Fukushima aktuell: Untersuchung weist erneut Schilddrüsenkrebs bei Kindern nach

Fukushima aktuell: Untersuchung weist erneut Schilddrüsenkrebs bei Kindern nach

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Artikelbild der Schilddrüse (Foto: pd)
Fukushima-Krise: Mögliche Zusammenhänge mit Schilddrüsenkrebs vermutet (Symbolfoto: pd)

Schilddrüsenkrebs bei Kindern, die Lokalisierung geschmolzener Brennelemente und Geldverschwendung bei Dekontaminationsprojekten, sind drei Themen der heutigen Fukushima News. Mehr zu dem, was aus der Präfektur Fukushima heute gemeldet wurde, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Februar 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Zweite Untersuchung weist erneut Schilddrüsenkrebs bei Kindern nach
  • Reaktor-Scans mit kosmischer Strahlung beginnen
  • Häuser werden trotz Dekontamination abgerissen
  • Zwei weitere Reaktoren erfüllen erste Neustartkriterien

Zweite Untersuchung weist erneut Schilddrüsenkrebs bei Kindern nach: Eine erste Untersuchung aller 370.000 Kinder der Präfektur Fukushima, die zum Zeitpunkt der Katastrophe maximal 18 Jahre alt waren, hatte 86 Fälle von Schilddrüsenkrebs, sowie 23 Verdachtsfälle bestätigt.

Nun hat eine zweite Untersuchungsreihe an 385.000 Kindern, die im April vergangenen Jahres begann, einen weiteren Krebsfall bestätigt. Es bestehen sieben Verdachtsfälle, jedoch liegen in diesen Fällen noch keine endgültige Diagnose vor.

Die Kinder waren zum Zeitpunkt der AKW-Katastrophe zwischen sechs und 17 Jahren alt. Nun muss ein Komitee der Präfekturverwaltung beurteilen, ob ein kausaler Zusammenhang mit der Kraftwerkskatastrophe besteht.

Alle acht Kinder waren in der ersten Untersuchung als gesund befunden worden. In beiden Untersuchungen wurde das gleiche Verfahren eingesetzt.

Dieses bestand aus einer Ultraschalluntersuchung, der anschließenden Beurteilung von Veränderungen nach einer vierstufigen Skala und im Fall der beiden höchsten Stufen zusätzliche Bluttests und Zellbiopsien. Das berichtete die Kyodo unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen.

Reaktor-Scans mit kosmischer Strahlung beginnen: Nachdem im Dezember 2014 an Reaktor 4 eine erfolgreiche Bergung von Brennelementen aus dem Abklingbecken gemeldet werden konnte, will TEPCO auch an den anderen Reaktoren Fortschritte erzielen.

AKW Fukushima: Arbeiten vor Reaktor-Scans, 9. Februar 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeiten vor Reaktor-Scans, 9. Februar 2015 (Foto: TEPCO)

Um sich ein Bild von der Lage der Masse aus zusammengeschmolzenen Brennelementen (Corium) machen zu können und die hohe Radioaktivität den Robotereinsatz einschränkt, wurden am Dienstag zwei Myonen-Detektoren an Reaktor 1 aufgestellt.

Am heutigen Donnerstag sollen die geplanten Scans des Reaktors beginnen.

Die nördlich und nordöstlich des Reaktors aufgestellten Geräte sollen erfassen, wie subatomare Teilchen (Myonen), die als Teil kosmischer Strahlung auf die Erde gelangen, durch das Reaktorgebäude dringen. Da nur Material mit besonderer Dichte, wie etwa Uran, den Weg der Myonen hemmt, hofft TEPCO so die Lage der geschmolzenen Brennelementemasse ermitteln zu können.

Allerdings rechnet das Unternehmen damit, dass der Großteil der Masse durch den Boden des Druckbehälters geschmolzen ist und sich auf dem Boden des Sicherheitsbehälters angesammelt hat. Da sich der untere Teil des Behälters jedoch unterhalb der Erdoberfläche befindet, könnten die Myonen-Detektoren das Material dort nicht lokalisieren.

Der im Druckbehälter verbliebene Teil könnte dagegen nach Angaben des Entwicklers, der „High Energy Accelerator Research Organization“ (KEK) durchaus bestimmt werden, da die Detektoren sogar die Lage von 30-50 Zentimeter großen Brennelementeresten lokalisieren können.

Die Reaktorscans sollen nun einen Monat lang durchgeführt und die Ergebnisse Ende März vorgestellt werden. Über den Einsatz kosmischer Strahlung zur Brennelementelokalisierung berichtete die Mainichi Shimbun.

Häuser werden trotz Dekontamination abgerissen: In drei evakuierten Gemeinden der Präfektur Fukushima, sollen etwa 1.080 Wohnhäuser abgerissen werden – obwohl sie zuvor auf Wunsch der früheren Einwohner dekontaminiert worden waren.

Wiederaufbau in einem japanischen Haus (Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Wiederaufbau in einem japanischen Haus (Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Das geht aus einer Anfrage der NHK bei neun Gemeinden hervor, in denen Abrissarbeiten laufen. Als Begründung nannten die Verantwortlichen, aufgrund von wetterbedingten Problemen, wie etwa eindringendem Regen, und den baulichen Schäden durch eindringende Tiere, sei eine Wiederherstellung der Gebäude nicht rentabel. Auch planten viele der früheren Einwohner ohnehin keine Rückkehr mehr.

Die Vertreter der Gemeinden sprechen von einer Verschwendung von Zeit und finanziellen Mitteln, da die Regierung sowohl für die Dekontaminationsmaßnahmen, als auch die Abrissarbeiten aufkommt.

Nach Angaben des Umweltministeriums wird für eine Dekontamination durchschnittlich ein Zeitraum von zwei Wochen benötigt und die dabei anfallenden Kosten belaufen sich im Schnitt auf 994.250 Yen.

Die meisten Abrisse finden derzeit in der Ortschaft Naraha statt. Alleine dort werden etwa 870 Gebäude abgerissen. Das Umweltministerium versprach nun, nicht nur die Geschwindigkeit der Dekontaminationsarbeiten, sondern auch die Effizienz zu verbessern. Hierdurch soll offenbar dem raschen Verfall entgegengewirkt werden. Über die Abrissarbeiten berichtete die NHK.

Zwei weitere Reaktoren erfüllen erste Neustartkriterien: Das Energieunternehmen Kansai Electric, erhielt heute von der Atomenergiebehörde NRA, die erste von insgesamt drei benötigten Bescheinigung für die Sicherheit der Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama (Präf. Fukui). Für einen Neustart bedarf es neben den ausstehenden beiden Zertifikaten jedoch auch der Zustimmung der Gemeinden.

Als Reaktion auf die Entscheidung versammelten sich etwa 30 Demonstranten in Tokyo vor dem Gebäude, in der das Treffen der NRA abgehalten wurde. Sie kritisieren, man habe bei der Entscheidung die Evakuierungspläne für Einwohner nicht berücksichtigt. Auch sei trotz  einer einmonatigen Umfrage bei 3.615 Personen, nicht alle Einzelheiten der Umstände eines Neustarts hinreichend erklärt.

Tatsächlich bedeutet die Bestätigung nicht, das bereits alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden. So ist die Genehmigung der NRA mit der Bedingung verknüpft, die Tsunami-Schutzmaßnahmen zu erhöhen und zwei Notfallzentralen einzurichten. Anschließend müssen die überarbeiteten Sicherheitsmaßnahmen für die Reaktoren 3 und 4 vorgelegt werden, wenn das Unternehmen die Reaktoren 1 und 2 starten will.

Zuvor hatte Kyushu Electric im September 2014 als erstes Unternehmen eine entsprechende Bescheinigung für die Reaktoren 1  und 2 des Kernkraftwerks Sendai (Präf. Kagoshima) erhalten. Landesweit wurden für 21 Reaktoren an 14 Kernkraftwerken eine Sicherheitsprüfung durch die NRA beantragt. In einigen Fällen laufen diese bereits.

Experten rechnen nicht damit, dass Reaktoren am AKW Sendai, oder dem AKW Takahama schnell wieder ans Netz gehen. Zuvor müssen noch vorgelegte Baupläne genehmigt und die Handbücher für den Katastrophenschutz und Notfälle geprüft werden. Mindestens zwei Monate dauernde Kontrollen vor Ort, die sich an die Entscheidung anschließen werden schnelle Neustarts ausbremsen.

Im Fall des AKW Takahama kommt die Lage des Kraftwerks hinzu. Die 30-Kilometer-Sicherheitszone um das AKW umfasst auch Bereiche der Nachbarpräfekturen Kyoto und Shiga, so dass auch dort Evakuierungspläne ausgearbeitet werden müssen. Zudem fordern deren Verwaltungen ein größeres Mitspracherecht. Derzeit ist keines der japanischen Kernkraftwerke in Betrieb. Über die Entscheidung berichteten Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK.

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