Fukushima aktuell: Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern steigt

Fukushima aktuell: Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern steigt

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Artikelbild - Kinder in Katastrophenpräfekturen benötigen Traumahilfe (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Präfektur Fukushima: Drohungen gegen Jugendprojekt für Wiederaufbau (Symbolfoto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Die Bestätigung von neuen Krebsfällen bei Kindern ist nur eine der Fukushima News, denn TEPCO hat neben Imageproblemen auch an anderer Stelle zu kämpfen. So gibt es vom  Betreiber des AKW Fukushima heute sowohl juristische Meldungen, als auch Berichte über Schlamperei.

Die Einzelheiten der aus Japan aktuell berichteten Nachrichten gibt es jetzt, im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. Dezember 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Mehr Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern
  • TEPCO legt Klage wegen Suizid von Milchwirt bei
  • TEPCO meldet 2.000 Fälle von fehlverlegten Kabeln
  • Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter

Mehr Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern: Wie die Präfekturverwaltung Fukushima gestern bekannt gab, ist die Zahl der Kinder mit bestätigten Fällen von Schilddrüsenkrebs ebenso gestiegen, wie die Zahl der Verdachtsfälle.

Die zweite Untersuchungsreihe begann im April 2014 und bis zum September 2015 lagen nun die Ergebnisse von 180.000 der insgesamt etwa 380.000 getesteten Personen vor. Demnach stieg die Zahl der bestätigten Krebserkrankungen um neun und damit auf insgesamt 15 Patienten.

Daneben gibt es fünf neue Verdachtsfälle, so dass gegenwärtig 24 Personen als potentiell an Schilddrüsenkrebs erkrankt gelten müssen. Getestet wurden nur Personen die zum Zeitpunkt der Katastrophe nicht älter als 18 Jahre waren.

Der Vorsitzende des präfekturalen Untersuchungsausschusses, Hokuto Hoshi erklärte, aufgrund der geringen Strahlungsbelastung des Umstands, das keine Person, die damals jünger als fünf Jahre alt war, Symptome einer Krebserkrankung zeige, unterstütze die bisherige Ansicht, dass der Schilddrüsenkrebs nicht mit der Strahlung in Verbindung stehe.

Bei der ersten Untersuchungsreihe, die seit Ende April 2015 durchgeführt wurde, konnten 300.000 der 370.000 Testpersonen abschließend bewertet werden. Damals waren ein Anstieg von 98 Fällen im April auf 100 Fälle Ende September, sowie 13 Verdachtsfälle festgestellt worden.

Über die aktuellen Ergebnisse der jüngsten Untersuchungsreihe berichtete die Mainichi Shimbun.

TEPCO legt Klage wegen Suizid von Milchwirt bei: Dem Kraftwerksbetreiber TEPCO ist eine Einigung mit den Angehörigen eines Milchbauern gelungen. Die Familie hatte im Februar 2013 eine Klage wegen des Suizids ihres Angehörigen angekündigt und die Klage im Mai des selben Jahres eingereicht

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
TEPCO einigt sich mit Hinterbliebenen von Suizid-Opfer (Symbolfoto: pd)

Der 54 Jahre alt Shigekiyo Kanno hatte sich im Juni 2011 auf seinem Betrieb in der Stadt Soma erhängt. Äußerungen vor seinem Tod, sowie der Abschiedsbrief lassen die Folgen der Kraftwerkskatastrophe als Grund für die Selbsttötung wahrscheinlich erscheinen.

Milchlieferungen aus der Präfektur waren nach dem Ausbruch der AKW-Krise ausgesetzt  worden und Herr Kanno fürchtete, seine Rechnungen nicht mehr zahlen zu können. In seinem Abschiedsbrief bedauert er die Existenz der Kernkraftwerke.

In der nun erzielten Einigung, verständigten sich die Witwe und ihre beiden Söhne mit dem Unternehmen auf die Zahlung einer ungenannten Geldsumme. Die Hinterbliebenen hatten 128 Millionen Yen gefordert.

Im Gegenzug muss TEPCO nicht die ursprünglich geforderte Entschuldigung für die Tat aussprechen.

Man sei nicht glücklich mit der Einigung, hieß es von Klägerseite, insbesondere die mangelnde Bereitschaft zu einer offiziellen Entschuldigung wurde kritisiert.

Das Leben sei jedoch seit dem Tod des Ehemanns und Vaters schwer genug, so dass man die Angelegenheit endlich beilegen wollte. Über juristische Entscheidung berichteten mehrere japanische Medien, darunter Kyodo und NHK.

TEPCO meldet 2.000 Fälle von fehlverlegten Kabeln: An zwei Kernkraftwerken des Betreibers TEPCO, wurden Brandschutzbestimmungen für elektrische Leitungen nicht eingehalten. Das räumte das Unternehmen in einem Bericht ein, der gestern der Atomaufsichtsbehörde NRA vorgelegt wurde.

An den Kraftwerken Fukushima Daini und Kashiwazaki-Kariwa wurden insgesamt etwa 2.000 elektrische Kabel nicht korrekt verlegt. Daneben gibt es an weiteren 500 Stellen der Anlagen mögliche Verdachtsfälle. TEPCO erklärte, diese Fälle weiter zu untersuchen.

Bei den Verstößen geht es zum einen darum, das die Stromversorgung für die Notabschaltung und die Reaktorkühlung getrennt von anderen Kabeln verlegt werden müssen, um die Ausbreitung von Kabelbränden zu verhindern.

In diesem Punkt wurde mit 1.745 Fällen die Mehrzahl der Verstöße am AKW Kashiwazaki-Kariwa nachgewiesen, während am AKW Fukushima Daini 234 Fälle bekannt wurden, in denen die Kabel zusammen verlegt wurden.

Bei der zweiten Art von Verstößen handelt es sich um Stellen, an denen zwar eine Trennung des Kabelverlaufs erfolgte, jedoch die Trennungsplatten nicht in vorschriftsmäßigem Zustand waren, etwa weil sie Löcher aufwiesen.

In diesem Punkt wurden 748 Fälle auf dem Gelände der Kraftwerksanlage Kashiwazaki-Kariwa und 54 am Kernkraftwerk Fukushima Daini festgestellt.

Im Zuge dieser Bekanntgaben räumte TEPCO in einem zweiten Bericht auch weitere Versäumnisse ein. So habe es in den vergangenen fünf Jahren bei 807 Bauprojekten Probleme mit der Aufsicht der Bauarbeiten gegeben.

Die Atomaufsicht NRA hatte die Untersuchung veranlasst, da auch beim Bau sicherheitsrelevanter Strukturen am AKW Kashiwazaki Kariwa Verletzungen von Sicherheitsstandards begangen wurden.

Über die Angaben des Kraftwerkbetreibers gegenüber den Behörden berichtete die Mainichi Shimbun.

Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am gestrigen Montag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO, wie immer am Monatsende, die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den Oktober 2015.

Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Daten zur Strahlungsbelastung der AKW-Arbeiter veröffentlicht (Symbolfoto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO, waren im Oktober 2015 insgesamt 336 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden.

Die maximale externe Strahlungsbelastung der Angestellten lag bei 14,42 Millisievert.

Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden wie zuvor, keine signifikanten Werte festgestellt.

Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten, mit Stand von November 2015 befassen wird, soll gegen Ende Dezember eingereicht werden.

 

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