Fukushima aktuell: Weiterer Sicherheitsverstoß am AKW aufgedeckt

Fukushima aktuell: Weiterer Sicherheitsverstoß am AKW aufgedeckt

Mangelndes Sicherheitsbewusstsein von AKW-Betreiber TEPCO kritisiert

1571
0
TEILEN
Artikelbild: Offizielles Foto des AKW Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Das AKW Fukushima Daiichi: (Foto: TEPCO)

Mangelndes Sicherheitsbewusstsein – so lautet der Vorwurf, mit dem sich der Betreiber des AKW Fukushima heute erneut konfrontiert sieht. Erst im vergangenen Monat war das zweite Kernkraftwerk des Unternehmens vom selben Vorwurf betroffen.

Über die Hintergründer dieser Fukushima News und weitere Meldungen gibt es Einzelheiten im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. Oktober 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Weiterer Sicherheitsverstoß an Fukushima-AKW
  • Vernichtende Halbjahresbilanz des Eiswalls
  • Regierung plant längere Beteiligung an TEPCO-Management
Weiterer Sicherheitsverstoß an Fukushima-AKW

Wie am Wochenende bekannt wurde, konnten dem Betreiber der Kernkraftwerke Fukushima Daiichi (Fukushima Nr. 1) und Fukushima Daini (Fukushima Nr. 2) weitere Sicherheitsversäumnisse nachgewiesen werden.

Zuletzt hatte die Abschaltung des Alarms einer Zugangskontrolle am AKW Fukushima Daini für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen hatte erklärt, ständige Fehlalarme des Sensors hätten die Arbeiten behindert, so dass man ihn abgestellt habe.

Bei dem neuen Fall, der am 13. September entdeckt wurde, handelt es sich um die Ausweitung der Kapazität von Tankbehältern für Stickstoff, ohne eine entsprechende Genehmigung beantragt zu haben.

Stickstoff wird in die Reaktoren eingespeist, um durch Verdrängung die Konzentration von verpuffungsgefährdetem Wasserstoff im Inneren zu verhindern.

Offenbar war den Verantwortlichen vor Ort nicht bekannt, dass bei der Aufrüstung der Tanks von 300 auf 700 Liter eine Richtlinie verletzt wird, derzufolge jede Vergrößerung auf ein Volumen über 500 Liter meldungspflichtig ist.

Es handelt sich nur um den Jüngsten in einer ganzen Reihe von Verstößen gegen Sicherheitsrichtlinien, die sich in den vergangenen Monaten gezeigt hatten.

Ende Juni war die vermischte Verlegung unterschiedlicher Kabel unter dem Boden des Hauptkontrollraums am AKW Fukushima Daini entdeckt worden, was eine Verletzung der Brandschutzbestimmungen darstellt.

Auch das jahrzehntelange Versäumnis von Wartungsarbeiten an Überlandmasten und das gänzliche Fehlen eines Wartungsplans für diese Strukturen gehört zu diesen Versäumnissen durch das Betreiberunternehmen. Über den neuen Verstoß berichteten Präfekturmedien.

Vernichtende Halbjahresbilanz des Eiswalls

Sechs Monate nach dem Start des Eiswalls hat sich das unterirdisch verlegte Kühlsystem immer noch nicht als effektive Grundwasserbarriere erwiesen, so dass der gewünschte Effekt bislang nicht erzielt werden konnte.

Ursprünglich hätte der Austausch von Grundwasser mit kontaminiertem Reaktorwasser bereits anderthalb Monate nach schrittweiser Inbetriebnahme des Eiswalls zurückgehen müssen – doch das Unternehmen hatte sich offenbar verschätzt.

Die anfallende Menge an Grundwasser war durch Regenfälle größer als gedacht, die Fließgeschwindigkeit des Grundwassers behindert den Gefrierungsprozess und stellenweise stieg die Bodentemperatur über den Gefrierpunkt.

Während die Küstenseite nun angeblich vollständig gefroren sein soll, ist jener Teil auf der Landseite, der bislang für die Arbeiten freigegeben wurde, nur zu 95 Prozent gefroren, so dass dort weiterhin Wasser hindurch gelangt.

Der Bitte von TEPCO, den gesamten Eiswall in Betrieb nehmen zu dürfen, um auf diese Weise eine Art kumulativen Effekt zu erzielen, entsprach die Atomaufsicht nicht, da sie bislang keine ausreichende Wirkung sieht.

Denn auch wenn Betoneinspritzungen die Fließgeschwindigkeit reduzieren sollen, gibt es bislang immer noch keinen  Wirkungsnachweis für den Eiswall. Kritiker sehen das Projekt bereits jetzt als gescheitert an.

Unterdessen räumte TEPCO nun Verzögerungen bei der Einführung verschweißter Stahltanks ein. Das Ziel, alle unsicheren Bolzentanks zu ersetzen, könne nicht fristgerecht erreicht werden.

Um das anfallende kontaminierte Wasser dennoch zu bewältigen, wurde nicht nur eine Genehmigung zur Weiterverwendung von Bolzentanks gegeben, sondern das Unternehmen greift auch auf noch riskantere Methoden zurück.

So pumpt TEPCO zunehmend radioaktive Abwässer wieder in die Reaktorgebäude und Turbinengebäude zurück – eine Notlösung, die mit erheblichen Risiken verbunden ist. Über die mangelnden positiven Entwicklungen berichtete die jiji.

Gegenwärtig fallen täglich etwa 400 Tonnen an kontaminiertem Wasser an. Unbelastetes Grundwasser, das aus den Bergen herabströmt, wird über die Grundwasserbrunnen hochgepumpt, bevor die Anlage erreicht ist, und anschließend verklappt.

Der September brachte durch die schweren Regenfälle täglich sogar zwischen 600 und 1.200 Tonnen an Wasser, die je nach Kontamination, verklappt, oder eingelagert werden müssen.

Regierung plant längere Beteiligung an TEPCO-Management

Die japanische Regierung plant offenbar länger als bislang geplant, in den geschäftlichen Aktivitäten des Elektrizitätsanbieters TEPCO mitzuwirken. Ursprünglich war vorgesehen, sich ab kommendem April aus den Tätigkeiten des Unternehmens zurückzuziehen.

Grund für die längere Mitwirkung sind sowohl die unerwartet hohen Stilllegungskosten für das AKW Fukushima Daiichi, der anhaltende Bedarf nach Entschädigungszahlungen und die unklare Zukunft des AKW Kashiwazaki-Kariwa.

Durch ein Unternehmen, über das die Entschädigungszahlungen und Stilllegungsmaßnahmen laufen, hält die Regierung 50,1 Prozent der Stimmrechte innerhalb des Elektrizitätsanbieters.

Am morgigen Mittwoch soll in einer Sitzung die Bewilligung zusätzlicher Gelder für die Unterstützung des teilverstaatlichten Unternehmens diskutiert werden.

Ein neuer Geschäftsplan mit einem überarbeiteten Rückzugsplan der staatlichen Kontrolle wird im kommenden Januar zusammengestellt. Das berichtete die Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT