Fukushima aktuell: Zeitplan für sichere Lagertanks gescheitert

Fukushima aktuell: Zeitplan für sichere Lagertanks gescheitert

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Artikelbild - AKW Fukushima: Schlepper mit verschweißten Lagertanks am 11. Juni 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schlepper mit verschweißten Lagertanks am 11. Juni 2014 (Foto: TEPCO)

TEPCO gab für das AKW Fukushima heute zwar auch Zukunftspläne bekannt, muss jedoch ausgerechnet bei der Bewältigung radioaktiver Abwässer auch einen logistischen Rückschlag einstecken.

Die Details der Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. September 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick;

  • TEPCO verschiebt Einführung sicherer Wassertanks
  • TEPCO plant das Auspumpen von Reaktorgebäuden
  • Diskussion um Bewältigung von Tritiumabwässern
  • Verzögerungen am Eiswall wegen Regenfällen
TEPCO verschiebt Einführung sicherer Wassertanks

Der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi hat den bisherigen Zeitplan, alle unsicheren Lagertanks für radioaktiv kontaminierte Abwässer durch sicherere Behälter zu ersetzen, für gescheitert erklärt. Das wurde am gestrigen Mittwoch bekannt.

Statt wie geplant im März 2017 wird sich der Austausch mindestens bis zum Juni 2018 verzögern. Das geht aus Dokumenten an die Atomaufsichtsbehörde hervor.

Bereits im März 2016 war klar geworden, dass TEPCO den Bedarf an verschweißen Tanks unterschätzt hatte und Lieferprobleme wahrscheinlich wären.

Ursache ist nach wie vor der steigende Bedarf an verschweißten Behältern, denn auch wenn bereits Lieferungen von Stahltanks erfolgten, fallen weiterhin täglich große Mengen an radioaktiven Abwässern an.

Mit Stand vom heutigen Donnerstag beträgt die Gesamtmenge in den riskanten Bolzentanks mehr als 110.000 Tonnen kontaminierter Abwässer. Das berichtete die jiji.

Die Geschichte der verschiedenen Lagertanks am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ist ein Beispiel für die zahlreichen Zwischenfälle und Fehlschläge auf der Anlage.

TEPCO plant das Auspumpen von Reaktorgebäuden

Anlässlich eines gestrigen Treffens der Atombehörde wurde eine Änderung im Zeitplan zur Bewältigung der radioaktiven Abwässer in den Untergeschossen der Reaktorgebäude 1 bis 4 bekannt gegeben, die der Kraftwerksbetreiber TEPCO vorgelegt hatte.

Demnach  könnte TEPCO bereits vor dem bisherigen Termin im August 2020 mit den Arbeiten fertig werden. Dies wäre unter anderem durch mehr Pumparbeiten an Grundwasserbrunnen möglich.

Mit den Arbeiten soll Ende März kommenden Jahres begonnen werden.

Das Hochpumpen von Grundwasser aus den Kellern der Reaktoren, der Turbinengebäude und anderen Teilen des Kraftwerks ist eine der wichtigsten Arbeiten für das Unternehmen – allerdings auch mit hohen Risiken verbunden.

Die Atomaufsichtsbehöre NRA ermutigte das Unternehmen in diesem Punkt und forderte eine möglichst schnelle Umsetzung. Hierdurch würden Gefahren wie die Kontamination von Grundwasser und Meer, etwa durch einen großen Tsunami, verringert.

Die Menge an kontaminiertem Wasser in den Untergeschossen beläuft sich auf schätzungsweise 68.000 Tonnen. Als besonders kritisch werden 2.000 Tonnen stark radioaktives Abwässer in den Kondensatoren der Turbinengebäude gesehen.

Sie sind für etwa 80 Prozent des radioaktiven Materials im gesamten Wasser verantwortlich.

Als Voraussetzung für dauerhafte Erfolge bei der Bewältigung setzt TEPCO bislang auf einen absolut dichten Eiswall, der als unterirdische Barriere den Austausch zwischen kontaminiertem Reaktorwasser und Grundwasser dienen soll. Dieser Fortschritt ist jedoch bislang nicht in Sicht.

Über die Pläne und Zukunftsaussichten berichtete die Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Diskussion um Bewältigung von Tritiumabwässern

Am Dienstag traf sich ein Subkomitee, dass vom Regierungsausschuss zur Bewältigung kontaminierter Abwässer gegründet wurde, damit es sich ausschließlich mit den Möglichkeiten zur Entsorgung von tritiumhaltigem Abwasser befasst.

Tritium kann durch die üblichen Filtersysteme noch nicht effektiv gefiltert werden, so dass kontaminiertes Wasser mit hoher Tritiumkonzentration nicht ins Meer verklappt werden kann, was sonst am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi allgemein üblich ist.

Bei ihrer Arbeit müssen die Experten sowohl die technischen Aspekte, als auch die sozialen Auswirkungen einer bestimmten Entsorgungsmethode berücksichtigen.

Die beiden bislang im Raum stehenden Methoden sind die Einleitung ins Meer, sofern eine ausreichende Verdünnung vorausgeht und die Verdampfung des Wassers. Ziel ist es, eine möglichst effektive, schnelle und zugleich kostengünstige Lösung zu finden.

Über das Expertenkomitee berichteten Präfekturmedien.

Verzögerungen am Eiswall wegen Regenfällen

Nach einem gestrigen Treffen mit der Atomaufsichtsbehörde NRA gab der AKW-Betreiber TEPCO heute bekannt, es werde Verzögerungen bei der Beurteilung des so genannten Eiswall-Projekts auf dem Gelände des Kraftwerks Fukushima Daiichi geben.

Ursache hierfür ist, dass die schweren Regenfälle durch die Taifun-Saison die Bewertung der bisherigen Entwicklungen am Eiswall unterbrochen habe. Ursprünglich sollte eine Einschätzung der Effektivität bis Monatsende verfolgen.

Tatsächlich gibt es weitere Hürden für den Eiswall

Eigentlich hätte die Menge an heraufgepumpten Grundwasser auf der Küstenseite durch den Eiswall verringert werden müssen, was jedoch nicht erfolgte.

Einem Antrag von TEPCO, nun auch einen Teil des landseitigen Eiswalls gefrieren zu lassen, weil dies angeblich zur Unterstützung der küstenwärts liegenden Barriere führe, wurde von der Atomaufsicht wegen mangelndem Zusammenhangs mit dem Problem abgewiesen.

Dass neue Cäsium-Höchstwerte im Hafen klein geredet wurden, nachdem Regenwasser in den Hafen gelaufen war, weil der Grundwasserpegel die Erdoberfläche erreicht hatte, fördert das Image der 35 Milliarden Yen teuren Grundwasser-Bekämpfungsmaßnahme nicht gerade.

Über die erneuten Probleme für die Effektivitäts-Beurteilung der Anlage berichtete die Asahi Shimbun.

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