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Fukushima aktuell: Weitere Kinder an Schilddrüsenkrebs erkrankt

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Artikelbild der Schilddrüse (Foto: pd)
Fukushima-Krise: Mögliche Zusammenhänge mit Schilddrüsenkrebs vermutet (Symbolfoto: pd)

Mit weiteren Fällen von Schilddrüsenkrebs bei Kindern, Verzögerungen beim Lagertankbau und der Abschaltung der letzten aktiven ALPS-Einheit, setzt sich am AKW Fukushima heute die bereits am Wochenende begonnene Liste an negativen Schlagzeilen fort. Details und weitere Informationen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. Mai 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • 50 Fukushima-Kinder als Schilddrüsenkrebsfälle bestätigt
  • Letzte aktive ALPS-Filtereinheit C abgeschaltet
  • Verzögerung beim Lagertankbau am AKW Fukushima
  • Bessere Überwachung der Arbeiten am AKW Fukushima
  • 90 Prozent der Arbeiter flohen bei Ausbruch der Fukushima-Krise

50 Fukushima-Kinder als Schilddrüsenkrebsfälle bestätigt: In einem aktuellen Bericht bestätigt die Präfekturverwaltung eine Gesamtzahl von 50 Kindern, die an Schilddrüsenkrebs litten. Dies ist ein Anstieg um 17 Krebsfälle als im letzten Bericht, der Ende 2013 veröffentlicht worden war. Außerdem bestehen derzeit 39 Verdachtsfälle.

Nach Auswertung der bislang verfügbaren Daten, erklärt der Expertenausschuss, ein Zusammenhang zwischen der Atomkatastrophe vom März 2011 und den aktuellen Krebsfällen sei nur schwer vorstellbar. Das Programm zur Gesundheitskontrolle der Präfektureinwohner umfasst etwa 370.000 Personen, von denen etwa 80 Prozent bereits untersucht wurden.

Die Strahlungskontrolle der Kinder in Fukushima umfasst Personen, die zum Zeitpunkt der Katastrophe das 18. Lebensjahr erreicht hatten. Über die aktuellen Ergebnisse berichtete die jiji.

Letzte aktive ALPS-Filtereinheit C abgeschaltet: Gestern berichteten wir über die Abschaltung von ALPS-Einheit A aufgrund von Eintrübungen durch Calcium. Nachdem es an der Multinuklid-Filteranlage vor allem an den Einheiten A und B immer wieder zu Problemen gekommen war, musste am heutigen Morgen auch die letzte bislang laufende Einheit C abgestellt werden.

AKW Fukushima: Steuerung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Letzte ALPS-Einheit C abgeschaltet (Symbolfoto: TEPCO)

Damit ist die ALPS-Anlage vorerst gänzlich außer Betrieb. Auch im aktuellen Fall ist die fehlende Filterung von Calcium aus dem eingespeisten radioaktiv belasteten Wasser der Grund für den Stopp der Einheit.

Der hohe Calciumgehalt führt zu einer verschlechterten Filterung von radioaktiven Substanzen durch das Multinuklid-Filtersystem.

Über den Halt aller ALPS-Einheiten berichteten neben dem Kraftwerkbetreiber auch die jiji und NHK.

Verzögerung beim Lagertankbau am AKW Fukushima: Wie Kraftwerksbetreiber gestern mitteilte, werden sich die Arbeiten zum Bau weiterer Lagertanks für radioaktives Wasser am AKW Fukushima Daiichi um etwa einen Monat verzögern. Grund hierfür sind Fehlkalkulationen während der Ausarbeitung des Plans.

Die Aufstocken der bislang 500.000 Tonnen Lagerkapazität auf wie geplant 800.000, wird unter anderem durch den Mangel an schwerem Gerät erschwert, da man diese nicht einkalkuliert hatte.  Über die anstehende Verzögerung berichtete die Kyodo.

Bessere Überwachung der Arbeiten am AKW Fukushima: In einer Erklärung gegenüber der Regierung versicherte TEPCO gestern, künftig die Arbeiten auf dem Gelände besser zu überwachen. Für jeder der 14 Blocks in die der Bereich der Reaktoren, sowie die Lagertankbereiche aufgeteilt wurde, sei nun ein Verwalter verantwortlich, der besondere Aufsichtspflicht habe.

Die Entscheidung war getroffen worden, nachdem mehrfach gravierende Probleme durch menschliches Versagen aufgetreten waren. Neben Wasserlecks durch falsch bediente Ventile, gehörte auch der Pumpenfehler, der zur Einspeisung radioaktiver Abwässer in falsche Gebäude geführt hatte, zu den Zwischenfällen. Hierüber berichtete etwa die NHK.

90 Prozent der Arbeiter flohen bei Ausbruch der Fukushima-Krise: Berichte über den Einsatz der Fukushima 50, die als einsame Helden versuchten, die Kernschmelzen zu verhindern, gingen um die Welt. Tatsächlich waren etwa 90 Prozent der Personen, die sich damals im AKW befanden, geflohen – vom einfachen Arbeiter bis zu verantwortlichen Gruppenleitern.

AKW Fukushima: Kontrollraum für Reaktor 2 am 26. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontrollraum für Reaktor 2 am 26. März 2011 (Foto: TEPCO) (Foto: TEPCO)

Dies geht aus einem mehr als 400 Seiten umfassenden Bericht der insgesamt 13 Befragungen des damaligen Kraftwerksleiters Masao Yoshida durch den Fukushima-Untersuchungsausschuss hervor.

Demnach waren, trotz anderslautender Anordnungen von Yoshida, etwa 650 der schätzungsweise 720 Kraftwerksarbeiter von der Anlage geflohen.

Dem Bericht zufolge befand sich Yoshida nach dem Tohoku-Erdbeben im Notfallkontrollzentrum im zweiten Stock eines erdbebensicheren Gebäudes, als er gegen 6:15 Uhr Berichte über ein Explosionsgeräusch aus der Richtung von Reaktor 2, als auch den vollständigen Druckabfall in der dortigen Kondensationskammer.

Nachdem in dem Kontrollzentrum jedoch kein Strahlungsanstieg festgestellt wurde, schloss Yoshida mögliche Schäden an der Kondensationskammer aus, befahl aber gegen 6:42 Uhr den Arbeitern, sich vorübergehend in Gebiete mit vergleichsweise niedriger Strahlung zurückzuziehen und dort abzuwarten, ob sie wieder an ihre Posten zurückkehren könnten.

Stattdessen forderten Arbeiter gegen 7:00 Uhr, den Fahrern bereitstehender Busse, sie zum Kernkraftwerk Fukushima Daini, etwa zehn Kilometer entfernt, zu transportieren – eine Maßnahme die Yoshida nach eigener Aussage nicht angeordnet hatte. Unter den Flüchtenden  befanden sich auch Gruppenleiter die dazu verpflichtet sind, bei Katastrophen vor Ort zu bleiben.

Yoshida sah die Flucht der einfachen Kraftwerksarbeiter offenbar als verständlich an. Die Flucht der Gruppenleiter habe ihn jedoch erstaunt. Bis seine Aufforderung von den evakuierten Arbeitern befolgt und sie am Mittag des 15. März 2011 vom AKW Fukushima Daini zurückkehrten,  befanden sich nur noch 69 Arbeiter im AKW Fukushima Daiichi.

Weder aus den internen Dokumenten, noch aus Videokonferenzen ohne Tonspur geht hervor, wie die Befehle von Yoshida genau lauteten. TEPCO erklärt bis heute, die Evakuierung sei kein Verstoß gewesen – auch für die Gruppenleiter nicht – wenn kein Bereich mit niedriger Strahlung auf dem Gelände auffindbar gewesen sei. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Kraftwerksleiter Masao Yoshida starb im Juli 2013 an Speiseröhrenkrebs. Er war offiziell gerügt worden, nachdem er während der, auf dem Höhepunkt der Krise, trotz anderslautender Aufforderung der Regierung, die Einspeisung von Wasser in die Reaktoren auf eigene Faust fortgesetzt hatte – eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellte.

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