Start Aktuelles Fukushima aktuell: Verklappung von Grundwasser in den Pazifik gestartet

Fukushima aktuell: Verklappung von Grundwasser in den Pazifik gestartet

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Artikelbild - AKW Fukushima: Verlauf des Grundwasserumleitungsprojekts am 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasserumleitungen laufen weiter (Foto: TEPCO)

Die am Kernkraftwerk Fukushima heute begonnene Verklappung von umgeleiteten Grundwasser ist eines der größten Projekte des Kraftwerksbetreibers TEPCO in der jüngsten Zeit. Es bleibt abzuwarten, in welchem Umfang sich die Maßnahme bewähren wird, Regierung und Betreiber zeigen sich jedoch mit den jetzigen Fukushima News zufrieden.

Weitere Meldungen folgen in Kürze und wie immer im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Mai 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Grundwasserverklappung hat begonnen
  • Neustarts von ALPS-Filtersystemen unklar
  • Gericht untersagt Neustart von Reaktoren am AKW Oi
  • Fukushima-Hoax beunruhigt Internetnutzer

Grundwasserverklappung hat begonnen: Nachdem vergangene Woche die  Verklappung von Grundwasser angekündigt worden war, wurde am heutigen Mittwochmorgen um 10:25 Uhr mit der Entsorgung von etwa 560 Tonnen Grundwasser begonnen. Die Maßnahme sollte etwa drei Stunden dauern und wurde durch Experten der Behörden für Rohstoffe und Energie (ANRE) beaufsichtigt.

Durch die Maßnahme soll der Bedarf an Lagertanks reduziert werden, da im Rahmen des Projekts sauberes Grundwasser aus den Bergen umgeleitet wird, bevor es durch Abwässer aus den Reaktoren radioaktiv kontaminiert werden kann. Nach einer einmonatigen Prüfung in Lagertanks und der Bestätigung der Einhaltung der Grenzwerte, wird es in den Pazifischen Ozean verklappt.

Japans Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga äußerte sich positiv über den Beginn der Verklappung. Dies sei zwar nur ein kleiner Schritt, jedoch ein Erfolg bei der Beruhigung von Ängsten der Bevölkerung. Nun, da die Ansammlung von radioaktiven Wasser auf der Anlage reduziert werde, könne sich das Unternehmen nun auch auf andere Dinge konzentrieren.

AKW Fukushima: Beaufsichtigung der Grundwasserumleitung durch die METI am 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Beaufsichtigung der Grundwasserumleitung am 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)

Die Pläne zur Verklappung waren über Jahre auf starken Widerstand gestoßen. Insbesondere die Lecks, bei denen radioaktiv kontaminiertes Wasser aus Lagertanks und Leitungen ausgetreten war, hatten zur Ablehnung der Maßnahme  geführt. Fischereiverbände der Präfektur fürchteten um ihren Lebensunterhalt, falls eine unkontrollierte Kontamination erfolge.

Der Fischereidachverband hatte dem Plan am 20. Mai 2014 schließlich zugestimmt, jedoch mehrere Bedingungen gestellt – darunter die Analysen des Grundwassers und die Kontrolle der Verklappung durch eine dritte Instanz, um nicht ausschließlich Daten von TEPCO zu erhalten.

Chefkabinettssekretär Suga bestätigte daher auf der heutigen Pressekonferenz, der Regierung sei sehr bewusst, welch Überwindung es die Fischer gekostet habe, diesem Plan zuzustimmen. Insbesondere deshalb werde man das Inudstrieministerium anweisen, den Kraftwerksbetreiber TEPCO streng bei der Einhaltung der Grenzwerte zu beaufsichtigen.

Über die Verklappung des umgeleiteten Grundwassers in den Pazifik berichteten praktisch alle japanischen Medien, darunter Kyodo, Asahi Shimbun, jiji, NHK, sowie Präfekturmedien.

Neustarts von ALPS-Filtersystemen unklar: Nachdem die Abschaltung der Einheit C gestern den Stopp für das gesamte Multinuklid-Filtersystem bedeutete, ist vorerst unklar, wann die drei Einheiten wieder gemeinsam laufen können.

Sowohl bei der am Samstag abgeschaltete Einheit A, als auch an der bis gestern funktionierende Einheit C, sind nach Angaben von TEPCO vermutlich Schäden an den Filtern die Ursache für die mangelnde Filterleistung bei Calcium.

AKW Fukushima: Adsorptionsturm der Multinuklid-Filteranlage ALPS (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Adsorptionsturm der Multinuklid-Filteranlage ALPS (Foto: TEPCO)

Einheit B war war bereits im März aufgrund eines plötzlichen Leistungsabfalls abgestellt werden. In diesem Fall werden Abnutzungserscheinungen an Kunststoffteilen, die durch Radioaktivität ungewöhnlich schnell abbauten, als Ursache angesehen.

Der Kraftwerksbetreiber will nach dem Austausch der Kunststoffteile durch ein anderes Material, den Betrieb von Einheit B am Freitag einen Neustartversuch wagen. Für Einheit A ist eine Wiederaufnahme des Betriebs auf einen nicht näher benannten Zeitraum von Mitte Juni vorgesehen.

Wann die bislang zuverlässig funktionierende Einheit C erneut gestartet werden kann, ist laut TEPCO dagegen noch völlig unklar. Das berichteten TEPCO und NHK.

Gericht untersagt Neustart von Reaktoren am AKW Oi: Kansai Electric, Betreiber des AKW Oi (Präf. Fukui), darf nicht wie beabsichtigt zwei Reaktoren der Anlage starten. Damit gab das Gericht einer Klage von 189 Bürgern statt, die einen Neustart aus Sicherheitsbedenken ablehnen.

Es handelt sich um das erste Urteil gegen den Neustart von Atomanlagen seit der Fukushima-Katastrophe im März 2011. Eine ähnliche Klage war zu Beginn des Monats von einem Gericht in Osaka noch abgewiesen worden.

Die Anlage des AKW Oi war trotz Gegendemonstrationen, aufgrund befürchteter Elektrizitätsengpässe während der Sommermonate, im Juli 2011 zunächst wieder gestartet worden, um dann im September 2013 wegen Standardkontrollen wieder heruntergefahren worden.

Die Entscheidung von Richter Hideaki Higuchi, aufgrund des Mangels an Notkühlsystemen und Erdbebenkalkulationen von zu geringer Größe sei die Anlage nicht für Neustarts bereit, könnte auch einen Einfluss auf die Arbeit der Atomsicherheitsbehörde NRA haben.

Bislang entscheidet die NRA anhand von Sicherheitsprüfungen, die von den Betreibern angefordert werden können, ob die Sicherheitsbestimmungen ausreichend erfüllt werden und daher eine Empfehlung zum Neustart ausgesprochen werden kann.

Das ein Richterspruch möglicherweise selbst eine positive Prognose überstimmen könnte, würde dies neue Hindernisse für die Wiederaufnahme des Betriebs von Kernkraftanlagen bedeuten. Nach Angaben von Anwälten der Atomkraftgegner sind derzeit 30 Klagen gegen 16 Atomanlagen anhängig.

Shunichi Tanaka, Vorsitzender der Atomaufsicht, erklärte auf einer Pressekonferenz die richterliche Entscheidung nicht zu kommentieren, sondern verwies darauf, die Kontrollen würden wie geplant fortgesetzt. Über das Urteil berichteten Kyodo und NHK.

Fukushima-Hoax beunruhigt Internetnutzer: Die Meldung, es sei an Reaktor 4 zu einer Explosion und einem Brand gekommen, beunruhigte am heutigen Mittwoch einige Internetnutzer. Als angeblicher Beweis wurden Aufnahmen der Live-Kamera am Kernkraftwerk Fukushima angeführt, sowie ein Foto, die den angeblichen Brand zeigen sollen.

Echte Filmaufnahmen vom gestrigen Dienstag können jedoch gar keine Ereignisse an Reaktor 4 zeigen, da es einen Standortwechsel der Fukushima-Webcam im August 2012 gab, so dass sie sich nun neben dem Gebäude befindet und nicht auf dieses ausgerichtet ist. Es handelt sich bei dem angeblichen Brandvideo mit hoher Wahrscheinlichkeit um ältere Aufnahmen der Anlage.

Das angebliche Beweisfoto stammt aus dem Jahr 2011 und zeigt eine brennende Ölraffinerie der Stadt Chiba im Großraum Tokyo. Auch meldeten weder japanische Nachrichtenagenturen, noch die Regierung einen entsprechenden Zwischenfall. Vom Betreiber TEPCO  gibt es keine Berichte über einen plötzlichen Strahlungsanstieg auf dem Gelände, oder ähnliche Ereignisse.

Quelle der aktuellen Falschmeldung ist offenbar die Webseite beforeitsnews.com .

Es ist nicht das erste Mal, dass die weltweite Aufmerksamkeit bei Ereignissen am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi für bewusste Falschmeldungen missbraucht wird. Bereits im Januar 2014 war von einer angeblichen unterirdischen Explosion am Kraftwerk und einer russischen Nachrichtensperre berichtet worden.

Diese Meldung erwies sich als ebenso falsch, wie eine kurze Zeit später veröffentlichte Fotomanipulation eines Riesentintenfisches, die als Mutation durch Radioaktivität präsentiert wurde. Die damalige Quelle der  Fotomanipulation war die Webseite  “lightlybraisedturnip.com”, auf der auch andere satirische Artikel präsentiert werden.