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Fukushima aktuell: Viele Gemeinden immer noch nicht auf AKW-Störfälle vorbereitet

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Artikelbild: AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Foto: Daisuke Yamagishi, cc-by)
TEPCO plant AKW-Neustarts - auch am AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Symbolfoto: Yamagishi Daisuke, cc-by)

Drei Jahre nach der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi haben viele Ortschaften immer noch keine ausreichenden Notfallpläne. Dieser Mangel ist, neben dem AKW Fukushima heute ebenso Thema, wie radioaktiv belastete Rinder und Neustartpläne an Kernkraftwerken.

Einzelheiten wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. März 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Gemeinden teilweise noch ohne AKW-Katastrophenplan
  • TEPCO erklärt Wasserlachen an Entsalzungsanlage
  • Strahlungskontrolle für Rinder vereinfacht
  • Sicherheitsprüfung am AKW Sendai erhält Priorität
  • Starker Anstieg von Suiziden mit Katastrophenbezug
  • Öffentliche Schulen schließen wegen Fukushima-Krise

Gemeinden teilweise noch ohne AKW-Katastrophenplan: Wie eine Anfrage bei 100 Verwaltungen ergab, deren Gemeinden sich in einem Umkreis von 30 Kilometern um eines von 10 derzeit heruntergefahrenen Kernkraftwerk befinden, sind Evakuierungspläne für ernste Störfälle teilweise noch nicht gänzlich ausgearbeitet.

AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)

Zwar gaben 61 Prozent der befragten Stellen an, Evakuierungspläne fertig zu haben, allerdings erklärten 35 Prozent, entweder habe man Probleme sichere Evakuierungsorte festzumachen, oder sei mit Nachbarpräfekturen im Gespräch um Evakuierungen über Präfekturgrenzen hinweg zu ermöglichen.

Auf die Frage, ob besonders kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime bereits über entsprechende Pläne verügten, fiel das Ergebnis deutlich negativer aus.

Lediglich sieben Prozent gaben an, fertig ausgearbeitete Notfallpläne zu haben, während 44 Prozent dies verneinten.

Im Rahmen der Umfrage, die von der NHK durchgeführt wurde, fragte man die Verwaltungen, ob sie Neustarts von AKW erlauben werden, sofern die Regierung ihre Sicherheit bestätigte. Insgesamt 32 Prozent würden Neustarts zustimmen, weitere 45 Prozent erklärten, sie hätten dazu keine Meinung.

TEPCO erklärt Wasserlachen an Entsalzungsanlage: Kraftwerksbetreiber TEPCO gab heute bekannt, man habe die vermutliche Ursachen für eine Sichtung an der Entsalzungsanlage ausgemacht. Am Sonntag waren dort Wasserlachen an der Umkehrosmose-Einheit entdeckt worden.

Den heutigen Erklärungen zufolge, handele es sich in der Tat um Kondenswasser oder Regenwasser, dass in das Gebäude der Anlage gelangt und dort herabgetropft sei. Die gemessenen Strahlungswerte des Wassers werden auf Staub zurückgeführt, der sich am Boden befunden haben könnte.

Strahlungskontrolle für Rinder vereinfacht: Die Geschichte von Rinderzüchter Masami Yoshizawa, der seine Tiere in der Sperrzone hält und von weißen Flecken auf dem Fell der Tiere berichtet, dürfte seit den letzten Tagen kaum jemandem unbekannt sein.

Hauptargument des Tierzüchters gegen die verlangte Tötung, ist die Nachvollziehbarkeit von langfristigen Strahlungsfolgen durch die Rinder.

Japanisches Wagyu-Rind (Foto: Cgoodwin, cc-by)
Einfachere Strahlungsmessung bei Rindern (Symbolfoto: Cgoodwin cc-by)

Tatsächlich wurde unter der Leitung des Zentrums für Landwirtschaftstechnologie der Präfektur Fukushima ein Gerät entwickelt, dass die Strahlung an lebenden Kühen in einer Minute messen kann. An einem Hinterlauf wird das Gerät eine Minute lang angebracht.

Anschließend lässt sich die Höhe der radioaktiven Materials – im wesentlichen Cäsium – auf einem Display ablesen. Das neue Verfahren wurde am heutigen Donnerstag auf einem Viehmarkt der Stadt Motomiya präsentiert und an 80 Tieren vorgeführt.

Die seit der Kraftwerkskatastrophe durchgeführten Strahlungskontrollen vor dem Verkauf, machte bislang die Entnahme von Blut- oder Urinproben notwendig, so dass die Testergebnisse bis zu einer Woche auf sich warten liessen. Das neue System könnte die Kontrollen durch die Präfekturbehörden deutlich erleichtern.

Die Verantwortlichen vom Forschungszentrum hoffen, mit ihrer Entwicklung die Sicherheit der Rinder sicherstellen –  die Züchter zu entlasten und Verbraucherbedenken begegnen zu können. Insbesondere radioaktives Cäsium lagert sich im Muskelgewebe der Tiere an, berichtet die NHK.

Sicherheitsprüfung am AKW Sendai erhält Priorität: Die Atomaufsichtsbehörde räumt der Sicherheitsprüfung am AKW Sendai eine besondere Priorität ein. Da es sich bislang um die einzige Anlage handelt, an der die Reaktoren entscheidende Sicherheitsstandards zu Erdbeben und Tsunami erfüllen, steigt die Chance auf ein Bestehen der Tests.

Somit könnte das Kernkraftwerk Sendai (Präf. Kagoshima), des Elektrizitätsunternehmens Kyushu Electric, die erste Anlage sein, die eine Neustartgenehmigung erhält und wieder hochgefahren werden kann. Der Betreiber hofft, noch vor der Hitzewelle und dem steigenden Strombedarf durch Klimaanlagen, wieder ans Netz gehen zu können.

Shunichi Tanaka, Vorsitzender der Atomaufsichtsbehörde NRA, machte jedoch deutlich, Spekulationen über einen möglichen Neustarttermin entbehrten aufgrund der großen Zahl an sicherheitsrelevanten Faktoren, die es immer noch zu prüfen gelte, jeder Grundlage. Zudem habe die NRA trotz der Priorisierung noch weitere Aufgaben.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA, will mit der Schaffung eines ersten Zwischenberichts beginnen, in dem die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen zusammengefasst werden. Allerdings sind noch weitere Besichtigungen der Anlage vor Ort durchzuführen und die Einschätzung von Fachleuten abzuwarten.

Das größte Hindernis könnte jedoch nicht die Einbeziehung von Expertenmeinungen werden, sondern vielmehr die Einholung der öffentlichen Zustimmung bei den Einwohnern von Gemeinden in der Nähe des Kraftwerks. Über die aktuellen Entwicklungen berichteten Kyodo, jiji und NHK.

Starker Anstieg von Suiziden mit Katastrophenbezug: Ein gemeinsamer Bericht des japanischen Kabinettsbüros und der Nationalen Polizeibehörde, der am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde, zeigt eine landesweit fallende Tendenz von Selbsttötungen – ausgenommen Fälle, die mit den Tohoku-Katastrophen in Verbindung stehen.

Landesweit befindet sich die Suizidrate bereits im vierten Jahr in Folge in absteigender Tendenz. Im Jahr 2013 nahmen sich 27.283 Personen in Japan das Leben. Diese Zahl stellt einen Rückgang um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2012 dar. In den Katastrophengebieten stieg die Zahl dagegen an.

  • Suizide in Katastrophenregionen: Im Zusammenhang mit den Tohoku-Katastrophen wurden 2013 insgesamt 38 Suizide in Verbindung gebracht – das sind 14 Fälle mehr, als im Jahr zuvor. Auf die Präfektur Fukushima entfallen 23 der Selbsttötungen. Das sind zehn Fälle mehr als noch 2012.

In der Präfektur Miyagi nahmen sich zehn Personen das Leben. Das sind sieben Suizide mehr als im Vorjahr. Lediglich in der Präfektur Iwate gab es einen Rückgang. Dort töteten sich vier Menschen – die Hälfte weniger als im  Jahr 2012.

  • Suizide von Evakuierten: Im Fall der 23 Suizide in Fukushima betrafen 16 Fälle die Evakuierten. Im Vergleich zu 2012 ein Anstieg von fünf Personen. In Iwate stieg die Zahl der Selbsttötungen von Evakuierten auf vier. Somit nahm sich eine evakuierte Person mehr das Leben als 2012. Lediglich die Präfektur Miyagi hatte keine derartigen Suizide.
  • Das Hauptmotiv für Selbsttötungen war sowohl landesweit, als auch in dieser Sondergruppe identisch. Gesundheitliche Probleme waren 2013 landesweit für 13.680 Personen ein Grund zur Selbsttötung (Ein Rückgang von 0,4 Prozent). Im Bezug auf die Folgen des 11. März 2011 nannten 22 Personen gesundheitliche Gründe für ihren Suizid.
  • Tatmotive: Bei den katastrophenbezogenen Suiziden waren zudem in neun Fällen finanzielle Probleme und Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags, der Anlass zur Selbsttötung. Probleme mit Arbeit und Familie forderten jeweils fünf Todesopfer.
  • Altersgruppen: Mit 12 Personen war die Altersgruppe der Todesopfer Mitte 50 die Größte – ein Anstieg um sieben Personen. Sieben waren 80 Jahre alt oder älter. Auch hier gibt es mt vier Opfern mehr als 2012 einen Aufwärtstrend.

Quellen für diese Daten waren Abschiedsbriefe und Angaben von Angehörigen. Todesfälle in Auffanglagern und Übergangshäuser werden ebenso als „möglicherweise katastrophenbezogen“ eingeordnet, wie Einwohner in den Katastrophengebieten und Personen die sich dort am Wiederaufbau beteiligen.

Die Ministerium für Gesundheit, Arbeit und soziales (MHLW) gab eigene Daten heraus, die jedoch teilweise abweichen, da die Angaben der Polizei auch Personen einschließen, die keine japanischen Staatsbürger sind. Über die Zahlen der Polizeibehörde berichteten Kyodo und Mainichi Shimbun.

Öffentliche Schulen schließen wegen Fukushima-Krise: Wenn heute an einer Schule in Miharu, die ursprünglich in Katsurao unterrichtete, eine Abschlussfeier für zwei 15 Jahre alte Schüler abgehalten wurde, nachdem die Schule dort am 1. April 2013 ihre Arbeit wieder aufgenommen hatte, zeigt dies die schulische Situation der Präf. Fukushima.

Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)
Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)

Nach den Katastrophen waren 38 Schulen aus zehn Gemeinden in Gebiete außerhalb der Sperrzone verlegt worden. Obwohl die Schulen 80 Prozent ihre zuvor 7.681 Schüler verloren hatten, blieben sie weiter geöffnet, da man fürchtete, sonst verbliebene Schüler zu verlieren und so der Gemeinschaft zu schaden.

Nun schlossen erstmals sieben öffentliche Schulen.

An den Bildungseinrichtungen in Iwaki (Bezirk Tabito), bei denen es sich sowohl um Grundschulen, als auch weiterführende Schulen handelt, waren im Fiskaljahr 2010 noch 105 Kinder unterrichtet worden. Für das Fiskaljahr 2014, das am 1. April beginnt, liegen lediglich. 55 Anmeldungen vor.

Viele Eltern sind aufgrund der Sorge von gesundheitlichen Folgen für ihre Kinder, aus der Präfektur Fukushima weggezogen. Dies zeigt sich auch an den sechs weiteren betroffenen Schulen.

So wird auch die Mano-Grundschule in Minami-Soma, das 30 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt ist, geschlossen und in eine andere Schule eingegliedert. Die Zahl von 75 Schülern vor der Katastrophe war auf 43 gesunken.

Die Grundschule Kaidomari in Iwaki, hat lediglich eine einzige Schülerin und wird nach ihrem Schulabschluss geschlossen. Auch die Grundschule Onamori hat nur noch einen Schüler. Die Grundschule Onami in der Stadt Fukushima, hat es als einzige der sieben Schulen noch einigermaßen glücklich getroffen.

Nachdem im Juni 2011 mit einem erwarteten Jahreswert von 16,4 Millisievert, der höchste Strahlungswert aller 1.729 schulischen Einrichtungen der Präfektur erreicht und eine Dekontamination erforderlich wurde, sank die Zahl der 30 Schüler im Fiskaljahr 2011 bis zum Fiskaljahr 2013 auf einen Schüler. Dennoch könnte eine Neueröffnung erfolgen.

Auch in den Gemeinden, deren ausgelagerte Schulen nicht geschlossen werden, sind die Schülerzahlen gering. So wird die Verwaltung von Futaba, drei nach Iwaki verlegte Grundschulen öffnen, obwohl statt der einst 551 Kinder insgesamt nur sieben Schüler dort Unterricht haben werden. Über die schulischen Veränderungen berichteten Kyodo und Asahi Shimbun.

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