Start Aktuelles Fukushima aktuell: Zweifel an UN-Bericht zur Schilddrüsenbelastung

Fukushima aktuell: Zweifel an UN-Bericht zur Schilddrüsenbelastung

Belastungen sollen zu hoch kalkuliert worden sein

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Artikelbild - Schilddrüse (Grafik: pd)
Fukushima: Neue Fälle von Schilddrüsenkrebs bestätigt falsch ein (Grafik: pd)

Die Folgen radioaktiver Belastung für die Schilddrüse sind in Fukushima heute fast so aktuell, wie nach Ausbruch der Krise. Doch nun gibt es neue Fukushima News, die für Kontroversen sorgen dürften.

Worum es sich dabei handelt, findet sich im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Oktober 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Schilddrüsenbelastung nach AKW-Krise womöglich drastisch überschätzt
  • Neue Zahlen zu Schilddrüsenkrebsfällen in Fukushima
  • Entschädigungsurteil gegen TEPCO und Regierung angefochten
Schilddrüsenbelastung nach AKW-Krise womöglich drastisch überschätzt

In einer Neubewertung bisheriger Annahmen kommt ein Experte zu dem Schluss, dass die Angaben zur Schilddrüsenbelastung mit radioaktivem Jod möglicherweise weit geringer war, als nach dem Ausbruch der Fukushima-Katastrophe berichtet wurde.

Nach Ansicht des Leiters einer Klinik der „International University of Health and Welfare“ in der Präfektur Tochigi, geht auch der Bericht des UN-Ausschusses zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung (UNSCEAR) von zu hohen Schätzungen aus.

Doktor Suzuki, ein Experte für Strahlungsfolgen, befasst sich mit der Einschätzung der Schilddrüsenbelastung, die unmittelbar nach dem Kraftwerksunglück auftrat. Er sieht die Angaben der UNSCEAR im Bericht aus dem Jahr 2013 kritisch.

Da radioaktives Jod-131 nur eine Halbwertszeit von gerade einmal acht Tagen hat, gab es in den zugrunde liegenden Daten viele offene Stellen. Dr. Suzuki wollte diese Löcher durch eine größere Genauigkeit der Auswertung und neue Daten stopfen.

Dabei zog er nun auch Werte, wie etwa die Kontaminationsdaten, die an der Körperoberfläche und der Kleidung von Menschen ermittelt und protokolliert worden waren, für seine Überprüfungen heran.

Auch Abgleiche mit radioaktivem Material ähnlich kurzer Halbwertszeit, wie etwa Tellur-132 wurden herangezogen, so dass man als Laie bei derart vielen neuen Daten eher mit einem Anstieg der Zahlen rechnen würde.

In seinem Zwischenbericht, den er vor einem Ausschuss in der Stadt Fukushima vorlegte kommt der Radiologe jedoch zu dem Schluss, dass die tatsächliche Schilddrüsenbelastung nur zwei Drittel der international anerkannten Werte betrug.

Nach seiner Bewertung lag die durchschnittliche Äquivalentdosis der Strahlungsbelastung der Schilddrüse von Kindern im Alter von einem Jahr, bei weniger als 40 Millisievert.

Wie andere Experten und Kernkraftkritiker nach der Veröffentlichung eines Abschlussberichts reagieren werden, bleibt abzuwarten. Über die Einschätzung von Dr. Suzuki berichteten Präfekturmedien.

Neue Zahlen zu Schilddrüsenkrebsfällen in Fukushima

Am gestrigen Montag veröffentlichte die medizinische Universität Fukushima die aktuellen Zahlen aus den Schilddrüsenkontrollen mit Stand von Ende Juni. Es handelt sich um einen Teil der nunmehr dritten Screening-Runde, die im Jahr 2016 begann.

Im Vergleich zum letzten Bericht von Ende März gab es einen neuen Krebsfall und zwei Verdachtsfälle. Damit steigt die Zahl der Krebsfälle innerhalb dieser laufenden Testreihe auf insgesamt drei bestätigte, sowie vier Verdachtsfälle.

Seit 2011 werden alle Personen aus der Präfektur Fukushima diesen Schilddrüsentests unterzogen, sofern sie zum Zeitpunkt der Kraftwerkskatastrophe nicht älter als 18 Jahre waren.

Nimmt man die Ergebnisse der beiden abgeschlossenen Reihen, sowie die bisherigen Ergebnisse der dritten Untersuchungsreihe zusammen, gibt es bislang 154 bestätigte Fälle von Schilddrüsenkrebs, sowie 39 Verdachtsfälle.

Weitere Zahlen betreffen die externe Strahlungsbelastungen innerhalb der ersten vier Monate nach den Kernschmelzen. Demnach wurden 62,2 Prozent von 464.420 Personen einer Belastung von weniger als einem Millisievert ausgesetzt.

Davon ausgenommen wurden lediglich Arbeiter, die aus beruflichen Gründen verstärkten Kontakt zu radioaktivem Material haben. Die diesbezüglichen Untersuchungen zeigen somit wenig Änderung im Vergleich zu vorigen Ergebnissen.

Daher kam man an der Universität  zu dem Schluss, dass gesundheitliche Folgen aufgrund der externen Strahlungsbelastung nur schwer vorstellbar seien. Über die aktuellen Zahlen berichteten Präfekturmedien.

Entschädigungsurteil gegen TEPCO und Regierung angefochten

In einer unerwarteten Wendung haben sowohl die Beklagten, als auch die Kläger, Berufung gegen ein Gerichtsurteil eingelegt, mit dem die japanische Regierung und der AKW-Betreiber TEPCO zur Zahlung von Entschädigungsgeldern verurteilt worden waren.

Nach der gestern erfolgten Anfechtung des bisherigen Urteils, wird der Sachverhalt nun an die nächste übergeordnete Instanz weitergereicht. Die Kläger stimmten der Anfechtung zu – wenn auch aus anderen Gründen.

Während sich die Regierung und TEPCO zu Unrecht verurteilt sehen, zeigen sich die Kläger mit der gewährten Entschädigungssumme unzufrieden. Zudem seien einige Umstände nicht berücksichtigt worden.

Es ist allerdings auch nicht das erste Mal, dass ein Entschädigungsschuldspruch nicht widerstandslos akzeptiert wird. Es gab bereits zwei ähnliche Fälle in denen Kläger und Beklagter protestiert hatten. In einem Urteil wurde die Entscheidung der Vorinstanz bestätigt.

Über diese Entwicklung berichteten NHK sowie Präfekturmedien.