Fukushima aktuell: US-Experte kritisiert Meldungen über Strahlungsanstieg

Fukushima aktuell: US-Experte kritisiert Meldungen über Strahlungsanstieg

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Harsche Kritik, ein weiterer Fehlschlag und ein neuer Rekordwert – so lassen sich die Meldungen zusammenfassen, die mit den Arbeiten in Reaktor 2 des AKW Fukushima heute veröffentlicht wurden.

Welche Fukushima News hinter diesen Schlagwörtern stecken, erläutern wir im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Februar 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • US-Experte kritisiert Medienberichte  über angeblichen Strahlungsanstieg
  • Zweiter Anlauf des Reinigungsroboters ebenfalls gescheitert
  • Werte von 650 Sievert im Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 vermutet
US-Experte kritisiert Medienberichte  über angeblichen Strahlungsanstieg

Will Davis, Mitglied der American Nuclear Society (ANS), kritisierte in einem Posting auf seinem Blog “ ANS Nuclear Cafe“, die jüngsten Medienberichte über einen neuen Strahlungsrekord in Fukushima-Reaktor 2 als irreführend und „nachweislich falsch“.

Anhand der Analyse von Bildstörungen auf Kamerabildern war das Betreiberunternehmen TEPCO zu der Einschätzung gelangt, dass im Bereich unterhalb des Druckbehälters Strahlungswerte von bis zu 530 Sievert pro Stunde herrschen.

Als Reaktion darauf hatten mehrere japanische Medien einen deutlichen Strahlungsanstieg im Vergleich zu Werten von 73 Sievert im Gebäude des Reaktors gemeldet. Diese Angaben waren auch von ausländischen Medien aufgegriffen worden.

Davis erklärte nun, die Analyse des AKW-Betreibers sei durchaus realistisch – allerdings wären vorige Untersuchungen immer an anderer Stelle erfolgt, so dass ein direkter Vergleich, wie ihn die Medien anstellten, gar nicht stichhaltig sei.

Man könne gar nicht von einem „Strahlungsanstieg“ reden, da es ohnehin das erste Mal war, dass man diesen Bereich des Sicherheitsbehälters mit einer Kamera untersucht habe.

Außerdem lasse sich in keinem der sonstigen Berichte über andere Bereiche des Reaktors irgendwelche Hinweise auf Schwankungen im Strahlungsniveau nachweisen, so der Experte in seinem kritischen Blogposting zur Berichterstattung der Medien.

Über die öffentliche Schelte berichtete die Kyodo.

Zweiter Anlauf des Reinigungsroboters ebenfalls gescheitert

Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi am heutigen Donnerstag bekannt gab, ist auch der zweite Versuch, einen mit Kameras ausgestatteten Reinigungsroboter in den Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 zu lotsen, abgebrochen worden.

Nachdem der Beginn des Einsatzes problemlos verlief und erste Sedimente auf einer Fläche von einem Meter erfolgreich gelöst worden waren, fiel nach zwei Stunden Betrieb die Frontkamera des Roboters aus.

Das Gerät verfügt neben dem Hochdruckreiniger und Räumgerät auch über drei Kameras. Da insbesondere die fehlende Sicht nach vorne jedoch die Arbeiten erheblich erschwert, beschloss TEPCO den erneuten Abbruch der Maßnahme.

Das Unternehmen kündigte an, dennoch eine Pressekonferenz abzuhalten, um offiziell über den aktuellen Stand der Ereignisse am AKW Fukushima Daiichi zu informieren.

Bereits der ursprüngliche Einsatz am Dienstag hatte man abbrechen müssen, nachdem es zu Problemen an einer Pumpe des Hochdruckreinigers gekommen war. Das Unternehmen hatte daraufhin einen Tag Pause verordnet, um ein Pumpengehäuse zu ersetzen.

Über den erneuten Abbruch berichteten neben dem Betreiber TEPCO auch die NHK, sowie Präfekturmedien.

Werte von 650 Sievert im Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 erwartet

Trotz des ungeplanten Abbruchs, lieferte der heutige Einsatz des Reinigungsroboters zumindest weitere Erkenntnisse über die Situation innerhalb des Sicherheitsbehälters von Reaktor 2.

Demnach habe sich die zuvor erfolgte Einschätzung, beim weiteren Vordringen in das Innere werde der Reinigungsroboter auf schwieriger zu entfernende Ablagerungen stoßen, bereits bewahrheitet.

Außerdem sei man durch eine Analyse der strahlungsbedingten Bildstörungen zu dem Schluss gekommen, dass die Strahlungsdosis etwa 650 Sievert betrage – die Bilder eines ersten Kameraeinsatzes hatten Werte von 530 Sievert nahe gelegt.

Ob es sich lediglich um eine genauere Einschätzung des zuvor vermuteten Werts anhand der neuen Informationen handelt, oder möglicherweise doch eine Strahlungserhöhung vorliegt, geht aus dem Medienbericht nicht hervor.

Zum anschließenden Ausfall der Frontkamera verwies TEPCO auf die extrem hohe Radioaktivität, die massiven Einfluss auf die elektrischen Geräte habe.

Das Unternehmen setzt bei Arbeiten in Reaktor 2 auf Kameras, die einer Gesamtbelastung von mehreren tausend Sievert standhalten können sollen. Über diese ersten Einschätzungen berichten Präfekturmedien.

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