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Fukushima aktuell: Weiterer Trümmerfund im Abklingbecken

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 3: Trümmeraufnahmen vom 30. August 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Trümmeraufnahmen vom 30. August 2014 (Foto: TEPCO)

Nach dem Missgeschick bei der Trümmerbergung am vergangenen Freitag, wurde nun ein weiterer Trümmerfund gemeldet. Beide sind am AKW Fukushima heute immer noch von Belang, da ein möglicher Einfluss auf die Brennelemente zunächst unbekannt bleibt. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. September 2014.

  • Trümmerfund in Abklingbecken weitet sich aus
  • Yoshida fürchtete Kontamination Nordjapans
  • Zwischenlagerungspläne genehmigt und gelobt
  • TEPCO muss Zeitplan für Wasserbewältigung aufgeben
  • Fukushima-Arbeiter klagen auf Entschädigung für gefährliche Arbeit

Trümmerfund in Abklingbecken weitet sich aus: Der am vergangenen Freitag von Kraftwerksbetreiber TEPCO gemeldete Sturz eines Trümmerteils in das Abklingbecken von Reaktor 3 weitet sich aus.

Fukushima-Reaktor 3: Unterwasseraufnahme von Trümmern am 30. August 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Unterwasseraufnahme von Trümmern am 30. August 2014 (Foto: TEPCO)

Wie das Unternehmen am Wochenende mitteilte, ist neben dem 400 Kilogramm schweren Bauteil der einstigen Lademaschine für Brennelemente, auch ein weiterer Gegenstand mit einem Gewicht von 170 Kilogramm in das Becken gestürzt. Letzteres ist vermutlich ein Gerüstteil des zuvor gestürzten Objekts und soll etwa dem Gewicht eines Brennelements entsprechen.

Der Zustand von insgesamt zehn Brennelementen, sowie der dortigen Brennelementehalterungen im betroffenen Bereich sei ungeklärt, da die Trümmer eine genauere Untersuchung mit einer Unterwasserkamera verhinderen. Die Konstruktion ist nach Angaben von darauf ausgelegt, Belastungen bis zu 750 Kilogramm standzuhalten. Zum weiteren Vorgehen gab es zunächst keine Angaben.

Allerdings betonte das Elektrizitätsanbieter, Kontrollen der Messwerte und Analysen des Wassers hätten keine Auffälligkeiten ergeben. Man werde die genaue Analyse der Konzentration von radioaktivem Material im Abklingbecken noch eine Woche lang weiterführen.

Am heutigen Montag veröffentlichte der Kraftwerksbetreiber dann weitere Aufnahmen aus dem Abklingbecken von Reaktor 3. Diesen zeigen die herabgestürzten Objekte, sowie das sonstige Material, das den Blick auf die darunter befindlichen Brennelemente behindert.

Yoshida fürchtete Kontamination Ostjapans: Ersten Yoshida-Protokollen zufolge, die bereits am Samstag verfügbar waren, fürchtete der damalige Leiter des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi während der Akutphase der Krise, eine Katastrophe für ganz Ostjapan heraufzubeschwören.

Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Die Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

Die Behauptung der Regierung, Kraftwerksbetreiber TEPCO habe am 15. März 2011 den Abzug aller Arbeiter angestrebt, bestritt Masao Yoshida, sondern erklärte vielmehr verärgert, sowohl das Büro des damaligen Premierministers Naoto Kan, als auch die Führung von TEPCO in Tokyo, hätten die schreckliche Situation, in der sich seine Arbeiter vor Ort befanden, nicht verstanden.

In seiner Aussage zum 14. März 2011 wird deutlich, wie dramatisch er die Situation damals empfand. Nachdem es den Anschein hatte, als würde der Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 versagen, befürchtete Yoshida, nun könnten die geschmolzenen Brennelemente durch den Druckbehälter und Sicherheitsbehälter brechen und riesige Mengen an radioaktivem Material freisetzen.

Doch den Arbeitern vor Ort, die als „Fukushima 50“ auf tragische Weise berühmt wurden, erhielten noch eine Atempause, denn obwohl die Wassereinspeisung in den Reaktor 2 versagte, führte der Abfall des Lufdtdrucks im Sicherheitsbehälter dazu, dass den Feuerwehrwagen möglich wurde, Wasser einzuspeisen.

Die Yoshida-Protokolle waren auf Wunsch des im Juli 2013 verstorbenen Masao Yoshida unter Verschluss gehalten worden. Erst die Vorabveröffentlichung einzelner Inhalte durch japanische Medien, die Bereitschaft anderer Befragter zur Veröffentlichung ihrer eigenen Aussagen und die in der verganenen Woche angestrebte Klage auf Veröffentlichung hatten die Regierung zur Preigabe gezwungen.

Die Inhalte sollen nun schrittweise und unter Einhaltung von Datenschutzregelungen, die Schwärzungen von Passagen erforderlich machen werden, an die Öffentlichkeit gelangen. Das berichtete die Kyodo.

Zwischenlagerungspläne genehmigt und gelobt: Nachdem die formelle Erklärung zur Einwilligung in die Pläne zur Schaffung von Zwischenlagern für den vergangenen Freitag angesetzt war, und die Präfekturverwaltung am Samstag die Entscheidung bestätigte, lobte Premierminister Shinzo Abe die Einigung zwischen der Regierung in Tokyo und den Gemeinden der Präfektur Fukushima.

Gouverneur Yuhei Sato hatte erklärt, es habe sich um eine schwere Entscheidung gehandelt, dennoch werde man den Bau von Zwischenlagern akzeptieren, da dies ein notwendiger Schritt für die Wiederbelebung der Präfektur durch erfolgreiche Dekontaminationsmaßnahmen sei. Man bestehe jedoch auf der Schaffung des Gesetzes, das nach 30 Jahren eine Räumung vorsieht und fordere die sichere Gewährung von Geldern für weitere Aufbauprojekte.

Premier Abe versicherte, ihm sei die Schwierigkeit des Entschlusses bewusst, so dass die Regierung mit den Gemeinden zusammenarbeiten werde und alles machen werde, um den Wiederaufbau voranzutreiben. Hierüber berichteten Kyodo, jiji und NHK.

TEPCO muss Zeitplan für Wasserbewältigung aufgeben: Der Zeitplan zur vollständigen Bewältigung radioaktiver Abwässer an der stark beschädigten Kraftwerksanlage Fukushima Daiichi, ist nicht länger einzuhalten – das erklärte TEPCO am Sonntag. Damit gibt das Unternehmen die Hoffnung auf, noch bis Ende des Fiskaljahrs 2014 die Arbeiten abschließen zu können.

AKW Fukushima: Inspektion und Kontrollgang an den Wassertanks (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Inspektion und Kontrollgang an den Wassertanks (Symbolfoto: TEPCO)

Da bis März 2015 die Menge an kontaminierten Abwässern in den Lagertanks auf 420.000 Tonnen ansteigen wird, jedoch selbst nach einer abgeschlossenen Erweiterung des Multinuklid-Filtersystems im Zeitraum von September bis März 2015 nur etwa 380.000 Tonnen gefiltert werden könnten, muss ab Dezember ein anderes System die verbliebenen 40.000 Tonnen filtern.

Aufgrund geringer Filterleistung für Strontium, wird für das Fiskaljahr 2014 ein zweiter Filterdurchgang durch das ALPS anvisiert. Wie TEPCO erklärt, wird damit zwar das quantitative Pensum innerhalb des Fiskaljahrs erreicht, jedoch nicht die entsprechende Filterleistung. Das berichtete die jiji unter Berufung auf informierte Quellen. Mit Stand vom vergangenen Dienstag lagern jetzt 367.000 Tonnen filterbedürftiges Wasser auf der Anlage.

Fukushima-Arbeiter fordern Entschädigung für gefährliche Arbeit: Vier Angestellte eines Subunternehmens wollen den Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gerichtlich Entschädigungszahlungen und zur Zahlung gerechterer Löhne zwingen.

Wie jetzt erst gemeldet wird, legten die Arbeiter bereits am vergangenen Mittwoch eine Klage vor einem Gericht in Fukushima ein. Ihre Beschäftigung an den Lagertanks sei sehr gefährlich und die derzeitige Bezahlung sei in Anbetracht der täglichen Gesundheitsgefährdung nicht akzeptabel.

So berichtet etwa ein Arbeiter, er sei besorgt um seine Gesundheit, da seine monatliche Strahlungsbelastung manchmal über 4 Millisievert liege, habe sich jedoch nie getraut seine Besorgnis zu äußern, aus Angst seine Anstellung zu verlieren. Er hoffe daher, dass die Klage auch eine Ermutigung für andere Beschäftigte darstellt, die ihre Meinung äußern sollten.

Selbst nach der Ankündigung einer Lohnerhöhung im vergangenen November, sei die Bezahlung gleich geblieben. Nun fordern die Kläger hierfür eine Entschädigungszahlung. Es ist das erste Mal, dass TEPCO wegen des Umgangs mit den der Kraftwerksarbeitern verklagt wird. Täglich sind bis zu 6.000 Personen an der Anlage im Einsatz. Das berichtete die NHK.

2 KOMMENTARE

  1. der Supergau wird von Tepco seit Anfang an auf den Sankt nimmerleinstag verschoben obwohl er da ist, gell?

  2. Hallo Spreadnews-Team

    Nachdem ich gelesen habe, wie erst heute die ganze Presse über die Entschädigung berichtet, muss ich euch echt loben.

    Ihr berichtet schneller, als die Polizei erlaubt. Gute Arbeit.

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