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Fukushima aktuell: Zeitweise Ausfälle an mehreren Kühlsystemen

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 3: Sicherheitshebel des Kühlsystems am 5. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Sicherheitshebel des Kühlsystems am 5. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)

Mehrere Meldungen über Zwischenfälle und Störungen, die zum Teil bereits am Wochenende auftraten, beschäftigen den Betreiber des AKW Fukushima heute ebenso sehr, wie die japanischen Medien.

Positive Fukushima News, etwa über Arbeiten am Eiswall, oder die Durchführung eines Roboterwettbewerbs treten dahinter zurück. Die genauen Umstände finden sich nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. Dezember 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Zeitweiser Ausfall der Kühlung an Reaktor 3
  • Störung an Kühlung eines Lagerbeckens
  • Gefrierung an ungefrorenem Landteil des Eiswalls eingeleitet
  • Roboter-Wettbewerb für Fukushima-Stilllegung
  • Erdrutschrisiko bei einigen Schutzunterkünften für AKW-Krisen
Zeitweiser Ausfall der Kühlung an Reaktor 3

Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilte, kam es am heutigen Morgen bei Arbeiten am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zu einer Panne, die zum zeitweisen Ausfall einer Reaktorkühlung führte.

Nach Darstellung des Unternehmens stoppte kurz nach 10:00 Uhr die Einspeisung von Kühlwasser in den Reaktor aus zunächst ungeklärte Ursache. Eine Ersatzpumpe nahm etwa eine Stunde später die Arbeit auf.

TEPCO geht von menschlichem Versagen aus. Vermutlich habe ein Arbeiter während der regulären Wartungsarbeiten mit dem Ellenbogen die Abdeckung eines Schalters gelöst und den Hebel herabgedrückt, was zur Abschaltung führte.

Das Unternehmen veröffentlichte entsprechendes Fotomaterial, auf dem die herabgefallene Abdeckung und die Hebel zu sehen sind.

Um die entstandene Wasserdifferenz auszugleichen erhöhte man die Einspeisungsmenge von zuvor 4,2 auf 4,4 Tonnen Wasser. Probleme bei der Kühlung seien nicht entstanden und auch die Umgebungsradioaktivität habe keine Abweichungen gezeigt.

TEPCO-Präsident Naomi Hirose erklärte, man wolle Maßnahmen ergreifen, um weitere Zwischenfälle dieser Art zu verhindern. Problematisch ist derzeit noch, dass solche hebelartigen Schalter auch an anderen, räumlich beengten Orten verwendet werden.

Über den Zwischenfall berichteten Kyodo, jiji, NHK und Präfekturmedien.

Störung an Kühlung eines Lagerbeckens

Neben dem Ausfall der Reaktorkühlung hatte TEPCO auch ein weiteres technisches Problem zu bewältigen. Wie das Unternehmen mitteilte, habe man bereits am Sonntag die Kühlung eines  Lagerbeckens für abgebrannte Brennelemente zeitweise abgeschaltet.

AKW Fukushima: Ventil des Lagerbecken-Kühlsystems am 5. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ventil des Lagerbecken-Kühlsystems am 5. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)

In dem Becken werden bereits genutzte Brennelemente aus den Reaktoren 1 bis 3 gesammelt. Gegen 22:40 Uhr ertönte ein Alarm und TEPCO sah sich zum zeitweisen Stopp der Kühlung veranlasst.

Wie eine Kontrolle feststellte, war die Ursache offenbar ein offenes Luftablassventil. Der dortige Druckabfall habe vermutlich bereits gegen 15:00 Uhr eingesetzt, jedoch erst nach mehreren Stunde so weit gesunken, dass der Alarm ausgelöst wurde.

Da das Ventil für den Ansaugdruck zuständig war, konnten sowohl die Standardpumpe, als auch die eingesetzte Notfallpumpe ihre Arbeit nicht ordnungsgemäß verrichten, bis das Ventil geschlossen wurde. Schließlich sei der Normalbetrieb heute um 17:27 Uhr wieder aufgenommen worden.

Auch in diesem Fall geht der Elektrizitätsanbieter von einem menschlichen Fehlverhalten aus. Ein Arbeiter habe demnach durch eine unachtsame Bewegung das Ventil geöffnet. Über die Störung berichteten mehrere japanische Medien, darunter Kyodo, jiji und NHK.

Gefrierung an ungefrorenem Landteil des Eiswalls eingeleitet

Vor dem Einsetzen der Probleme hatte TEPCO am Samstag noch eine Erfolgsmeldung veröffentlicht. Demnach habe man um 11:00 Uhr mit der Gefrierung von zwei der insgesamt sieben ungefrorenen Abschnitte auf der Landseite begonnen.

AKW Fukushima: Gefrierungsstart am landseitigen Eiswall, 3. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gefrierungsstart am landseitigen Eiswall, 3. Dezember 2016 (Foto: TEPCO)

Diese so genannte Phase 2 der Arbeiten wird von weiterer Beobachtung des dortigen Grundwasserpegels begleitet, um ein zu starkes Absinken zu verhindern.

Andernfalls könnte sehr stark radioaktiv belastetes Wasser aus dem Reaktorgebäude dringen.

TEPCO begleitete diese Information mit der Veröffentlichung von Bildmaterial der vor Ort durchgeführten Arbeiten.

Roboter-Wettbewerb für Fukushima-Stilllegung

Am Samstag beteiligten sich 15 Teams von Ingenieurstudenten aus 13 nationalen Instituten an einem Roboterwettbewerb in Naraha. Ziel ist die Erprobung, ob die Modelle bei der Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi von Nutzen sein könnten.

Der Wettbewerb nutzte die großen Reaktormodelle der Forschungseinrichtung und die eingesetzten Roboter musste verschiedene Aufgaben bewältigen – etwa Aufnahmen aus großer Höhe machen und unterschiedliche Hindernisse bewältigen

Um den Realismus zu erhöhen, hatten die Roboter jeweils nur eine Einsatzdauer zwischen fünf und zehn Minuten, da im Normalfall mit elektrischen Schäden aufgrund des hohen Strahlungsniveaus in den Reaktorgebäuden zu rechnen sei.

Auch wurden ausschließlich kabelgesteuerte Roboter zugelassen, da eine Funkverbindung unter realen Umständen nicht möglich wäre.

Es handelt sich um die erste Veranstaltung dieser Art, um auch bei jungem Menschen ein Interesse für die aufwändigen Maßnahmen der Reaktorstilllegung zu fördern.

Die Organisatoren hoffen, dass Unternehmen sich an dem Projekt beteiligen und die Entwürfe der Schüler als Grundlagen für eigene Forschungsprojekte nutzen können.

Sieger des vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) ausgelobten Preises war ein Team einer präfekturalen Schule für Technologie in Osaka. Ein Team aus Iwaki erhielt den Sonderpreis des Tokyoter Kernkrafttechnikunternehmens Atox.

Über die Veranstaltung berichteten neben der Asahi Shimbun und der NHK auch Präfekturmedien.

Erdrutschrisiko bei einigen Schutzunterkünften für AKW-Krisen

Als Reaktion auf die Fukushima-Katastrophe 2011 entschloss sich die Regierung dazu, die Kosten für die Errichtung von Schutzunterkünften im 30-Kilometer-Radius um Kernkraftwerke vollständig zu übernehmen.

Doch eine Untersuchung legt nun nahe, dass man bei allem Engagement andere Risiken nicht bedacht hat. Von den 220 Strahlungsschutz-Unterkünften in 17 Präfekturen liegen 39 in Gebieten, die erdrutschgefährdet sind. Sieben davon liegen sogar in ausgewiesenen Risikogebieten.

Die Präfektur Kyoto hat die größte Rate an gefährlichen Standorten. Dort liegen acht von zehn Anlagen in derartigen Bereichen. Auf eine Anfrage gab die Verwaltung zu, dieses Risiko nicht bedacht zu haben und gab bekannt, nun Änderungen zu erwägen.

Über diese Entdeckung berichtete die Mainichi Shimbun, die auch die Befragung der Gemeinden durchgeführt hatte.

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