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Fukushima aktuell: Wiederholte Verstöße bei Dekontaminationsfirmen

Arbeitsrecht und Sicherheitsbestimmungen mehrheitlich immer noch Fremdworte

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Artikelbild - Entsorgung von Dekontaminationsabfällen in Koriyama, Fukushima (Foto: Copyright by Ai Kon)
Entsorgung von Dekontaminationsabfällen in Koriyama, Fukushima (Foto: Copyright by Ai Kon)

Die aus Fukushima heute gemeldeten Nachrichten bringen weitere Neuigkeiten zu den Ereignissen der letzten Tage und zeigen, dass Straftaten bei Unternehmen, die in der Dekontamination tätig sind, offenbar weiterhin zum Alltag gehören.

Die Hintergründe zu den aktuellen Vorwürfen und den neusten Stand zu den übrigen Meldungen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. September 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Erneut Gesetzesverstöße bei Dekontaminationsunternehmen
  • Hintergründe zur Strahlungsbelastung eines AKW-Arbeiters
  • Erster Test der neuen 3D-Strahlungskamera erfolgreich
  • EU-Streitigkeiten zur Lockerung von EU-Regelungen
Erneut Gesetzesverstöße bei Dekontaminationsunternehmen

Die Aufsichtsbehörde der Arbeitsämter der Präfektur Fukushima, veröffentlichte gestern die aktuellen Zahlen zu arbeitsrechtlichen Verstößen im Zusammenhang mit den Dekontaminationsarbeiten nach der Fukushima-Katastrophe.

Die Zahlen betreffen den Zeitraum von Januar bis Juni 2017.

Demnach wurden bei 45 der 82 kontrollierten Unternehmen eine oder mehrere Verletzungen gesetzlicher Vorschriften festgestellt. Insgesamt konnten 73 Verstöße nachgewiesen werden.

Dabei betrafen 58 Fälle die Gesundheit und die übrigen 15 die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. In einigen Fällen erfolgte keine Einweisung der Subunternehmen durch den Hauptvertragspartner, was die Gesundheit der Angestellten gefährden kann.

Auch gab es Fälle, in denen die Höhe der radioaktiven Belastung des Erdreichs vor Beginn der Dekontaminationsarbeiten nicht geprüft worden war.

Die Gesamtrate der Verstöße liegt mit 54,9 Prozent zwar 2,6 Punkte unter dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs, dennoch zeigen die aktuellen Ergebnisse, dass immer noch bei mehr als der Hälfte der Unternehmen ungesetzliche Praktiken Anwendung finden.

Besonders hoch war die Zahl der ungesetzlichen Maßnahmen bei Arbeiten, die von den Gemeinden in Auftrag gegeben worden waren, während bei Unternehmen im Staatsauftrag weniger Fälle festgestellt wurden.

Im Fall der Arbeiten mit Bezug zum AKW Fukushima Daiichi wurde bei 52 der 131 kontrollierten Firmen ebenfalls Verstöße nachgewiesen. Deren Gesamtzahl beläuft sich auf 77 Fälle.

Dazu gehören beispielsweise fehlerhafte Lohnabrechnungen, bei denen die Angestellten für Sonderarbeiten oder Überstunden nicht angemessen bezahlt wurden. Über diese Fälle berichteten Präfekturmedien.

Hintergründe zur Strahlungsbelastung eines AKW-Arbeiters

Ende vergangener Woche berichteten wir an dieser Stelle über die Feststellung von radioaktiver Kontamination eines AKW-Arbeiters. Dieser hatte radioaktives Material durch die Atemwege aufgenommen.

Am Dienstag berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO über die genaueren Umstände des Zwischenfalls, unter denen es zur Inkorporation gekommen war.

Demnach entstand die radioaktive Belastung vermutlich, als der Arbeiter nach seiner Arbeit die gesamte Atemschutzmaske abnahm und sich dabei versehentlich mit der Hand ins Gesicht griff.

TEPCO will nun prüfen, ob die Regelungen zur Vorgehensweise beim Anlegen und Abnehmen von Atemschutzgeräten und Gesichtsmasken angepasst werden müssen.

Bei der Einschätzung der definitiven internen Strahlungsbelastung wurden keine nennenswerten Abweichungen vom zuvor geschätzten vorläufigen Wert festgestellt. Das berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Erster Test der neuen 3D-Strahlungskamera erfolgreich

Am Montag wurde von der japanischen Atomenergiebehörde JAEA die aktuelle Weiterentwicklung einer Spezialkamera zur dreidimensionalen Darstellung von Radioaktivität in Räumen vorgestellt.

Am Dienstag gab es dann weitere Informationen über den aktuellen technischen Stand des Geräts, sowie dessen Fähigkeiten und spätere Maßnahmen.

Demnach kann die Kamera in der gegenwärtigen Version mehrere Millisievert pro Stunde messen – eine Fähigkeit, die künftig auf mehrere Hundert Millisievert verbessert werden soll.

Auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi wurde bereits ein Experiment zu Demonstrationszwecken durchgeführt. Dieser Test fand im Gebäude von Reaktor 3 statt und verlief erfolgreich.

Es sei gelungen, einen Bereich mit höherer Strahlungsbelastung eindeutig zu identifizieren. Zusätzliche Tests mit einer Flugdrohne erfolgen auch im Sperrgebiet des Kernkraftwerks.

Der praktische Einsatz der Kamera ist für das kommende Fiskaljahr geplant. Das berichteten Präfekturmedien.

EU-Streitigkeiten zur Lockerung von Importregelungen

Als Reaktion auf einen Beschluss im Umweltausschuss des Europaparlaments, wird von japanischer Seite nun eine Prüfung zur Lockerung der bisherigen Einfuhrbestimmungen angestrebt.

Das Europaparlament hatte zuvor einen Vorschlag der EU-Kommission, der eine Lockerung der verschärften Kontrollen zur Folge hätte, deutlich abgelehnt. Dem Parlament waren die Untersuchungsdaten, die der Kommission vorliegen, nicht übermittelt worden.

Hinter der Forderung der japanischen Regierung stehen das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF) und mehrere Präfekturvertreter – darunter auch Masao Uchibori, Gouverneur der Präfektur Fukushima.

Eine Aufhebung der Beschränkungen in der Europäischen Union wäre ein wichtiger Schritt, um den Export japanischer Produkte in andere Staaten wieder zu normalisieren.

Der zulässige Grenzwert für radioaktives Cäsium in Lebensmitteln liegt in der EU bei 1.250 Becquerel pro Kilogramm. Die japanischen Standards von 100 Becquerel pro Kilogramm sind diesbezüglich also wesentlich strenger und werden seit Jahren eingehalten.

Eine endgültige Entscheidung der EU-Kommission wird frühestens Ende dieses Monats, oder Anfang kommenden Monats erwartet. Das berichten Präfekturmedien am Mittwoch.

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