Start Aktuelles Fukushima aktuell: Wieder radioaktives Wasser in Hafenbecken geflossen

Fukushima aktuell: Wieder radioaktives Wasser in Hafenbecken geflossen

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Artikelbild - Zeolithsäcke am 2. März 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Mit Zeolith-Säcken gegen radioaktive Abwässer (Symbolfoto: TEPCO)

Zum Wochenende gibt es vom AKW Fukushima heute erneut Meldung über radioaktives Wasser, im Zusammenhang mit einem Abwassergraben. Ähnliche Zwischenfälle hatten sich in der jüngeren Vergangenheit mindestens in zwei Fällen ereignet. Einzelheiten und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. März 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Erneut radioaktives Wasser durch Abwassergraben gelangt
  • TEPCO ändert Informationspolitik bei Umweltgefährdung
  • Mehrzahl der Katastrophenopfer sehen Interesse schwinden
  • Unidentifizierte Todesopfer der Tohoku-Katastrophen
  • Zahl der Verbrechen in Katastrophenregion gesunken

Erneut radioaktives Wasser durch Abwassergraben gelangt: Kraftwerksbetreiber TEPCO meldet den Fund von weiterem Wasser, mit vergleichsweise hohen Strahlungswerten in einem Seitengraben, im oberen Bereich eines Abwasserkanals. Das kontaminierte Wasser sei vermutlich in das Hafenbecken geflossen.

Der aktuellen Meldung war am 22. Februar ein ähnlicher Fall vorausgegangen. Auch damals sei radioaktives Wasser in den Hafen gelangt.

Am 24. Februar war dann die direkte Kontamination des Meers durch einen Abwasserkanal gemeldet worden. Das dortige Sicherheitsrisiko sei zumindest den Arbeitern auf der Anlage bereits seit April vergangenen Jahres bekannt gewesen.

Im aktuellen Fall, der am gestrigen Donnerstag entdeckt wurde, habe eine Wasserprobe vom 3. März eine Konzentration von 1,900 Becquerel pro Liter an Betastrahlern aufgewiesen.

Das Unternehmen geht davon aus, dass nach Regenfällen in der Nacht das kontaminierte Wasser aus dem Seitengraben in einen Abwasserkanal gelangte und in den Hafenbereich floss.

Der Seitengraben liegt im Norden des Lagertankbereichs H4 und verläuft in der Nähe eines Wassertanks mit stark radioaktivem Wasser. Untersuchungen des Behälters hätten nach Angaben von TEPCO keine Hinweise auf Lecks erbracht.

Auch der Pegel des Tanks weise keine Schwankungen auf. Dennoch prüfe man, ob eine mögliche Verbindung zwischen dem Tank und dem Seitengraben bestehen könnte.

Trotz des Fundes vom 3. März hätten Messgeräte, die im unteren Bereich des Abwasserkanals angebracht waren, noch am selben Tag lediglich Strahlungswerte im dortigen Normalbereich von etwa 100 Becquerel nachgewiesen. Auch die Messungen im Meer, außerhalb des Hafens, hätten keine nennenswertigen Abweichungen ergaben.

Bereits im vergangenen Monat habe es eine Auffälligkeit am eigentlichen Abwasserkanal gegeben, als dort im unteren Bereich die Konzentration kurzzeitig auf das Zehnfach des sonstigen Werts gestiegen war.

Eine offizielle Ursache für den jetzigen Zwischenfall gab der Kraftwerksbetreiber TEPCO bislang nicht bekannt. Man untersuche derzeit die genauen Umstände. Über den Fund berichteten Kyodo, Asahi Shimbun und NHK.

TEPCO ändert Informationspolitik bei Umweltgefährdung: Nachdem Fischereiverbände der Präfektur Fukushima eine schriftliche Beschwerde an den Kraftwerksbetreiber TEPCO gerichtet hatten und Kritik von Behörden und Ministerien laut wurde, hat das Unternehmen nun reagiert.

Der Elektrizitätsanbieter erklärte am heutigen Freitag, man werde die Informationspolitik bei Zwischenfällen, die einen Einfluss auf die Umwelt haben könnten, ändern.

Künftig würden Daten zur Strahlungsbelastung unverzöglich veröffentlicht, wenn sie eine potentielle Gefährdung für die Umgebung der Kraftwerksanlage darstellen könnten. Hierzu gehören etwa Daten über die Grundwasserbelastung, oder die Konzentration radioktiven Materials in der Luft.

Zu diesem Zweck werde man einen Ausschuss gründen, bei dem Dritte die Informationsfreigabe überwachen und die bisherigen Regelungen für Veröffentlichungen überarbeiten sollen.

Bislang wurden ausschließlich Informationen über Bereiche veröffentlicht, in denen bereits zuvor hohe Strahlungswerte gemessen worden waren – etwa den unterirdischen Tunnels und Kanälen mit Zugang zum Meer.

Einen Bericht zur Wasseransammlung auf dem Dach von Reaktorgebäude 2 und der folgenden Meereskontamination durch einen Abwasserkanal, soll noch in diesem Monat vorgelegt werden. Hierüber berichtete die NHK.

Mehrzahl der Katastrophenopfer sehen Interesse schwinden: Aktuelle Umfragen der NHK befassen sich unter anderem auch mit dem Bewusstsein für die Katastrophen vom März 2011.

Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Demnach sehen nach einer Umfrage zwischen Januar und Februar 2015 mit 701 gültigen Antworten, insgesamt 79 Prozent Befragten, das allgemeine Interesse an den Tohoku-Katastrophen gänzlich, oder zumindest teilweise schwinden (Die Prozentzahlen verteilten sich auf 86% Fukushima, 80% Miyagi 70% Iwate).

Ebenfalls befragt wurden die Einwohner der drei Präfekturen, in welchen Bereichen und anhand welcher Dinge sie den Rückgang des allgemeinen Interesses und das zunehmende Vergessen festmachen. Dabei wahren Mehrfachnennungen möglich.

  • An den Wiederaufbaumaßnahmen der Regierung (71 Prozent)
  • Am Medieninteresse (67 Prozent)
  • An Gesprächen mit Personen außerhalb der Region (64 Prozent)
  • Am Ausmaß der Unterstützung durch Freiwillige und Andere (54 Prozent)
  • An Gesprächen mit Freunden oder Bekannten (49 Prozent)
  • An den eigenen Gedanken (34 Prozent)

Diese Einschätzung zeigt, dass die Befürchtung, die Katastrophen könnten verdrängt werden, bei den unmittelbar betroffenen der Katastrophe ausgesprochen hoch ist.

Unidentifizierte Todesopfer der Tohoku-Katastrophen: Die Nationale Polizeibehörde gab heute aktuelle Zahlen zu den Todesopfern der Tohoku-Katastrophe 2011 bekannt.

Demnach stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer der Naturkatastrophen vom März 2011 in 12 Präfekturen auf insgesamt 15.890. Davon werden 15.807 als identifizierte Personen geführt.

Nach Behördenangaben konnten bislang 83 Leichen noch nicht identifiziert werden. Damit sinkt die Zahl unidentifizierter Opfer im Vergleich zum Vorjahr um 15 Personen.

jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Offiziell gelten 2.589 Personen offiziell noch als vermisst. Diese Zahl sank unter anderem auch durch die erfolgreiche Identifikation von Leichen um 47 Fälle.

Insgesamt starben 90 Prozent der Personen durch Ertrinken, mit 56 Prozent war die Mehrheit der Todesopfer ab 65 Jahre alt.

Die Großzahl der identifizierten Todesopfer stammt aus den drei am schwersten getroffenen Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi (15.737 der 15.807 Personen).

An den Suchaktionen beteiligten sich bislang etwa 580.000 Personen. Weitere Suchaktionen sollen in Zukunft folgen. Über diese Zahlen berichteten  Kyodo und jiji.

Zahl der Verbrechen in Katastrophenregion gesunken: Mit 38.036 Straftaten sank die Zahl der strafbaren Handlungen in den drei Katastrophenpräfekturen innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr um 26 Prozent, im Vergleich zur Periode vor den Katastrophen zwischen März 2010 und Februar 2011.

Im Sperrgebiet um das AKW Fukushima Daiichi betrug die Zahl der Einbruchsdelikte 270 Fälle. Das stellt im Vergleich zum Vorjahr zwar einen Rückgang um neun Einbrüche dar, die Quote beträgt aber immer noch das 2,3-fache dieser Straftaten vor den Katastrophen.

Allerdings stieg die Zahl der Festnahmen bei den Arbeitern, die mit der Dekontamination dort beschäftigt sind, auf 165 Fälle, was einem Anstieg um 64 Festnahmen entspricht.

Dabei geht es nicht um die illegale Beschäftigung Minderjähriger bei der Dekontamination, wobei Verbindungen zur Organisierten Kriminalität vermutet werden.

Vielmehr wurden, nach Angaben der Polizeibehörde die Mehrzahl der Festnahmen im Zusammenhang mit Straftaten wie Körperverletzung, Diebstahl und  Drogenmissbrauch veranlasst. Diese Zahlen veröffentlichte die jiji.

 

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