Start Aktuelles Fukushima aktuell: Verantwortliche buhlen um Erlaubnis zur Verklappung von Grundwasser

Fukushima aktuell: Verantwortliche buhlen um Erlaubnis zur Verklappung von Grundwasser

3240
1
TEILEN
Artikelbild: Offizielles Foto des AKW Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Das AKW Fukushima Daiichi: (Foto: TEPCO)

Die Verklappung von Grundwasser wird als große Lösung beworben – das zeigen die Meldungen um die Geschehnisse am AKW Fukushima heute nicht zum ersten Mal. Die Existenz von ungelösten Problemen an anderer Stelle tritt dahinter zurück. Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. Februar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO legt Grenzwerte für Verklappung vor
  • METI führt Verklappungsgespräche mit Fischereiverband
  • Reaktor am AKW Tomari erfüllt Sicherheitsauflagen nicht
  • Wiederbelebung von Fukushima-Ortschaft schwierig
  • Entwurf eines Wiederaufbauplan für Iitate

TEPCO legt Grenzwerte für Verklappung vor: Vertreter des Kraftwerksbetreibers legten am gestrigen Montag die Grenzwerte für unterschiedliche Arten von radioaktivem Material vor, die das Unternehmen bei der Verklappung von Grundwasser in den Pazifischen Ozean als Grundlage nehmen will.

Bei der Verklappung geht es um Grundwasser des Kraftwerksgeländes, das heraufgepumpt werden soll, bevor es in die Untergeschosse der Gebäude gelangt und dort radioaktiv kontaminiert wird. Gegenwärtig gelangen täglich etwa 400 Tonnen an Grundwasser dorthin. Durch die Verklappung könnte die Menge auf 290 bis 390 Tonnen reduziert werden, so das Unternehmen.

TEPCO betonte dabei die besondere Strenge der Grenzwerte die eingehalten werden sollen. Diese liegen noch unter den gesetzlichen Vorgaben. Demnach dürften Cäsium-134 und Cäsium-137 nur in einer Konzentration von weniger als einem Becquerel pro Liter vorhanden sein. Für Strontium und sonstige Betastrahler soll ein Limit von weniger als fünf Becquerel pro Liter gelten.

Bei Tritium, das auch durch das Multinuklid-Filtersystem ALPS nicht verarbeitet werden kann, sondern separat behandelt werden muss, wird nach Willen von TEPCO ein Grenzwert von 1.500 Becquerel pro Liter liegen. Alle Zahlen betragen nur ein Viertel der gesetzlichen Vorgaben, oder liegen sogar noch darunter, berichtete die jiji.

Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) und der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, versuchen derzeit die Fischereikooperativen für die Pläne zu gewinnen und Einverständnis für die Verklappung zu erhalten. Die Kooperativen zeigen sich bislang skeptisch und fürchten um Sicherheit der Produkte und das Vertrauen der Verbraucher.

METI führt Verklappungsgespräche mit Fischereiverband: In Gesprächen mit Hiroshi Kishi, Vorsitzendem des Nationalen Verbands der Fischereikooperativen, versuchte Vize-Industrieminister Kazuyoshi Akaba, sowohl Notwendigkeit als auch Sicherheit der geplanten Methode überzeugend zu erklären.

Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Industrieministerium förderte nach Fukushima-Katastrophe die Atomenergie (Foto: BlackRiver cc-by)

Neben dem Vorgehen und der Kontrolle der Pumparbeiten selbst bezog sich Akaba auch auf die Besorgnis der Fischer vor Umsatzeinbußen aufgrund von Verbraucherängsten. Man werde die Öffentlichkeit mit Informationen versorgen um unbegründete Ängste und potentiell schädliche Gerüchte zu zerstreuen.

Der Plan, Grundwasser heraufzupumpen und in den Pazifik umzuleiten ist nicht neu. So hatten bereits zuvor Behörden die Verklappung als umweltfreundliche Lösung propagiert (Spreadnews berichtete im Mai und August 2013).

Der Vorsitzende des Dachverbands brachte sein Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahme an, betonte jedoch, keinen Alleingang ohne Einwilligung der Fischer durchzuführen. Zudem werde er eine endgültige Entscheidung nur nach Prüfung der Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen, sowie der Maßnahmen gegen Gerüchte treffen. Das berichtete die NHK.

Reaktor am AKW Tomari erfüllt Sicherheitsauflagen nicht: Wie die japanische Atomaufsichtsbehörde NRA am heutigen Dienstag mitteilte, muss einer der Reaktoren des AKW Tomari (Präf. Hokkaido) nachgerüstet werden, da er nicht den verschärften Sicherheitsbedingungen entspreche.

Für den betroffenen Reaktor 3 hatte der Betreiber Hokkaido Electrics zuvor eine Sicherheitsprüfung zur Neustarttauglichkeit beantragt. Da die nun erforderlichen baulichen Maßnahmen nicht im Laufe mehrerer Monate abgeschlossen sein werden, dürften sich die Neustartpläne deutlich verschieben. Das berichtete die Kyodo.

Wiederbelebung von Fukushima-Ortschaft schwierig: Seit der Evakuierung der gesamten Ortschaft am 16. März 2011, war die Ortschaft Kawauchi praktisch unbewohnt. Nun gibt es erste Versuche für eine Revitalisierung der Gemeinde. Doch die Maßnahme erweist sich als schwierig und langwierig.

Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Auch wenn im Laufe der folgenden Jahre die Evakuierungszonen aufgrund von Dekontaminationsmaßnahmen weitgehend verringert und im März 2012 sogar der Verwaltungssitz wieder nach Kawauchi verlegt wurde, sind die Herausforderungen weiterhin groß.

Insbesondere ältere Einwohner kehren zurück, viele Familien mit Kindern ziehen es dagegen vor, an ihrem jetzigen Wohnort zu bleiben und die Kinder dort zur Schule gehen zu lassen. Doch ältere Menschen haben es ohne Angehörige schwer, sich selbst zu versorgen.

Auch war Kawauchi als vergleichsweise kleine Ortschaft in wichtigen Punkten von der Infrastruktur anderer Städte wie Tomioka und Okuma abhängig, die mittlerweile im Sperrgebiet liegen und daher nicht mehr der Versorgung dienen können.

Dennoch gibt Bürgermeister Yuko Endo nicht auf und will die nun überalterte Ortschaft wiederbeleben. Innerhalb des Fiskaljahrs 2014 sollen Strukturen wie Pflegeeinrichtungen Supermärkte und andere Geschäfte eröffnen. Bereits 2013 war der Reisanbau wieder aufgenommen worden und größere Verwaltungsarbeiten angelaufen (Spreadnews berichtete am 3. Dezember 2013).

Entwurf eines Wiederaufbauplan für Iitate: Ein Ausschuss aus Experten und Einwohnern von Iitate hat einen Entwurf zum Wiederaufbau der Gemeinde ausgearbeitet. Fast drei Jahre nach dem Tohoku-Erdbeben, Tsunami und der Fukushima-Katastrophe ist die Strahlung in Iitate immer noch hoch und verhindert eine Rückkehr der Bürger.

Als Grundlage soll ein Gebiet von 26 Hektar dienen, in dem ab dem Fiskaljahr 2015 sowohl die Grundlage für Betriebe und Unternehmen geschaffen werden, als auch Wohneinrichtungen für Senioren die Betreuung benötigen, entstehen sollen.

Der Plan, der sich noch in Arbeit befindet, sieht den Bau eines Solarkraftwerks vor und umfasst die Bitte an die verantwortlichen Behörden, eine Rückkehr ab März 2016 zu erlauben. Das ursprüngliche Datum war aufgrund der schleppenden Dekontaminationsarbeiten hinausgeschoben worden.

Norio Kanno, Bürgermeister von Iitate lobte den Entwurf als wichtigen Schritt. Der Plan soll im März diesen Jahres der Ortsversammlung vorgelegt werden, Das berichtete die NHK.

1 KOMMENTAR

  1. die haben sie doch nich alle!!!
    wir haben knapp 500 AKW auf der welt zu laufen und dieser fliegenschiess fukushima macht den pazifik platt?
    wenn es mal so wäre.
    die russen, chinesen und amis wie die franzosen halten schön den mund. wer so viel dreck am stecken hat.
    die wissen schon warum!!!!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here