Fukushima aktuell: Verformungen an Tannen als Strahlungsfolgen denkbar

Fukushima aktuell: Verformungen an Tannen als Strahlungsfolgen denkbar

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Blick auf den Berg Higashiazuma (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Blick auf den Berg Higashiazuma (Foto: pd)

Der Einfluss der Radioaktivität ist im Zusammenhang mit der Katastrophe von Fukushima heute besonders von Interesse. Doch auch die Zukunft der kontaminierten Abfälle beschäftigt Japan aktuell und trägt zu den aktuellen Fukushima News bei.

Die Details der Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. August 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Zusammenhang zwischen Radioaktivität und Verformungen bei Fukushima-Tannen untersucht
  • Rückgang bei Strahlungsbelastung von Einwohnern
  • Einwohner blockieren Prüfung von potentiellem Zwischenlagerstandort
  • Großdekontamination in stark verstrahltem Sperrgebiet

Zusammenhang zwischen Radioaktivität und Verformungen bei Fukushima-Tannen untersucht: In den Gemeinden Okuma und Namie traten in der Vergangenheit ungewöhnliche Wuchsformen an Tannen auf, so dass auf Anordnung des Umweltministeriums entsprechende Untersuchungen durchgeführt wurden.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin „Nature“.

Die Forschungen an den Tannen in der Umgebung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, hätten eine deutlich erhöhte Zahl an sichtbaren Defekten entlang der Hauptachse, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe festgestellt.

Die Häufigkeit der Wachstumsstörungen folgte dabei dem Niveau an radioaktiver Kontamination vor Ort.

Es ist das erste Mal, dass eine solche Untersuchung tatsächlich einen kausalen Zusammenhang zwischen der Strahlungsbelastung durch die Fukushima-Katastrophe und den Anomalien nahe legt.

Nach Angaben der Wissenschaftler eignen sich Nadelholzgewächse aufgrund ihrer hohen Strahlungsempfindlichkeit besonders als Indikatororganismen für die Auswirkungen von Radionukliden.

Auch bei der Katastrophe von Tschernobyl hätten die dortigen Nadelwaldarten mit deutlichen Schäden auf die radioaktive Kontamination reagiert.

In der Diskussion der Ergebnisse räumten die Wissenschaftler jedoch ein, auch am Kontrollstandort habe es diese Veränderungen gegeben, wenn auch in niedrigerem Ausmaß.

Da selbst an den stark verstrahlten Stellen bereits vor der Katastrophe gelegentlich solche Wuchsveränderungen auftraten, ist ein absoluter Zusammenhang nicht festzumachen.

Der so genannte „Verzweigungsdefekt“, bei dem sich eine Hauptachse in zwei identische Äste teilt, kann auch auf Schäden durch Frost, Tierfraßschäden, Windschäden, oder Krankheiten auftreten.

Die Zunahme der Deformationen nach der Katastrophe und das Zusammentreffen von Strahlungsdosis der Umgebungsradioaktivität mit der Häufigkeit des Auftretens legt zumindest nahe, das von den verschiedenen Faktoren die ionisierende Strahlung als wahrscheinlichste Ursache gilt.

Der Artikel ist seit dem heutigen Freitag unter dem Titel „Morphological defects in native Japanese fir trees around the Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant“ auch online verfügbar.

Rückgang bei Strahlungsbelastung von Einwohnern : Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte die Stadt Date (Präf. Fukushima) die Strahlungswerte von 11.350 Einwohnern. Die Werte waren seit Juli 2014 über den Zeitraum eines Jahres ermittelt worden.

Die Stadt wurde in verschiedene Zonen mit unterschiedlich hohem Strahlungsniveau eingeteilt. Die Hauptkontrollgruppe umfasste 10.006 Personen, die zur Erfassung ein passives Dosimeter mit sich führten.

Der Durchschnittswert in Gebieten mit vergleichsweise hoher Radioaktivität lag bei 0,82 Millisievert. Als Jahresgrenzwert für erfolgreich dekontaminierte Gebiete gilt ein Millisievert pro Jahr.

Der aktuelle Wert stellt damit einen Rückgang zu den Vorjahren statt. Damals waren 1,0 bzw. 1,59 Millisievert nachgewiesen worden. Über die Ergebnisse der Untersuchung berichteten Präfekturmedien.

Einwohner blockieren Prüfung von potentiellem Zwischenlagerstandort: Einwohner der Ortschaft Kami (Präf. Miyagi) verhinderten heute durch ihre Blockade die Untersuchung eines potentiellen Zwischenlagerstandorts für kontaminierte Abfälle verhindert.

Als die 16 Mitarbeiter des Umweltministeriums dort am Morgen eintrafen, wurden sie von 200 Protestlern, darunter Bürgermeister Hirofumi Inomata, aufgehalten. Nach einer 20 Minuten dauernden Diskussion zogen sich die Regierungsvertreter schließlich zurück.

Die drei Standortkandidaten der Präfektur – Kami, Kurihara und Taiwa, waren gestern über den Termin vor Ort informiert worden.

Durch die Blockade in Kami wurden auch die Tests an den beiden anderen Standortkandidaten verhindert, da sich die Verwaltungen erst nach der Zusage, alle drei Gemeinden müssten parallel untersucht werden, einverstanden erklärt hatten.

Die Ministerialvertreter erklärten, man wolle die Eignungsprüfung als Zwischenlagerstandort auf jeden Fall durchführen, bevor es zu den winterlichen Schneefällen komme.

Derzeit werden an 39 Standorten von neun Gemeinden der Präfektur Miyagi etwa 3.404 metrische Tonnen an kontaminierten Abfällen, wie Schlamm und Reisstroh gelagert, die Cäsiumbelastungen über 8.000 Becquerel pro Kilogramm aufweisen.

Diese Abfälle unterliegen nach geltendem Recht besonderen Lagerungsbestimmungen, die in einem solchen Lager gewährleistet werden sollen. Über den Protest berichteten Mainichi Shimbun und Präfekturmedien.

Großdekontamination in stark verstrahltem Sperrgebiet: Am heutigen Freitag versammelten sich 30 Arbeiter auf dem Gelände einer Grundschule der Sperrgebietsgemeinde Okuma und begannen dort unter Einsatz von schwerem Gerät mit Dekontaminationsarbeiten.

Da Bereiche dieser Gemeinde langfristig unbewohnbar bleiben werden, liefen Dekontaminationsarbeiten in diesen Bereichen nur zu Testzwecken.

Jetzt veranlasste das Umweltministerium auf Bitten der Gemeindevertretung groß angelegte Dekontaminationsmaßnahmen in einem Ortsteil mit zahlreichen öffentlichen Einrichtungen und Schulen.

Es handelt sich um eines der am stärksten vom radioaktiven Niederschlag (Fallout) betroffenen Gebiete. Weitere Sperrbereiche mit ähnlichem Status finden sich in sechs anderen Gemeinden.

Ob dort ebenfalls Dekontaminationsmaßnahmen aufgenommen werden, soll vom jeweiligen Strahlungsniveau und den Forderungen der Bewohner abhängen. Das berichtete die NHK.

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