Fukushima aktuell: Vollständige Dekontamination aller Wälder fraglich

Fukushima aktuell: Vollständige Dekontamination aller Wälder fraglich

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Blick auf den Berg Higashiazuma (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Blick auf den Berg Higashiazuma (Foto: pd)

Feststimmung kommt im Zusammenhang mit den Folgen der Krise von Fukushima heute sicher nicht auf – auch wenn die Regierung sich um die Bewältigung bemüht.

Entsprechend vielseitig zeigen sich die aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Dezember 2015.

Unsere Themen zu Wochenbeginn

  • Fukushima-Wälder werden vermutlich nicht gänzlich dekontaminiert
  • Demontage des Atomwerbeslogans in Futaba begonnen
  • Wiederverwendung von kontaminiertem Fukushima-Erdreich erwogen
  • Leitungen an Fukushima-Reaktoren nachgebessert
  • Drohneneinsatz zur Strahlungsmessung demonstriert

Fukushima-Wälder werden vermutlich nicht gänzlich dekontaminiert: Möglicherweise werden die Waldgebiete der Präfektur Fukushima nicht wie erwartet vollumfänglich dekontaminiert. Vielmehr könnten die Arbeiten auf siedlungsnahe Wälder beschränkt werden.

Unter Berufung auf regierungsnahe Kreise berichtet die NHK, ein Regierungsausschuss habe Bedenken, dort großflächig kontaminiertes Laub zu entfernen, da dies bei Regenfällen zur Freisetzung des radioaktiven Materials aus den oberen Bodenschichten führen könnte.

Von den Wäldern an sich gehe dagegen keine Gefahr für bewohnte Gebiete aus. Daher plane die Regierung nicht die Dekontamination durch Abtragen von Laub und Bodenschichten, sondern lediglich die Verhinderung der Bodenerosion.

Zu diesem Zweck sollen stattdessen Holzzäune an steilen Abhängen und Hügeln angebracht werden, um die Wälder durch Verdünnung sicherer zu machen. Die Regierung soll noch am heutigen Montag die Anerkennung der Pläne durch Experten erreichen.

Demontage des Atomwerbeslogans in Futaba begonnen: Der Ankündigung der Werbetafel-Entfernung in Futaba am vergangenen Dienstag, folgten heute Taten.

Trotz Protesten des einstigen Werbetexters, wurde mit der Demontage der Schriftzeichen auf dem ersten der beiden Schildern begonnen. Sie überspannen die durch den Ort führende Hauptstraße.

Yuji Onuma, der den ersten Slogan als Grundschüler getextet hatte, organisierte in der Vergangenheit bereits eine Petition zum Erhalt der Werbetafeln, um sie als Mahnmal für die Selbstüberschätzung der Menschen zu erhalten.

Anlässlich der Entfernung des Schriftzugs „Atomenergie ist die Energie für eine leuchtende Zukunft“ protestierten Onuma und seine Unterstützer mit Plakaten.

Sie bezweifeln, dass die Entfernung der Schilder ein brauchbares Symbol für den Wiederaufbau sei, sondern sehen hierin vielmehr den Versuch der Verdrängung einer unliebsamen Vergangenheit.

Die Gemeinde begründet die Entfernung mit der baulichen Gefährdung für den künftigen Verkehr, die von den maroden Schildern ausgehe. Bürgermeister Shiro Izawa erklärte, man werde die Werbetafeln einlagern, um sie womöglich als Teil einer Gedenkstätte zu nutzen.

Mit dem Ende der Arbeiten am ersten Schild wird noch im Januar 2016 gerechnet und bis zum März 2016 soll auch das zweite Schild, mit einem Slogan über Entwicklung und Wohlstand durch Atomenergie, entfernt sein.

Über die Maßnahme berichteten mehrere japanische Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Wiederverwendung von kontaminiertem Fukushima-Erdreich erwogen: Wie das Umweltministerium heute bekannt gab, erwägt man die Verwendung von radioaktiv belastetem Erdreich für Baumaßnahmen, sofern es zuvor ausreichend dekontaminiert wurde.

Mit der Maßnahme könnte die Gesamtmenge der belasteten Abfälle, die über 30 Jahre in der Präfektur gelagert werden, bevor eine Endlagerung außerhalb erfolgt, reduziert werden.

Man wolle anhand eines Modellprojekts testen, in welchem Umfang sich die bereits bekannten Technologien zur Dekontamination von Erdreich zu diesem Zweck einsetzen lassen. Eine Verwendung in Straßenbau und Dammkonstruktion sei vorstellbar.

Endgültige Pläne für das Projekt will das Umweltministerium im kommenden März vorlegen und bereits im April könnte der Modellversuch dann in Angriff genommen werden, der zum Recycling des kontaminierten Erdreichs führen soll.

Einige Mitglieder des Ausschusses sehen daher auch weniger die Dekontamination des eingelagerten Erdreichs als problematisch an, sondern fürchten eher mangelnde Bereitschaft von Bauunternehmen und Einwohnern, bei Verwendung dieses Baumaterials. Über die aktuellen Regierungspläne berichtete die NHK.

Leitungen an Fukushima-Reaktoren nachgebessert: Kraftwerksbetreiber TEPCO ersetzt die bislang eingesetzten Kunststoffleitungen und Schläuche am Gasfiltersystem der Sicherheitsbehälter in den Reaktoren 2 und 3, zunehmend durch Stahlrohre.

Bereits seit November laufen derartige Maßnahmen, da man sich größere Sicherheit hiervon erhofft. Für die Arbeiten wurde ein zeitweiser Stopp der Anlage erforderlich. Eine heute durchgeführte Kontrolle nach Abschluss der Arbeiten ergab keine Auffälligkeiten. Das berichtete das Betreiberunternehmen.

Vergangene Woche hatte das Unternehmen in einem aktualisierten Bericht zur Akutphase der AKW-Krise eingeräumt, geschmolzene Dichtungen an Gasventilen hätten im März 2011 einen rechtzeitigen Druckausgleich verhindert und zum Austritt von explosivem Wasserstoff geführt.

Drohneneinsatz zur Strahlungsmessung demonstriert: Die japanische Atomenergiebehörde JAEA hat, in Zusammenarbeit mit der Weltraumbehörde JAXA, erste Tests für ein neues Projekt zur Erfassung von Strahlungsdaten aus dem Sperrgebiet von Fukushima begonnen.

Am gestrigen Sonntag wurde in der Stadt Minamisoma (Ortsteil Tsukahara) der Einsatz eines unbemannten Fluggeräts zur Strahlungsmessung demonstriert. Journalisten konnten einen zwanzigminütigen Testeinsatz in einer Höhe von 150 Metern beobachten.

Die Fernsteuerung der Drohne ist über eine große Distanz im zweistelligen Meterbereich möglich und die maximale Flugdauer, des mit modernen Messgeräten ausgestatteten Geräts, beträgt etwa sechs Stunden.

Der vollständige Einsatz für die Messungen im Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ist für das Fiskaljahr 2016 geplant. Über die Demonstration der geplanten Maßnahme berichteten Präfekturmedien.

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