Fukushima aktuell: Vorbereitungen für künftige Brennelemente-Bergung angelaufen

Fukushima aktuell: Vorbereitungen für künftige Brennelemente-Bergung angelaufen

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Artikelbild - AKW Fukushima: Entladung von Schutzmantelteilen am 20. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Entladung von ersten Gerüstteilen am 20. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)

Die aus Fukushima heute gemeldeten Neuigkeiten decken ein weites Spektrum ab. So reichen die aus Japan aktuell bekannten Fukushima News über Berichte von Vorbereitungen und Erfolgen, über Steuerausgaben, Gesundheitskontrollen, bis hin zu Mobbing.

Wie üblich gibt es die Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. Dezember 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Erste Vorbereitungen zur Brennelemente-Bergung im kommenden Fiskaljahr
  • Grundwassertransfermenge reduziert sich nach Eiswall-Arbeiten
  • Sperrgebiets-Dekontamination mit Steuergeldern beschlossen
  • Verbesserungen bei Gesundheitskontrollen geplant
  • Mindestens neun Fälle von Fukushima-Herkunftsmobbing in Kanagawa
Erste Vorbereitungen zur Brennelemente-Bergung im kommenden Fiskaljahr

Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) teilte am heutigen Dienstag offiziell mit, das man für das kommende Fiskaljahr mit der Bergung von Brennelementen aus Reaktor 3 des AKW Fukushima Daiichi rechne.

Die Anbringung eines Gerüsts für den externen Brennelemente-Kran und die damit verbundenen Abdeckung zur Reduzierung radioaktiver Umgebungskontamination seien wichtige Schritte zu diesem Ziel. Diese Arbeiten wurden nun der Presse vorgestellt.

Der Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte heute entsprechende Aufnahmen, auf denen die ersten Maßnahmen zu sehen sind. Sie zeigen die Verladung erster Bauteile, die per Schiff aus dem Hafen Onahama zum Kraftwerksgelände geliefert wurden.

Das erste gelieferte Teilstück der Struktur ist eine Art Stahlsockel, der das Verrutschen des Schutzmantels bei Horizontalbewegungen möglicher Erdbeben verhindern soll.

Derzeit befinden sich noch 566 Brennelemente in dem Reaktorgebäude, dass durch die Wasserstoffexplosion im März 2011 schwere bauliche Schäden erlitten hatte und dessen oberer Teil besonders stark beschädigt worden war.

Über die ersten durchgeführten Maßnahmen und die offizielle Bekanntgabe des Zeitplans für die Bergungsarbeiten an Reaktor 3 berichteten Präfekturmedien und die Betreiberfirma TEPCO.

Grundwassertransfermenge reduziert sich nach Eiswall-Arbeiten

Wie gestern bekannt wurde, sinkt offenbar die Menge an Wasser, die aus Grundwasserbrunnen herausgepumpt und in das Turbinengebäude geleitet werden muss.

AKW Fukushima: Start der Gefrierungsarbeiten auf der Landseite des Eiswalls am 6. Juni 2016 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Start der Gefrierungsarbeiten auf der Landseite des Eiswalls am 6. Juni 2016 (Foto: TEPCO)

In der ersten Dezemberwoche sank die durchschnittliche Tagesmenge auf 73 Tonnen. Das ist die geringste Wochenmenge seit Ende März, als der Küstenabschnitt des Eiswalls in Betrieb genommen worden war.

Grundwasser mit hoher Tritiumkonzentration wird zum Turbinengebäude geleitet und nach der Filterung des sonstigen radioaktiven Materials dort in einem externen Tank eingelagert. Bislang gibt es kein effektives Verfahren zur Tritiumfilterung.

Das gereinigte Wasser wird zusammen mit dem übrigen Wasser aus den Grundwasserbrunnen in den Ozean verklappt. Auch hier zeige sich nach Angaben von TEPCO eine Verbesserung der bisherigen Situation.

Im Vergleich zum Beginn der Pumparbeiten aus dem Grundwasserbrunnen (sub drain) im November vergangenen Jahres, ist seit Oktober 2016 die tägliche Menge von 150 bis 250 Tonnen auf weniger als 100 Tonnen pro Tag gesunken.

Damit scheint eine erfolgreiche Unterdrückung des Grundwasserzuflusses durch die Maßnahmen des so genannten Eiswall-Projekt wahrscheinlich. Das berichten Präfekturmedien.

Sperrgebiets-Dekontamination mit Steuergeldern beschlossen

Japans Regierung beschloss am heutigen Dienstag, Staatsgelder für die Dekontamination für Sperrgebiete zu mobilisieren. Das betrifft Gebiete, deren Betreten aufgrund der hohen Strahlungswerte untersagt ist.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Regierung schultert Dekontaminationskosten für Sperrgebiete (Symbolfoto: pd)

Der aktuelle Entschluss stellt eine deutliche Abweichung vom bisherigen Kurs der Regierung dar, der eigentlich eine alleinige Kostenübernahme durch den Kraftwerksbetreiber TEPCO vorsah.

Demnach will man von Regierungsseite nun doch einen Teil der Dekontaminationskosten für diese Gebiete übernehmen. Im Finanzplan für das Fiskaljahr 2017 soll zu diesen Zweck ein Budget von 30 Milliarden Yen reserviert werden.

Die Entscheidung ist Teil der Überarbeitung von Plänen zum Wiederaufbau der Präfektur Fukushima, die während einer heutigen Kabinettssitzung beschlossen wurde.

Basierend auf der aktuellen Fassung der Richtlinien soll dem Parlament bei einer weiteren Sitzung im kommenden Jahr eine Änderung der Sondergesetzes zum Wiederaufbau vorgelegt werden. Das berichteten Kyodo und jiji.

Verbesserungen bei Gesundheitskontrollen geplant

Die Präfekturverwaltung und die Medizinische Universität Fukushima wollen im Rahmen einer Zusammenarbeit die Untersuchungsquote und Beantwortungsrate bei Befragungen verbessern und dafür auch das Internet nutzen.

Die Gesundheitsuntersuchung der Präfektur umfasst die Schilddrüstentests, allgemeine Gesundheitskontrollen,  Fragen zu Lebensstil und geistiger Verfassung, sowie die Betreuung von Schwangeren.

Die Zahl der Untersuchungen und der Antworten auf Gesundheitsumfragen geht jedes Jahr zurück – vor allem aufgrund von Umzügen aus der Präfektur.

Im Fiskaljahr 2011 lag die Rate allgemeiner Gesundheitskontrollen bei Personen bis 15 Jahre noch bei 64,5 Prozent, ging jedoch ersten Schätzungen für das Fiskaljahr 2015 zufolge auf 30,1 Prozent zurück.

Einen vergleichbaren Trend stellte man bei Schilddrüsen-Screenings fest. Hier sank die Untersuchungsquote von 87,5 Prozent im gleichen Zeitraum auf 67,7 Prozent.

Im Fall von Einwohnern, die Zwischenzeitlich die Präfektur verließen, wird jetzt eine Kooperation mit dem dortigen Gesundheitswesen angestrebt, um die Daten und Testergebnisse auch dort weiter erfassen zu können.

Außerdem sollen die präfekturalen Gesundheitskontrollen auch Teil von ärztlichen Routinekontrollen, etwa bei betriebsärztlichen Prüfungen am Arbeitsplatz werden, um so als unnötig empfundene Arztbesuche zu reduzieren.

Die Mediziner betonen, die körperlichen und geistigen Belastungen einer langen Evakuierungsphase machten es erforderlich, dass man mehr Möglichkeiten nutze, um nicht nur die Früherkennung, sondern auch die Prävention fördern zu können.

Das berichteten Präfekturmedien.

Mindestens neun Fälle von Fukushima-Herkunftsmobbing in Kanagawa

Wie eine Auswertung von Aussagen in 61 Familien ergab, wurden mindestens neun Kinder, die im Zuge der AKW-Katastrophe aus der Präfektur Fukushima mit ihren Eltern in die Präfektur Kanagawa evakuierten, dort Opfer von Mobbing in der Schule.

In mindestens zwei Fällen war die Belastung so stark, dass die Kinder nicht mehr zur Schule gehen konnten. Das gaben die Rechtsanwälte einer Klägergruppe am gestrigen Montag bekannt. Über die Ergebnisse der Befragung berichtete die jiji.

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