Start Aktuelles Fukushima aktuell: Zusage für schnelle Regenwasserentsorgung geplatzt

Fukushima aktuell: Zusage für schnelle Regenwasserentsorgung geplatzt

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Artikelbild: Überlaufendes Regenwasser im Bereich H5 am 1. Oktober 2010 (Foto: TEPCO/NRC)
Versprochene Entsorgung von Regenwasser kann nicht eingehalten werden (Abb. symbolisch, TEPCO/NRC)

Die Realisierbarkeit von Versprechen sollte sorgfältig überdacht werden – eine Erfahrung die der Betreiber des AKW Fukushima aktuell ebenso machen muss, wie die Leitung der gleichnamigen Präfektur. Mit der Anerkennung von Kontrollmethoden kann das Unternehmen von der Anlage in Fukushima heute jedoch zumindest eine positive Meldung vorweisen.

Weitere Fukushima News, etwa zur Situation vor der Brennelementebergung, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. November 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Lagerung von kontaminierten Regenwasser problematisch
  • IAEA-Experten bewerten Fukushima-Meerwasserkontrollen
  • Beschädigter Schlickzaun bislang nicht repariert
  • Situation an Fukushima-Reaktor 4 vor der Bergung

Lagerung von kontaminierten Regenwasser problematisch: Die Präfekturverwaltung Fukushima übt nun Druck auf den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi und wirft ihm vor, die angekündigte Umlagerung von radioaktiv kontaminiertem Regenwasser zu verschleppen.

AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)

Im Zuge der Taifune „Wipha“ und „Francisco“, hatten sich hinter den Betonbarrieren um die Lagertankgruppen große Menge an Regenwasser angesammelt und liefen im ersten Fall bereits teilweise über (Spreadnews berichtete am 1. Oktober 2013).

Wasser mit geringen Strahlungswerten wurde kontrolliert in die Umwelt entlassen.

Doch im Fall von 2.700 Tonnen waren die Strahlungswerte zu hoch, so dass TEPCO das Wasser als Notmaßnahme in unterirdische Lagertanks abpumpen musste.

Nachdem dies zunächst eine eigenmächtig durchgeführte Rettungsmaßnahme war, erhielt der Elektrizitätskonzern später eine Genehmigung für derartige Notfälle (Spreadnews berichtete am 16. Oktober 2013).

TEPCO hatte allerdings zusagen müssen, die unterirdischen Lagertanks nur als Übergangslösung zu nutzen und das kontaminierte Regenwasser so bald wie möglich in die Kellergeschosse der Turbinengebäude der Reaktoren 2 und 3 zu transferieren, wo sich ohnehin bereits stark radioaktives Wasser befindet. Das dies bis heute noch nicht geschehen sei, wird nun scharf kritisiert.

Offenbar bedachte das Unternehmen bei dieser Zusage nicht, das täglich große Mengen an Grundwasser in die Kellergeschosse dringt und bereits von anderer Stelle dort Regenwasser eingeleitet wird. Eine zusätzliche Lagerung des kontaminierten Regenwassers aus den Taifunen ist daher nicht möglich.

Zuletzt hatte TEPCO eingeräumt, eine Nutzung der unterirdischen Lagertanks sei so lange erforderlich, bis der Betreiber in der Lage sei, eine Dekontamination des Regenwassers durchzuführen und so auf andere Weise zu entsorgen. Die Nutzung der unterirdischen Lagertanks war im April 2013 eingestellt worden, nachdem es in einigen Fällen Hinweise auf Lecks gegeben habe.

Über die gebrochenen Versprechen und die damit verbundenen Proteste berichtete die Asahi Shimbun.

IAEA-Experten bewerten Fukushima-Meerwasserkontrollen:
Zwei Experten der Internationalen Atomenergiebehörde haben sich am heutigen Donnerstag sowohl einen Eindruck von den Meerwasserkontrollen des Fukushima-Betreiber TEPCO gemacht, als auch eigene Proben für Analysen entnommen.

Atomsymbol
AKW Fukushima: IAEA-Experten bestätigen korrekte Testabläufe (Grafik: pd)

David Osborn und Hartmut Nies begleiteten ein Team, dass vom Hafen Onahama in Iwaki ablegte, um in der 20-Kilometer-Zone um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi an sieben der elf Messpunkte neue Wasserproben zu entnehmen. Nach der Durchführung der Maßnahme äußerte sich der IAEA-Experte Osborn zum Vorgehen des Elektrizitätskonzerns.

Die von TEPCO durchgeführten Schritte bei der Entnahme von Wasserproben seien umfassend, transparent und entsprächen internationalen Standards für derartige Forschungsmaßnahmen. An jedem der Messpunkte seien die Proben aus jeweils zwei unterschiedlichen Wassertiefen – einmal knapp unterhalb der Wasseroberfläche und ein weiteres mal zwei Meter tiefer – entnommen worden.

Für den morgigen Freitag ist der Besuch einer Einrichtung erwartet, in der eine Analyse und Auswertung der entnommenen Proben stattfindet. Kritiker hatten TEPCO in der Vergangenheit bereits vorgeworfen, nicht auf jedes radioaktive Material zu testen, oder Testergebnisse zurückzuhalten. Über die aktuelle IAEA-Maßnahme berichteten jiji und IAEA.

Beschädigter Schlickzaun bislang nicht repariert: Nachdem am Dienstag ein Schlepper in den Schlickzaun am AKW Fukushima geraten war und TEPCO erklärt hatte, da ein weiterer Schlickzaun existiere, bestehe keine Gefahr für Meereskontamination, blieb der Schaden bis zum gestrigen Dienstag ungelöst.

Eine Untersuchung der Anlage und deren Reparatur sei nicht ohne weiteres möglich, da sich der wesentliche Teil der Vorrichtung unter Wasser befinde. Derzeit untersuche man noch die genauen Auswirkungen des Zwischenfalls. Angaben zu veränderten Messwerten gab es bislang nicht.

Situation an Fukushima-Reaktor 4 vor der Bergung: Nachdem die angekündigte Bergung von Brennelementen international für viel Aufsehen und Spekulationen gesorgt hat, ist es für viele Menschen von Interesse, mehr über die Verhältnisse vor Ort zu erfahren. Gestern ermöglichte der Betreiber TEPCO der Presse den Zutritt.

Fukushima-Reaktor 4: Fertiges Stahlgerüst und erste Panele am 29. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Pläne für Brennelemente-Bergung werden konkret

Das Reaktorgebäude selbst ist an den entscheidenden Stellen durch einen Schutzmantel abgedeckt, der sowohl beim Vorgang selbst, als auch im Fall eines Zwischenfalls, das freiwerdende radioaktive Material möglichst eindämmen soll.

Im Inneren des Reaktorgebäudes 4 befinden sich die Brennelemente in einem Lagerbecken, das von den großen Trümmern geräumt wurde, die als Folge des Reaktorunfalls dort hineingestürzt waren. Die dort lagernden 1.535 Brennelemente sind im Becken sauber aufgereiht, nur kleinere Objekte sollen dort noch liegen.

Dennoch ist die gesamte Maßnahme aufwändig und auch wenn TEPCO von einem großen Schritt in der Stilllegung spricht, erklärt die Atomaufsichtsbehörde, es bestehe gleichzeitig ein großes Risikopotential der geplante Bergungsmaßnahmen.

Um Probleme zum minimieren, hat TEPCO bereits Maßnahmen getroffen, um möglicherweise verformte Brennelemente zu identifizieren und eine weitere Beschädigung durch die verbleibenden Trümmern zu verhindern. Sollte es zu Schäden an den Brennelementen kommen, könnte unter anderem auch Plutonium freigesetzt werden.

Transfer der Brennelemente (li.) in den Transportbehälter (re.) (Video: TEPCO)
Transfer der Brennelemente (li.) in den Transportbehälter (re.) (Video: TEPCO)

Bei der Bergung soll ein Behälter von 5,5 Metern Länge zum Einsatz kommen. Das 91 Tonnen schwere Objekt bietet Platz für 22 Brennelemente, die nach Angaben von TEPCO einzeln aus dem Aufbewahrungsgestellt gehoben werden.

Der Betreiber erklärt, dies sei ein besonders sicheres Vorgehen, da selbst, wenn der doppelt gesicherte Kran der Brennelementewechselmaschine versagen sollte, würde der Sturz eines einzelnen Brennelements noch keine Kettenreaktion hervorrufen.

Dabei sollen zwei Behälter parallel genutzt werden, um den Vorgang in etwas mehr als einem Jahr abschließen zu können.

Um sowohl die Kühlung möglichst lange und das Strahlungsniveau möglichst niedrig zu halten, wird der Transportbehälter in das Becken gehoben, wo die Befüllung des Transportbehälters mit Brennelementen durchgeführt werden kann.

Anschließend wird ein Kran den Transportbehälter herausheben und auf dem Boden abstellen, wo er auf ein Fahrzeug geladen und die Brennelemente in ein gemeinsames Lagerbecken verbracht werden können.

Da die Maßnahme lange Zeit in Anspruch nimmt und weitere Naturkatastrophen in diesem Zeitraum nicht ausgeschlossen werden können, wurde auch der Boden des Lagerbeckens verstärkt und könne nach Betreiberangaben, sogar einem Erdbeben der Magnitude 9,0 standhalten.

Über die Reaktorbesichtigung und die Hintergründe des Bergungsvorgangs berichteten NHK und Asahi Shimbun.

 

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