Fukushima aktuell: Verdacht auf neues Lagertank-Leck

Fukushima aktuell: Verdacht auf neues Lagertank-Leck

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Artikelbild - AKW Fukushima: Verdacht auf Lagertankleck am 1. Mai 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Verdacht auf Lagertankleck am 1. Mai 2015 (Foto: TEPCO)

Meldungen über ein mögliches Leck bestimmen die Fukushima News, doch werden vom AKW Fukushima heute auch weitere interessante Mitteilungen gemacht. Die Details nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. Mai 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Verdacht auf Lagertank-Leck
  • Schutzmantelentfernung an Reaktor 1 angekündigt
  • Zahl von Arbeitsunfällen am AKW Fukushima verdoppelt
  • Die Hürden des Eiswallprojekts

Verdacht auf Lagertank-Leck: Am heutigen Freitag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 9:30 Uhr auf einem Kontrollgang im Bereich H3 eine Wasserlache am Fuße des Lagertanks B2.

TEPCO geht derzeit davon aus, dass das Wasser aus dem Lagertank stammt und sich auf einer Fläche von 20 x 20 Zentimetern ausbreitete. Die Flüssigkeit gelangte nicht in Bereiche außerhalb der Lagertankbarriere.

AKW Fukushima: Absicherung des möglichen Lagertanklecks am 1. Mai 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Absicherung des möglichen Lagertanklecks am 1. Mai 2015 (Foto: TEPCO)

Es bestehen keine Hinweise darauf, dass weiteres Wasser austrete. Dennoch wurden Adsorptionsmatten und Sandsäcke als Sicherheitsmaßnahmen platziert. Es handelt sich offenbar um konzentriertes Wasser der Umkehrosmose-Anlage.

Messungen ergaben im Abstand von fünf Zentimetern zum Fuß des Tanks einen Betastrahlerwert von 70 Millisievert pro Stunde und Gammastrahlung in  Höhe von 0,06 Millisievert pro Stunde.

Bei den betroffenem Tank handelt es sich um einen Behälter alten Typs, der lediglich mit Bolzen gesichert und nicht fest verschweißt ist. In der Vergangenheit war es zu Großlecks an baugleichen Lagertanks gekommen.

Man Untersuche derzeit die genauen Umstände, erklärte der Kraftwerksbetreiber TEPCO. Über den Zwischenfall berichtete auch die NHK.

Schutzmantelentfernung an Reaktor 1 angekündigt: Wie bereits zuvor bekannt gegeben, will der Kraftwerksbetreiber am 15. Mai mit der Entfernung des Schutzmantels von Reaktor 1 beginnen.

Vorbereitungsarbeiten laufen bereits seit Oktober vergangenen Jahres. Dabei wurden Dachpaneele an Reaktor 1 entfernt und wieder montiert. Zudem war die Versprühung von Bindemitteln gegen radioaktiven Staub erfolgreich getestet worden.

Schutzmäntel wurden nach Ausbruch der Kraftwerkskatastrophe an mehreren Reaktorgebäuden angebracht, um die Ausbreitung von radioaktivem Material einzudämmen und Umwelteinflüsse auf Gebäude zu reduzieren.

Die Entfernung wird erforderlich, da man, ähnlich wie zuvor an Reaktor 4, eine Trümmerräumung und anschließende Bergung der Brennelemente durchführen will.

TEPCO reagierte auf Ängste, die den ursprünglichen Baubeginn vom Juli 2014 verzögert hatten, indem man Voruntersuchungen bezieht, denen zufolge durch die Bindemittel selbst bei Windgeschwindigkeiten von 90 Km/h keine Staubausbreitung auftrete.

Über die Maßnahme berichtete die NHK.

Andere Arbeiten hatten bereits gezeigt, welche Schwierigkeiten mit den Maßnahmen verbunden sein können. So wurde in der Vergangenheit etwa der Schutzmantel durch einen Kran beschädigt und Bindemittel unzulässig verdünnt.

Zahl von Arbeitsunfällen am AKW Fukushima verdoppelt: Wie TEPCO auf der gestrigen Pressekonferenz bekannt gab, hat sich im Fiskaljahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl verletzter Kraftwerksarbeiter verdoppelt.

Waren es im Fiskaljahr 2013 noch 36 Fälle von Verletzungen, mussten nun neben 63 verletzten Arbeitern auch ein tödlicher Arbeitsunfall eines Beschäftigten nach Sturz von einem Lagertank gemeldet werden.

Im aktuellen Fall handelt es sich um sechs Schwerverletzte, die für mindestens zwei Wochen arbeitsunfähig eingestuft wurden, sowie 42 Leichtverletzte und 15 Fälle von Hitzschlag.

Ingesamt 13 der Verletztenfälle waren auf Stürze oder Stolperer zurückzuführen und bei 13 weiteren war Fehlbedienung von Maschinen die Ursache.

Täglich sind am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi 7.000 Menschen beschäftigt, auch hier liegt eine Verdoppelung der bisherigen Zahlen vor.

Da 70 Prozent der verletzten Arbeiter weniger als ein Jahr auf dem Gelände beschäftigt waren, wird von TEPCO deren Unerfahrenheit als häufigste Unfallursache genannt.

Das Unternehmen erklärte, man wolle die Schulungen und Weitergabe von Informationen auf der Kraftwerksanlage verbessern. Über die Zahlen berichteten Asahi Shimbun und NHK.

Die Hürden des Eiswallprojekts: Der Test des Kühlsystems, dass durch Gefrierung des Bodens eine Grundwasserbarriere schaffen soll, ist von besonderer Bedeutung für die Fortschritte an der Anlage.

Bei den jetzt begonnenen Tests werden auf einer Strecke von 60 Metern durch 58 unterirdische Leitungen eine Gefrierung des Bodens angestrebt.

Der Testabschnitt befindet sich auf der Bergseite des Kraftwerksgeländes und die dort gesammelten Daten zu Temperatur und Grundwasserstand werden sorgfältig beobachtet.

Ziel der mehrere Wochen andauernden Tests ist es im Wesentlichen, festzustellen, ob eine Gefrierung des Bodens auch in Gebieten mit hoher Grundwassermenge, oder nahe gelegenen Hindernissen erzielt werden kann.

Auf der Küstenseite gibt es dagegen Verzögerungen durch die vollgelaufenen Schächte, die mit Spezialbeton gesichert werden.

Die fertige Anlage wird aus etwa 1.700 Rohren bestehen, die auf einer Strecke von 1,5 Kilomtern in 30 Metern Tiefe um die Reaktorgebäude 1 bis 4 verlaufen.

Der Eiswall soll verhindern, dass kontaminiertes Abwasser aus den Gebäuden sich mit dem Grundwasser auf dem Gelände vermischt. Daher wäre ironischerweise auch ein zu niedriger Grundwasserpegel riskant.

Sollte er unter das Niveau des kontaminierten Abwassers in den Untergeschossen sinken, könnte dieses Wasser unkontrolliert austreten und zu großflächiger Grundwasserbelastung führen.

Deshalb wird TEPCO gezielt Wasser an Grundwassermessposten um die Reaktoren einspeisen, um den Pegel selbst regulieren zu können. Über Schwierigkeiten und Hindernisse berichteten Asahi Shimbun und NHK.

2 KOMMENTARE

  1. Danke wie immer für die tolle Berichterstattung.
    Ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen; „Bei den jetzt begonnenen Tests werden auf einer Strecke von 60 Kilometern“, sollte wohl Meter heißen, oder?

    Liebe Grüße und danke nochmal für die tolle Arbeit,
    Christian

    • Hallo Christian,

      da hat sich in der Tat der Fehlerteufel eingeschlichen. Wir danken für den Hinweis, haben den Fehler umgehend berichtigt und entschuldigen uns für möglicherweise daraus entstandene Missverständnisse.

      Die Redaktion

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