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Fukushima aktuell: Wichtiger Leckfund in Reaktor 1

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Identifiziertes Leck am 27. Mai 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Identifiziertes Leck am 27. Mai 2014 (Foto: TEPCO)

Wenn ein Leckfund am AKW Fukushima heute zu positiven Reaktionen bei TEPCO führt, so liegt dies an der Bedeutung dieses Fundes für künftige Arbeiten. Weniger glücklich stimmen Grenzwertüberschreitungen und erneute Gesundheitsprobleme eines Arbeiters. Atomkraftgegner dürften zudem einen Personalwechsel in der NRA kritisch sehen.

Alle Fukushima News wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Mai 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Leck in Reaktor 1 entdeckt
  • Erneut Fukushima-Arbeiter mit Rettungshubschrauber abtransportiert
  • Grenzwertüberschreitung bei Pumpe der Grundwasserumleitung
  • Aktion für Fukushima-Rinder
  • Umweltministerium erläutert Transfer kontaminierten Materials
  • Atomkraftbefürworter in Atomaufsicht berufen

Leck in Reaktor 1 entdeckt: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO noch am gestrigen Abend mitteilte, ist die Stelle, an der Wasser aus dem Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 tritt, offenbar gefunden. Dies ist bereits der zweite derartige Erfolg an Reaktor 1. Im vergangenen November war dort der erste Wasserfluss durch einen Riss entdeckt worden, jedoch nicht der genaue Austrittspunkt.

TEPCO veröffentlichte nun Videoaufnahmen eines Roboters aus dem Gebäude von Reaktor 1. Auf ihnen sind mehrere Strukturen, darunter Leitungen und der Rückflussverhinderer zu sehen.

Bei dem Einsatz wurde an einem braunen Rohr, das in den Sicherheitsbehälter führt, ein dunkler Bereich entdeckt, der sich als Leck erwies.

Fukushima-Reaktor 1: Aufnahme einer Dehnungsfuge des Sicherheitsbehälters am, 27. Mai 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Aufnahme einer Dehnungsfuge des Sicherheitsbehälters am, 27. Mai 2014 (Foto: TEPCO)

Die Leckstelle befindet sich über der torusförmigen Kondensationskammer. Dort war im November 2013 der Austritt von Reaktorwasser entdeckt worden.

Mit dem aktuellen Fund ist die Stelle an der das radioaktiv belastete Wasser aus dem Behälter gelangt, identifiziert.

Die genaue Lokalisierung von Lecks ist von besonderer Bedeutung für die Stilllegung des Reaktors.

Der Langzeitplan von TEPCO sieht vor, die beschädigten Behälter zu reparieren und anschließend mit Wasser zu fluten, um die geschmolzenen Brennelemente zu bergen. Diese sind vermutlich teilweise zu einer formlosen radioaktiven Masse (Corium) zusammengeschmolzen.

Nach Angaben des Unternehmens werde man Möglichkeiten ausarbeiten, das Leck im Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 zu schließen. Das berichtete die NHK.

An Fukushima-Reaktor 3 gab es in diesem Jahr bereits entsprechende Erfolge. So wurde im Januar ein Wasserfluss in Reaktor 3 beobachtet und Mitte Mai die genaue Stelle des Lecks am Sicherheitsbehälter von Reaktor 3 ausgemacht werden. Auch hier arbeite man an Strategien zum Stopp des Wasseraustritts.

Erneut Fukushima-Arbeiter mit Rettungshubschrauber abtransportiert: Am heutigen Mittwoch wurde beim Angestellten eines Partnerunternehmens, der sich  gegen 10:04 Uhr im Eingangsbereich der Umkleideräume befand, ein schlechter Gesundheitszustand festgestellt. Zwar wurde er zunächst in den Notfallraum gebracht.

Japanischer Rettungshubschrauber vom Typ Kawasaki-BK227C-2 (Foto: pd)
Fukushima-Arbeiter mit Rettungshubschrauber abtransportiert (Foto: pd)

Der dortige Arzt ordnete jedoch einen Nottransport an, so dass um 10:29 Uhr der Rettungshelikopter alarmiert wurde.

Der Abtransport in das Universitätskrankenhaus Fukushima erfolgte um 11:22 Uhr, wo der Helikopter um 13:00 Uhr eintraf. Der Patient werde noch untersucht, eine radioaktive Kontamination wurde nicht festgestellt.

Bereits Anfang Mai musste ein Kraftwerksarbeiter mit dem Rettunghubschrauber abtransportiert werden.

Grenzwertüberschreitung bei Pumpe der Grundwasserumleitung: Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte heute die aktuellen Messergebnisse von Grundwasspumpe Nummer 12.

Die Probe vom Montag wies eine Tritiumkonzentration von 1.700 Becquerel pro Liter auf, was über dem von TEPCO selbst verschärften Grenzwert von 1.500 Becquerel liegt. Nach der gestrigen Analyse wurde die  betroffene Pumpe noch am selben Tag abgeschaltet.

AKW Fukushima: Pumpe (li.) einer der Grundwasserbrunnen am 9. April 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Pumpe (li.) einer der Grundwasserbrunnen am 9. April 2014 (Foto: TEPCO)

Insgesamt zwölf Pumpen sind Teil des Systems zur Grundwasserumleitung, durch dessen Einsatz das saubere Grundwasser aus den Bergen umgeleitet und in den Pazifik verklappt werden soll, bevor es durch das radioaktiv belastete Wasser, das aus beschädigten Reaktorgebäuden dringt, hinausgelangen kann.

Die Wasserproben der anderen aktiv genutzten Grundwasserbrunnen wiesen keine ungewöhnlichen Werte auf, so dass der Betrieb der Grundwasserumleitung weiterhin läuft. TEPCO kündigte an, künftig zweimal pro Woche Proben zu entnehmen und versicherte, die Entwicklungen genau zu überwachen.

Bereits im April hatte Grundwasserpumpe 12 die Grenzwerte überschritten. Nach Beratung wurde die betroffene Pumpe der Grundwasserumleitung neu gestartet.

Aktion für Fukushima-Rinder: GIFTHOPE, eine Nonprofit-Organisation in Sendai, unterstützt monatlich eine ausgewählte Organisation durch den Verkauf von T-Shirts im Internet und steigert durch diese Kampagne auch die Bekanntheit der jeweiligen Initiative.

GIFTHOPE: Hilfe für Fukushima-Rinder (Copyright by GIFTHOPE)
GIFTHOPE: Hilfe für Fukushima-Rinder (Copyright by GIFTHOPE,jp)

Im Mai wurde nun die „Kibo no Bokujo Fukushima“ (Farm der Hoffnung Fukushima) ausgewählt. Die Anlage befindet sich in Namie und damit innerhalb des Gebiets, das zur Sperrzone erklärt worden war.

Die Regierung hatte angeordnet alle Rinder im AKW-Sperrgebiet zu keulen. Mit ihrem Rinderprojekt verstoßen die Aktivisten daher gegen eine Regierungsanordnung.

Mit Stand vom April 2014 sind mittlerweile alle Rinder im Sperrgebiet getötet worden – mit Ausnahme der Rinder des Projekts.

Die freiwilligen Betreiber hoffen, durch die Aufzucht von Rindern genauere Erkenntnisse über die Auswirkungen von Radioaktivität auf die Tiere im Sperrgebiet liefern zu können. Vom Verkauf der T-Shirts für das Rinderprojekt gehen 30 Prozent der Einnahmen an die Farmbetreiber und damit in die Futtermittel der etwa 460 Rinder.

Bis Ende Mai können potentielle Unterstützer noch zwischen 51 Designs wählen und das Fukushima-Rinderprojekt auf diese Weise unterstützen.

Im Juni wird von der „GIFTHOPE“ dann ein anderes Projekt vorgestellt und durch die Verkäufe unterstützt werden. Die erst in diesem Jahr gegründete Nonprofit-Organisation unterstützte bereits eine Wiederaufbauinitiative in den Katastrophenregionen vom März 2011, sowie eine Organisation die sich bei der Räumung von Landminen engagiert. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Umweltministerium erläutert Transfer kontaminierten Materials: Bei einer heutigen Veranstaltung erläuterten Vertreter des Umweltministeriums gegenüber Experten, wie der geplante Transport von kontaminiertem Erdreich, Laub und Schlamm, die während der Dekontaminationsarbeiten anfielen, ablaufen soll.

Im Rahmen der Erklärungen wurde die Sicherheit für Anwohner besonders hervorgehoben. So würden Transportwege so gewählt, das stark bewohnte Gebiete und Schulen weiträumig umfahren würden und die Transporter zudem mit GPS-Sendern ausgestattet, um bei einem Zwischenfall sofort die Unfallstelle lokalisieren und das Material sichern zu können.

Die Routenplanung erfolge in Absprache mit den Gemeindeverwaltungen. Ziel sei es, die jährliche Strahlungsbelastung der Einwohner entlang der Transportstrecken unter einem Millisievert zu halten. Dies berichtete die NHK.

Atomkraftbefürworter in Atomaufsicht berufen: Das Ende der Amtszeit von Kunihiko Shimazaki und Kenzo Oshima in der Atomaufsichtsbehörde NRA, dürfte für die Regierung Abe und ihre Pläne zum Neustart von Reaktoren äußerst gelegen  kommen. Für beide endet die Amtszeit im September.

Besonders der Seismologie-Professor Shimazaki hatte sich mit seinen Forderungen zu Neubeurteilungen bei den Energiekonzernen unbeliebt gemacht. Mit ihm verlässt der einzige Seismologe der NRA seinen Posten und macht Platz für Satoru Tanaka, Professor für Kerntechnik, der aufgrund seiner früheren Tätigkeiten bereits als Befürworter der Atomkraft bekannt ist.

Allerdings befürchten die Elektrizitätsanbieter, das Shimazaki in seinen letzten Monaten im Amt, noch einmal deutliche Forderungen zur Verschärfung der Erdbebenkontrollen für AKW fordern und mögliche Neustarts weiter verzögern könnte. Der Professor war in der Vergangenheit von Politik und Wirtschaft offen kritisiert und seine Eignung in Zweifel gezogen worden, da er keine Ahnung von Atomenergie habe.

Im Fall von Tanaka fürchten Atomkraftkritiker dagegen, Neustartgenehmigungen könnten zu einer reinen Formalität werden. An Stelle von Kenzo Oshima übernimmt Akira Ishiwatari, ein Professor für Geologie den zweiten Posten. Seine Verbindung zur Atomenergie sind deutlich geringer, er gilt als fähiger Koordinator mit einem gute Gespür für die jeweilige Aufgabe. Das berichtet die Asahi Shimbun.

4 KOMMENTARE

    • Das bla-bla kommt wohl eher von Ihnen?

      Wahrscheinlich halten sie alles für Atomlobby-Propaganda, was nicht über blutende Fische, Mutationen und Todeswellen berichtet.

      Ich bin jedenfalls froh, dass Spreadnews täglich berichtet. Bitte weiter so!

  1. Von mir auch ein Danke für die Beiträge!

    Und an Herrn Tiroch: Wenn es Sie doch so nervt, was Sie hier lesen, warum tun Sie es dann? Mir wäre neu, dass hier jemand zum mitlesen gezwungen wird…

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