Fukushima aktuell: Wildschweine sollen aus Gemeinden vertrieben werden

Fukushima aktuell: Wildschweine sollen aus Gemeinden vertrieben werden

817
0
TEILEN
Artikelbild - Japanisches Wildschwein (Foto: KENPEI cc-by-sa)
Präfektur Fukushima: Positive Aussichten bei Wildschweinbekämpfung (Foto: KENPEI cc-by-sa)

Während neue Werbung die Fortschritte der Präfektur preist, stehen Gemeinden im Sperrgebiet des AKW Fukushima heute beim Umgang mit Wildschweinen in Wohngebieten immer noch vor alten Problemen.

Weitere Fukushima News bieten weitere Informationen zum gestrigen Fehlschlag bei der Erforschung eines Reaktors. Die Einzelheiten gibt es wie gewohnt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Januar 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Treffen zur Bekämpfung der Wildschweinplage in Sperrgebietsgemeinden
  • Hintergründe zum gescheiterten Kamera-Einsatz an Reaktor 2
  • Offizielles Fukushima-Video auf YouTube veröffentlicht
  • Ausstellung mit Objekten aus dem Katastrophengebiet des 3/11
Treffen zur Bekämpfung der Wildschweinplage in Sperrgebietsgemeinden

Am gestrigen Dienstag traf sich erstmals eine Gruppe aus Vertretern der Regierung, der Präfektur und einzelnen Gemeinden, um die Bekämpfung von Schäden durch Wildschweine in evakuierten Ortschaften zu diskutieren.

Insbesondere Wildschweine, die erhebliche Schäden in den leerstehenden Gebäuden und den Betrieben der Sperrgebiete anrichten und mitunter auch Menschen verletzen, sind ein ernstzunehmendes Problem.

Auch die Verwüstung von privaten Gärten und einst gewerblich genutzten Feldern behindert, selbst nach Aufhebung einer Evakuierungsanordnung, die dauerhafte Rückkehr der früheren Bewohner.

Zwar wurde der Einsatz von Wildschweinen mit Dosimetern als gute Möglichkeit zur Erfassung der Kontamination entlegener Gebiete angesehen – die Nachteile der hohen Population überwiegen jedoch, zumal die Wildtiere eine hohe Belastung aufweisen.

Nun will man einen Leitfaden zusammenstellen, in dem verschiedene Möglichkeiten zur Begrenzung von Schäden und Verletzungen aufgeführt werden sollen. Auch will man die Öffentlichkeit über richtiges Verhalten bei Begegnungen mit Wildtieren informieren.

Einzelne Ortschaften setzen bereits auf Elektrozäune gegen Wildschweine.

Im Rahmen der verschiedenen Versuche soll die Gemeinde Namie als Modell dienen, um den Lebensraum von Wildschweinen zu erforschen. Pläne für Feldversuche sollen im Februar erstellt und mit der Durchführung im März begonnen werden.

Durch Beobachtung von Verhaltensweisen der Tiere könnten Strategien ermittelt werden, wie durch Eingriffe in diese Routinen eine Verdrängung aus den Wohngebieten und von landwirtschaftlichen Nutzflächen verhindert werden kann.

Dabei könnten auch unbemannte Drohnen eine wichtige Rolle spielen, um Wildtiere aus ihrem neuen Lebensraum zu vertreiben. Das berichten Präfekturmedien.

Hintergründe zum gescheiterten Kamera-Einsatz an Reaktor 2

Nach dem gestrigen Scheitern der Kamera-Mission in Reaktor 2 hat sich der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi offenbar dazu entschieden, den Skorpion-Roboter erst im nächsten Monat einzusetzen.

Gestern war der Versuch, eine Kamera in den Sicherheitsbehälter des Reaktors einzuführen, um Aufnahmen im Inneren zu machen gescheitert, da das Gerät im Führungsrohr stecken blieb.

Heute machte das Unternehmen weitere Angaben zum Ablauf der missglückten Mission. Demnach habe man versucht, das Führungsrohr an einer Gummidichtung einzuführen, so dass kein radioaktives Material hinaus gelangt.

Doch die Reibung der Gummiringe war offenbar so stark, dass das Rohr nicht gerade hindurchgeführt werden konnte und die Kamera stecken blieb. Daher wurden die um 5:30 Uhr begonnenen Arbeiten um 8:00 Uhr abgebrochen.

Die durchschnittliche Strahlungsbelastung der beteiligten Arbeitskräfte lag bei 0,13 Millisievert pro Stunde und der höchste nachgewiesene Wert betrug 1,36 Millisievert. Damit wurde der gesetzte Grenzwert von drei Millisievert pro Person eingehalten.

Die Umgebungsradioaktivität vor Ort lag bei sechs Millisievert, wobei Vorrichtungen zum Strahlungsschutz angebracht wurden.

TEPCO gab bereits gestern bekannt, die Ursache ermitteln zu wollen, da bei einem Test unter realistischen Bedingungen keine Probleme aufgetreten waren. Einen Versuchslauf vor Ort habe man aufgrund der hohen Radioaktivität nicht durchgeführt.

Das Unternehmen gab an, es gehe vor allem darum, durch visuelle Inspektion mit der Kamera den künftigen Weg des Roboters festlegen und möglicherweise bereits schon Spuren der Brennelemente sichten zu können.

Über die Verzögerung berichteten Präfekturmedien.

Offizielles Fukushima-Video auf YouTube veröffentlicht

Wie das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) am heutigen Mittwoch bekannt gab, soll  das englischsprachige YouTube-Video „Fukushima Now“ über die gegenwärtige Situation der Präfektur Fukushima informieren.

Das Video ist über den offiziellen YouTube-Kanal des Premierministers verfügbar und anderthalb Minuten lang. Dort wird über die Lebensmittelsicherheit, die Verbesserung der Situation und Rückkehr in evakuierte Gebiete berichtet.

Neben Fernseh-Spots soll das Video auch auf den Monitoren großer Hotels und Flughäfen, sowie auf Flügen im Programm gezeigt werden. Das berichteten Präfekturmedien.

Ausstellung mit Objekten aus dem Katastrophengebiet des 3/11

In Japans Hauptstadt Tokyo läuft derzeit eine Sonderausstellung mit alltäglichen Gegenständen, die Opfer des Tohoku-Großbebens und Tsunami am 11. März 2011 wurden. Bislang lief diese Ausstellung nur innerhalb der betroffenen Gebiete.

Im Rahmen der Ausstellung im Meiji University Museum im Tokyoter Bezirk Chiyoda gehören Teile des Autowrack eines Polizeiwagens, der beim Versuch, die Evakuierung öffentlich bekannt zu machen, von den Fluten mitgerissen wurde.

Auch Straßenschilder, die durch die Wucht der Wellen verbogen wurden und die Uhr eines Friseursalons, die während der Katastrophe stehen blieb, sind Teil der Ausstellung. Weitere Exponate sind beispielsweise Kerzen aus den Notunterkünften.

Hinter der Veranstaltung steht ein Komitee aus Museen in der Präfektur Fukushima, dessen Mitglieder seit 2014 dort stumme Zeugen an die schweren Naturkatastrophen sammeln. Sie fürchten, dass die Ereignisse sonst in Vergessenheit geraten können.

Die Ausstellung begann am 8. Januar und läuft noch bis zum 5. Februar im Museum der Meiji-Universität. An Wochenenden sind zusätzliche Veranstaltungen, wie Vorträge zu den gezeigten Objekten und eine 3D-Projektion der Katastrophenregion geplant.

Über die Ausstellung berichtete die Asahi Shimbun.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT