Fukushima aktuell: Untersuchung von Langzeitfolgen bei Arbeitern der ersten Stunde

Fukushima aktuell: Untersuchung von Langzeitfolgen bei Arbeitern der ersten Stunde

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Artikelbild - AKW Fukushima: Übung von Strahlungskontrollen am 6. August 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Übung von Strahlungskontrollen am 6. August 2011 (Foto: TEPCO)

Die „Fukushima 50“ sind eine Art moderne Legende geworden. Wie es den Arbeitern, die unmittelbar nach der Katastrophe am AKW Fukushima heute tatsächlich geht und welche Folgen ihr Einsatz haben könnte, soll untersucht werden. Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. März 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Langfristige Gesundheitskontrollen von Fukushima-Arbeitern
  • Ölleck auf Gelände des AKW Fukushima
  • Schwankungen in Grundwasserwerten am AKW
  • Suche nach Ursache des kontaminierten Wassers angeordnet
  • Viele Evakuierte kehren auf eigenen Wunsch nicht zurück

Langfristige Gesundheitskontrollen von Fukushima-Arbeitern: Eine Forschungsorganisation für Strahlungsfolgen (RERF) mit Sitz in Hiroshima, hat angekündigt, eine Langzeitstudie an Kraftwerksarbeitern durchzuführen, die unmittelbar nach Ausbruch der Katastrophe vor Ort beschäftigt waren.

Die Gesundheitsuntersuchungen sollen im Fiskaljahr 2015 beginnen, das im kommenden Monat beginnt. Das Projekt, das 20.000 frühere Beschäftigte umfasst, die etwa bei der Trümmerräumung halfen, wird von Regierungsbehörden in Japan und den USA unterstützt.

Nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums handelt es sich um die erste landesweite Langzeitstudie an Personen, die direkt nach der Krise am AKW Fukushima Daiichi arbeiteten. Die Experten hoffen, mit den Einwohnern der Präfektur beginnen zu können.

Den betreffenden Personen habe man bereits Informationen über die Langzeitstudie und die Bitte um Teilnahme zugesandt. Der erste Schritt wird darin bestehen, Zeitpunkt, Ort und Art des Arbeitseinsatzes zu bestimmen.

Ausgehend von diesen Daten werde man dann Schätzungen zur vermutlichen Strahlungsbelastung der einzelnen Teilnehmer anstellen und im Laufe des Lebens wiederholt weitere gesundheitliche Kontrollen durchführen.

Über das Projekt, das mit Geldern des Umweltministeriums finanziert und in Zusammenarbeit mit medizinischen Einrichtungen durchgeführt werden soll, berichteten Kyodo und NHK.

Ölleck auf Gelände des AKW Fukushima: Am heutigen Mittwoch wurde gegen 10:15 Uhr ein Ölfund an einem Tankwagen auf dem Gelände gemeldet. Die Flüssigkeit habe sich auf einer Fläche von 2 x 4 Metern ausgebreitet, was durch Regenfälle begünstigt worden sei.

Um eine Ausbreitung zu verhindern, wurden Absorptionsmittel eingesetzt und den allgemeinen Richtlinien entsprechend die Feuerwehr Futaba über den Leckfund informiert, die den Zwischenfall um 11:30 Uhr protokollierte.

Schwankungen in Grundwasserwerten am AKW: In einer Probe vom Grundwassermessposten E-1, die am Montag im Lagertankbereich H4 entnommen worden war, konnte eine Betastrahler-Konzentration von 44.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen werden.

Obwohl die letzte Messung vom Sonntag lediglich eine Belastung von 4.300 Becquerel aufwies und damit ein Anstieg um das Zehnfache auftrat, liegen diese Schwankungen nach Angaben von TEPCO innerhalb des bislang festgestellten Schwankungen aufgrund von Regenfällen.

Andere nennenswerte Abweichungen der Analysewerte habe es dagegen nicht gegeben, erklärte der Kraftwerksbetreiber.  Auch im aktuellen Fall sei davon auszugehen, dass der Anstieg auf die Regenwasserfluktuation zurückzuführen ist.

Suche nach Ursache des kontaminierten Wassers angeordnet: Die Atomaufsichtsbehörde hat den Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi angewiesen, jede mögliche Quelle für das stark radioaktive Wasser auszumachen, das sich auf dem Dach von Reaktorgebäude 2 angesammelt hatte und von dort ins offene Meer gelangt war.

Bei einer heutigen Anhörung gab TEPCO den Zeitplan für die bereits angekündigten Schutzmaßnahmen vor einer Wiederholung derartiger Ereignisse bekannt.

Als erste Maßnahme soll mit Beginn kommenden Monats, das verbliebene radioaktive Wasser in einen anderen Kanal umpumpen, der in den Hafen und nicht ins offene Meer mündet. Als zweite Maßnahme soll der Verlauf des betroffenen Kanals bis April kommenden Jahres geändert und die Mündung in den Hafen verlegt werden.

Die NRA wies das Unternehmen jedoch an, auch zu untersuchen, ob möglicherweise weitere Abwasserkanäle radioaktives Wasser abfließen liessen.

TEPCO hatte den Zwischenfall mehrere Monate nicht gemeldet, obwohl den Verantwortlichen vor Ort die Ansammlung von Regenwasser auf dem Dach bekannt war.

Das Betreiberunternehmen begründete die Verzögerung des Berichts mit Kommunikationsmängeln. Die NRA veranlasste eine Prüfung, ob möglicherweise noch andere Daten nicht weitergegeben wurden. Das berichtete die NHK.

Bis die Ursache gefunden ist, bleibt dem Unternehmen wenig mehr, als zu provisorischen Sicherheitsmaßnahmen zu greifen. TEPCO veröffentlichte zu Wochenbeginn die Informationen zu zwei provisorischen Maßnahmen.

Hierzu gehört die Anhäufung von Sandsäcken mit Zeolith an zwei Abwasserkanälen, so dass sie als Filter für Regenwasser dienen sollen, das in die Abwasserkanäle gelangen könnte. Die Anbringung einer konventionellen blauen Plastikplane, die mit weiteren Sandsäcken gesichert wird, soll verhindern, das dort anfallendes Regenwasser unkontrolliert in die Kanäle abfließen kann.

Die Entfernung von Regenwasser, dass sich trotz der Plane auf dem Gebäude ansammeln wird, ist ungeklärt und dürfte aufgrund der extrem hohen Strahlungswerte im Dachbereich schwierig werden.

Viele Evakuierte kehren auf eigenen Wunsch nicht zurück: Auch vier Jahre nach der Katastrophe, sind 120.000 frühere Bewohner von Ortschaften der Präfektur Fukushima, immer noch Flüchtlinge der Katastrophe und trotz der teilweisen Aufhebung von Sperrzonen in den Gemeinden Tamura und Kawauchi nicht zurückgekehrt.

Der Rückkehrwille ist vielfach nicht sehr ausgeprägt, das ergibt sich aus finanziellen Erhebungen, die zeigen, dass Entschädigungsgelder zunehmend genutzt werden, um in den Gebieten, in denen sie nun Leben, Grundstücke zu kaufen, oder sich anderweitig dauerhaft niederzulassen.

Derzeit leben 46.000 der Flüchtlinge nicht nur außerhalb ihrer früheren Wohnorte, sondern haben die Präfektur gänzlich verlassen. Auch die Bevölkerungszahlen der Präfektur Fukushima belegen diesen Trend – sank doch seit den Tohoku-Katastrophen die Zahl auf unter zwei Millionen Einwohner.

Selbst das 2012 von der Präfektur eingebrachte Angebot von mietbefreiten Wohnungen brachte keinen Erfolg – vielmehr führt die steigende Zahl von Arbeitern für Wiederaufbauarbeiten sogar zur Wohnungsknappheit der Präfektur. Über die aktuelle Situation berichtete die jiji.

1 KOMMENTAR

  1. 1. ) Die Radiation Effects Research Foundation (RERF) hatte seinerzeit auch die Daten der von den Atombombenabwürfen Betroffenen analysiert.
    2.) Ölleck auf Gelände des AKW Fukushima: Wahnsinnig wichtige Information! Wie viele solcher Fälle gibt es eigentlich jährlich in Deutschland beim Betrieb von Öltanklastwagen?

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