Start Aktuelles Fukushima aktuell: Vorbereitungen zur Schutzmanteldemontage an Reaktor 1 angelaufen

Fukushima aktuell: Vorbereitungen zur Schutzmanteldemontage an Reaktor 1 angelaufen

3026
0
TEILEN
Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Bohrung und Sprüharbeiten am 22. Oktober 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Bohrung und Sprüharbeiten am 22. Oktober 2014 (Foto: TEPCO)

Eine zuvor angekündigte Maßnahme rückte das  AKW Fukushima heute wieder einmal in den Mitttelpunkt internationaler Aufmerksamkeit, ist doch der Zustand der Anlage in Japan sonst kaum mit Medieninteresse gesegnet. Die aktuellen Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Oktober 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Entfernung von Schutzmantel an Reaktor 1 begonnen
  • Ölleck an Anhänger aufgetreten
  • Algenbefall an Grundwasserpumpe
  • Weiterer Werteanstieg an Messposten

Entfernung von Schutzmantel an Reaktor 1 begonnen: Bereits in der vergangenen Woche berichteten wir zweimal über die Pläne zur Schutzmanteldemontage an Reaktor 1 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi.

Heute gab der Kraftwerksbetreiber TEPCO den Beginn der Arbeiten bekannt. Dabei wurde durch Einsatz eines Krans mit einem daran befindlichen Bohrer insgesamt acht Löcher in ein 40 x 7 Meter großes Paneel gebohrt.

Anschließend wurde damit begonnen, 4.000 Liter Kunstharz in das Innere des Gebäudes zu sprühen. Dies soll als Bindemittel dienen und das Aufwirbeln von radioaktiv belastetem Staub so weit wie möglich verringern.

Insgesamt sollen 48 Öffnungen geschaffen und das Bindemittel etwa über den Zeitraum einer Woche versprüht werden.

Öffnungen im Schutzmantel sollen auch genutzt werden, um durch eingeführte Kameras das Ausmaß der Trümmer besser erfassen zu können. TEPCO hatte dieses Vorgehen zuvor in Animationen demonstriert.

Bereits jetzt veröffentliche TEPCO erste Bilder und begleitete die heutigen Meldungen mit einigen fotografischen Aufnahmen, die den Einsatz der Kamera und die Bohrarbeiten an der Außenseite dokumentieren sollen.

Auch ein erstes Bild der Ausbringung des Bindemittels innerhalb des Schutzmantels wurde bereits veröffentlicht und zeigt, wie die Substanz durch ein Rohr sprühnebelartig in das Innere des Schutzmantels gelangt.

Im weiteren Verlauf der Arbeiten würden Ausmaß, Verbreitung und Belastungsgrad von aufgewirbeltem Staub kontinuierlich überwacht und die Daten auf der Webseite des Unternehmens veröffentlicht, versicherte TEPCO.

Im Juli 2014 waren Reisfelder durch den Schutzmantelabriss an Reaktor 3 kontaminiert worden, als sich das radioaktive Material ausbreitete. Aus diesem Grund hatte TEPCO die ursprünglich ebenfalls für Juli geplanten Arbeiten an Reaktor 1 verschoben.

Daher betont TEPCO wiederholt, man werde besonders auf die Sicherheit achten.

Sollten sich keine Probleme ergeben, soll Ende des Monats ein erster Teil des Daches entfernt werden um festzustellen, wie viel Staub sich von dort löst und wie wirksam das Bindemittel im Inneren ist.

Der Schutzmantel war im Oktober 2011 errichtet worden, um Umwelteinflüsse von den Gebäudestrukturen fernzuhalten und den Austritt von radioaktivem Material aus dem beschädigten Gebäude zu verringern.

Geht es nach dem Willen des Betreibers, könnte diese Schutzhülle um das Reaktorgebäude bis März 2016 abgetragen sein. Ab September 2016 könnte dann die Trümmerräumung anlaufen, bevor 2017 oder 2018 die Bergung der verbliebenen Brennelemente aus dem Abklingbecken beginnen soll.

Neben TEPCO berichteten praktisch alle japanischen Medien über das Ereignis.

Ölleck an Anhänger aufgetreten: Am gestrigen Dienstag entdeckten Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 14:38 Uhr, dass Öl von dem Transportanhänger von Adsorptionstürmen im Bereich G austrat.

Eine Untersuchung ergab, dass das Öl auf einer Strecke von 20 Kilometern ausgetreten war. Eine Motorabschaltung führte auch zu einem Stopp des Lecks. Die Feuerwehr Tomioka wurde über den Zwischenfall informiert und das ausgetretene Öl entsorgt.

Algenbefall an Grundwasserpumpe: Nachdem in der vergangenen Woche bei Arbeiten an Grundwasserbrunnen 11 große Mengen an Algen mit heraufgepumpt worden waren, setzte das Unternehmen den Betrieb der Pumpe zeitweise aus. Die Anlage soll nun auseinandergebaut und gereinigt werden.

TEPCO geht von etwa zwei Wochen benötigter Arbeitszeit aus. Einfluss auf die Umleitung und das Heraufpumpen von Grundwasser aus den Bergen hat die Maßnahme jedoch offenbar nicht.

Potentieller Algenbefall war bereits zuvor ein Thema am AKW Fukushima Daiichi. So wurde etwa 2012 ein Algenbefall als mögliche Ursache einer Verschlechterung der Sichtverhältnisse im Abklingbecken von Reaktor 4 diskutiert.

Weiterer Werteanstieg an Messposten: Wie TEPCO mitteilte, wurde an einem Messposten auf der Meeresseite der Anlage eine Cäsiumbelastung von 267.0000 Becquerel nachgewiesen. Die Probe stammt vom 17. Oktober.

Dies stellt einen erneuten Rekordwert an diesem Messposten dar. Zuvor war am 15. eine Belastung von 264.000 Becquerel pro Liter entdeckt worden. Damit hält  der Aufwärtstrend weiter an. Das berichten Präfekturmedien.

Neben den Regenfällen durch den jüngsten Taifun, die TEPCO als Hauptgrund für die Entwicklung nennt, kann aber auch ein Einfluss durch die unterirdischen Kabeltunnel nicht ausgeschlossen werden.

Mangelnde Dekontamination von Straßen: In der Vergangenheit hatte es mehrfach Probleme mit Subunternehmen gegeben, die mit der Dekontamination von Gebäuden und Straßen in der Präfektur Fukushima betraut waren. So gab es in Lokalmedien Berichte über Bezahlung nicht geleisteter Arbeiten und zweifelhafte Durchführung.

Am gestrigen Dienstag wurde bekannt, dass in der Stadt Date (Präf. Fukushima) die Straßengräben mehrerer Kilometer verlaufender Straßenabschnitte von Partnerunternehmen nicht ausreichend dekontaminiert wurden.

Die Behörden waren durch Informationen von Einwohnern auf das Problem aufmerksam gemacht worden und die Stadt richtete als Reaktion hierauf eine Untersuchungskommission ein, die Befragungen vornahm.

Dabei wurde deutlich, dass in einigen Fällen eine fehlende Dekontamination ganz oder teilweise vorlag und in anderen Fällen entsprechende Nachlässigkeiten zumindest wahrscheinlich sind. Hierüber berichteten Kyodo und Lokalmedien.

Die geflohenen Einwohner mehrerer Ortschaften misstrauen der einmaligen Dekontamination ihrer einstigen Wohnorte und fordern Mehrfachdekontaminationen. Diese werden jedoch nur fallweise durchgeführt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here