst die Petition nicht vorliege, gab die  NRA an, sich vorerst nicht zu der Entscheidung äußern zu wollen. Über die Forderung nach einer erneuten wissenschaftlichen Untersuchung berichtete die Asahi Shimbun.

Zahlreiche Fischereiprodukte von Oktober unbelastet: Bei 73 Arten an Meeresprodukten, die im Oktober diesen Jahres innerhalb eines Bereichs von 20-Kilometern um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi gefangen wurde, konnte keine Überschreitung des Lebensmittelgrenzwerts von 100 Becquerel pro Kilogramm festgestellt werden.

Das geht aus dem Bericht einer Untersuchungsgruppe, die im Auftrag der Präfektur die Umwelteinflüsse des Kraftwerksunglücks untersucht und am gestrigen Dienstag bei einem Treffen in der Stadt Fukushima vorgelegt wurde.

Auch Kraftwerksbetreiber TEPCO und die Fischereiverbände stellten eigene Untersuchungen an und belegen einen Rückgang der allgemeinen Belastung.

So wies TEPCO bei monatlichen Kontrollfängen in 99,6 Prozent der Fälle eine Einhaltung des Grenzwerts nach. Die höchste Überschreitung stammt noch vom September und liegt bei 110 Becquerel pro Kilogramm.

Die Fischereiverbände wiesen ebenfalls einen Anstieg bei der Einhaltung des Grenzwerts ein. Dieser Prozentsatz sei von 34,4 (2011) auf 94,2 (2014) bis auf 99,4 (Oktober 2015) gestiegen.

Als Ursache für den Rückgang der Belastung in den mehr als vier Jahren seit der AKW-Krise, wird vor allem zunehmende Verdünnung angeführt. Das berichten Präfekturmedien.

Abschluss von Dekontaminationsmaßnahmen bis Jahresende schwierig: Die Stadt Fukushima sieht das gesetzte Ziel, bis Ende Dezember alle Gebäude der Stadt abschließend dekontaminieren zu können, offenbar als schwierig an.

Insbesondere die langen Regenfälle im August und September hätten die Arbeiten aufgehalten. Man versuche dies nun durch verstärkte Anstrengungen und den Einsatz von mehr Arbeitskräften voranzutreiben.

Von den 94.525 Strukturen wurden bislang 78.921 Objekte erfolgreich dekontaminiert. Das entspricht einer Fortschrittsrate von 84 Prozent. Über die andauernden Maßnahmen zur Dekontamination berichteten Präfekturmedien.

Überzogene Mieten für Sozialwohnungen in Soma erhoben: Wie jetzt bekannt wurde, kam es bei der Einziehung der Miete für die Sozialwohnungen der Katastrophenopfer, über lange Zeit hinweg zu erheblichen Fehlberechnungen.

Im Zeitraum vom Dezember 2012 bis Ende November diesen Jahres, war es bei 24 Haushalten in Soma zu Forderungen von insgesamt 6.196.255 Yen gekommen. Die kürzeste Fehlzahlungsdauer betrug acht Monate. Die längste Mietfehlzahlungen liefen über 36 Monate.

Da die Mietangelegenheiten für die Menschen aus der Katastrophenregion nicht gleichermaßen zentralistisch verwaltet wird wie die üblichen Sozialwohnungen, blieb das Ausmaß dieser Fehlkalkulationen lange Zeit unentdeckt.

Erst eine hausinterne Untersuchung der Behörde für Sozialwohnungsverwaltung, brachte Anfang des Monats die überzogenen Zahlungen ans Licht. Andere Sozialwohnungen sind aufgrund der administrativen Teilung nicht von dem Zwischenfall betroffen.

Die Stadtverwaltung von Soma hat damit begonnen, sich persönlich bei den betroffenen Haushalten zu entschuldigen und plane eine Rückzahlung der zu viel geleisteten Zahlungen. Das berichteten Präfekturmedien.

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