Fukushima aktuell: Weitere Aussagen zur AKW-Katastrophe veröffentlicht

Fukushima aktuell: Weitere Aussagen zur AKW-Katastrophe veröffentlicht

3222
0
TEILEN
Artikelbild - Papier, Dokumente, Ordner (Symbolfoto: pd)
Antrag auf Freigabe von Fukushima-Dokumenten abgelehnt (Symbolfoto: pd)

Die TV Asahi-Musik Show „Music Station Super Live„, unterhält in diesen Tagen viele Menschen und daher mögen die mit der Katastrophe von Fukushima heute präsentierten Informationen bei manchem eher untergehen. Wer auch in der Weihnachtszeit weiter Fukushima News lesen will, findet sie im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Dezember 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Weitere Fukushima-Papiere veröffentlicht

Weitere Fukushima-Papiere veröffentlicht: Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte die japanische Regierung weitere Protokolle der Befragungen, die nach der Fukushima-Katastrophe vom Untersuchungsausschuss durchgeführt worden waren.

Zwischen 2011 und 2012 waren 772 Einzelbefragungen durchgeführt worden. Nachdem die Forderungen nach Freigabe der Inhalte durch Vorabveröffentlichungen in der Presse unterstützt worden waren, entschloss sich die Regierung zur schrittweisen Veröffentlichung.

Der damalige Kraftwerksleiter Masao Yoshida, der an Schilddrüsenkrebs starb, hatte verfügt, dass die „Yoshida-Papiere“ nicht öffentlich gemacht werden sollten. Die Regierung kippte dies schließlich und erklärte, die Erlaubnis der Befragten vorausgesetzt, werde man die Protokolle veröffentlichen.

Nachdem bereits ein Teil der Dokumente veröffentlicht worden war, bei denen es sich um Aussagen des damaligen Premierministers Naoto Kan und Verantwortliche des Kraftwerksbetreibers TEPCO handelte, wurde nun weiteres Material freigegeben.

Bei dem aktuellen Material handelt es sich um 127 Aussagen, zu denen Mitarbeiter des Ministeriums, Beschäftigte von TEPCO, Vertreter von Gemeindeverwaltungen, Angestellte des Reaktorhersteller Hitachi Ltd. als auch der frühere Gouverneur der Präfektur Yuhei Sato zählen.

Aussage der Fukushima-Gouverneurs

Gouverneur Sato kritisierte im Rahmen der Befragungen, dass die Regierung zunächst nicht über die Kernschmelzen informiert hatte. Hintergründe zur Ausrufung einer nuklearen Notstandssituation seien praktisch nicht bekannt geworden.

Sato sagte aus, die Verantwortlichen in der Präfektur hätten ihre Informationen praktisch ausschließlich aus dem Fernsehen erhalten und basierend auf diesen Informationen ihre Entscheidungen treffen müssen.

Auch hätten die Verantwortlichen in Tokyo nicht unmittelbar nach der Katastrophe die Evakuierung um das AKW Fukushima Daiichi veranlasst.

Stattdessen habe die Präfekturverwaltung am 11. März 2011, auf eigene Faust entscheiden müssen und die Beölkerung innerhalb eines Zwei-Kilometer-Radius um 20:50 Uhr angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. Eine offizielle Aufforderung der Regierung in Tokyo folgte erst deutlich später.

Der Ex-Gouverneur räumte ein, die am folgenden Tag per E-Mail zugesanften Daten zur vermutlichen Ausbreitung radioaktiven Materials, sei im allgemeinen Chaos untergegangen und Ortsverwaltungen ließen unbeabsichtigt Personen durch kontaminierte Gebiete evakuieren.

Er selbst erinnere sich an einen Einwohner, der neunmal versuchte, sich in Sicherheit zu bringen. Dies sei die Realität der Evakuierungen gewesen.

Beschäftigter der TEPCO-Zentrale

Ein Angestellter des Betreibers TEPCO, der im April 2011 mit der Einschätzung der Bedingungen innerhalb der Reaktoren beschäftigt war, berichtete von den damaligen Einschätzungen.

So sei er zu der Ansicht gelangt, die obere Hälfte der Brennelemente in Reaktor 1 müsse geschmolzen sein, da die Brennelemente nur zu Hälfte von Wasser bedeckt waren, und in den unteren Bereich des Reaktorbehälters gefallen. TEPCO sprach zu diesem Zeitpunkt nicht von Kernschmelzen.

Tatsächlich erinnerte sich der Angestellte daran, dass sein Arbeitgeber bei offiziellen Bekanntgaben, den Begriff der „Kernschmelze“ wann immer möglich umging – anscheinend fürchtete die Unternehmensleitung Missverständnisse, da es keine genaue Definition für diesen Zustand gegeben habe.TEPCO räumte erst im Mai 2011 die Möglichkeit von Kernschmelzen in den Reaktoren ein.

Aussage eines Gruppenleiters am AKW

Ein Gruppenleiter, der am AKW Fukushima Daiichi beschäftigt war, erinnert sich daran, wie sich die Stahltür zwischen zwei Gebäuden im Zuge der Katastrophe verbog und durch die Zugangserschwernis die Wiederherstellung der Stromversorgung behinderte.

Seiner Aussage zufolge wurden Angestellte aufgefordert, sich auf das Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daini zurückzuziehen. Nach der Rückkehraufforderung seien zwar Teamführer und andere erfahrene Angestellte zurückgekehrt, seinem Eindruck nach hatte sich die Zahl der Arbeiter jedoch danach halbiert.

Kommunikationsprobleme

Ein Mitglied des TEPCO-Stabs während der Krise erklärte, ihm sei nicht bekannt gewesen, dass es einen Ausfall des Kühlsystems aufgrund eines Stromausfalls gegeben habe. Vor Ankunft des Tsunami sei er lediglich vom Schichtleiter für Reaktor 1 darüber informiert worden, dass das Team versuche, den Innendruck des Reaktors durch das Kühlsystem anzupassen.

Er sei dann zwar darüber informiert worden, dass Arbeiter durch Öffnen eines Ventils versucht hatten, das Kühlsystem manuell zu starten – über den Umstand, dass die Arbeiter es nicht geschafft und das Ventil wieder geschlossen hatten, habe es dagegen keine Hinweise oder Aufzeichnungen gegeben.
Laut Angaben der NHK gehen einige Experten davon aus, dass die Verzögerungen bei der Problemlösung an Reaktor 1 die Gesamtsituation an der Anlage damals verschlechtert habe.

Verlauf

Nach den 19 Veröffentlichungen im September 2014, zu denen Aussagen von Ex-Premier Naoto Kan und dem damaligen Kraftwerksleiter Masao Yoshida, war im November eine Veröffentlichung weiterer Yoshida-Papiere mit den Befragungsprotokollen von 56 Personen gefolgt.Unter Berücksichtigung der jüngsten 127 Personenbefragungen steigt die Zahl auf 202 Befragte.

Ursprünglich sollten bis Ende des Jahres alle für die Veröffentlichung erforderlichen Schritte abgeschlossen sein. Da jedoch einige Personen, darunter Verantwortliche von TEPCO, kein Einverständnis für die Veröffentlichung ihrer Aussagen gaben, sollen die Veröffentlichungsarbeiten im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Über die Veröffentlichung berichteten Kyodo, Asahi Shimbun und NHK.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT