Start Aktuelles Fukushima aktuell: Zweites Kraftwerk sendet keine Daten an Überwachungssytem

Fukushima aktuell: Zweites Kraftwerk sendet keine Daten an Überwachungssytem

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Artikelbild: Fukushima Daini (Foto: TEPCO)
Stilllegung des AKW Fukushima Daini gefordert (Foto: TEPCO)

In den Fukushima News ist das Zweite der Kraftwerke in Fukushima heute von besonderem Interesse, hier kam es zu technischen Störungen. Die mögliche Akzeptanz der Verklappung radioaktiver Abwässer ist nun jedoch ebenso Thema, wie Erklärungen von TEPCO zum jüngsten Castor-Problem.

Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. März 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Störung an landesweitem AKW-Überwachungssystem
  • Wasserhochstand-Alarm an Behälter im Bereich H4
  • TEPCO liefert Erklärung für Alarm an Castor-Behälter
  • Einige Fukushima-Fischer akzeptieren Verklappung
  • Lagerung radioaktiver Abfälle auch im Großraum Tokyo

Störung an landesweitem AKW-Überwachungssystem: Wie Japans Atomaufsichtsbehörde NRA mitteilte, war es Donnerstagnacht zu Problemen am „Emergency Response Support System“ (ERSS), einem landesweiten Überwachungssystem, das den Status aller Reaktoren an die Behörde sendet, gekommen.

Aufgrund des Fehlers waren Daten der Reaktoren 2 und 3 des AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) nicht übertragen worden.

Als Reaktion wies die Behörde den Betreiber TEPCO an, den Status der beiden Reaktoren zu faxen. Auffälligkeiten dort gibt es laut NRA nicht, die Temperaturen befänden sich stabil im Normbereich.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Schwierigkeiten mit dem ERSS gibt. Bei der Fukushima-Katastrophe 2011 versagte das System, da es an der Anlage nicht ausreichend Notstromaggregate gab.

Es folgte ein 26 Stunden dauernder Ausfall des AKW-Überwachungssystems im Januar 2012 sowie Probleme im Februar 2013. Über den aktuellen Zwischenfall berichtete die NHK.

Wasserhochstand-Alarm an Behälter im Bereich H4: Im Lagertankbereich H4 wurde um 6:28 Uhr ein automatischer Alarm ausgelöst, der auf hohen Wasserstand in einem der Lagertanks hinwies. Eine Prüfung des Wasserstands von der Deckelplatte des Behälters aus, ergab jedoch keine Abweichungen im Pegel.

Auch am Tank selbst fanden sich keinerlei Hinweise auf ungewöhnliche Entwicklungen. TEPCO geht daher von einer vorübergehenden Störung und damit von einem Fehlalarm aus. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Störungen und Wasserlecks an den Lagertanks gegeben.

So berichteten wir im August 2013 über das bislang schwerste Großleck von 300 Tonnen im Bereich H4. Der Zwischenfall hatte Fragen über die Sicherheit der Lagertanks aufgeworfen.

Zuletzt war es im Februar 2014 zu einem Großleck von 100 Tonnen im Bereich H6 gekommen. Beide Zwischenfälle wurden auf der INES-Skala als „ernste Störfall“ (INES-3) eingestuft.

TEPCO liefert Erklärung für Alarm an Castor-Behälter: Gestern hatte eine Sicherheitsvorrichtung an einem Castor-Behälter der Kraftwerksanlage ausgelöst und auf Schwankungen im Deckelinnendruck hingewiesen hatte.

Zwei Druckmessgeräte hatten unterschiedliche Werte geliefert (Spreadnews berichtete). Nun bietet der Kraftwerksbetreiber eine Erklärung für den Zwischenfall.

Aufgrund des Umstands, dass die Messwerte beider Geräte sich wieder auf einen Wert von 330 Kilopascal eingependelt hatte, nachdem ein Brückenkran im Lager der Castor-Behälter abgestellt worden war, geht das Unternehmen davon aus, dass der Lärm und die damit verbundenen Vibrationen durch den Betrieb des Krans den Alarm ausgelöst hatte.

TEPCO gab bekannt, nun die Möglichkeit von Lärmschutzmaßnahmen zu ermitteln, um derartige Fehlalarme künftig ausschließen zu können.

Einige Fukushima-Fischer akzeptieren Verklappung: Bei einem Treffen in Iwaki (Präf. Fukushima), das von Kraftwerksbetreiber TEPCO und der Behörden für Rohstoffe und Energie (ANRE) ausgerichtet worden war, zeigten sich einige der anwesenden Fischer einer möglichen Verklappung von AKW-Abwässern gegenüber aufgeschlossen.

Tokyo: Traditioneller Fischhändler Foto: KJ
Fischhändler in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Einige der Teilnehmer deuteten eine Bereitschaft an, wenn die Kontrollen auf radioaktives Material im Grundwasser verschärft würden. TEPCO argumentiert, die Ansammlung von radioaktivem Grundwasser und die damit verbundene mögliche Gefährdung für den Pazifik durch Lecks könnte so verringert werden.

Der Leiter des Verbandes der Fischereikooperativen, Tetsu Nozaki erklärte, dies seine eine schwierige Entscheidung, jedoch könne eine Verklappung die Stilllegung der Anlage begünstigen. Eine Entscheidung werde erst gefällt, wenn auf der, für Ende März angesetzten Versammlung der Kooperationsvorsitzenden eine Einigung erzielt wird.

Über die latente Zustimmungen zu den Absichten des Kraftwerksbetreibers, die auch von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA befürwortet werden, berichtete die jiji.

Erste Pläne zur Verklappung im Mai 2013 waren auf starken Widerstand gestoßen, auch bei weiteren Ankündigungen wurden diese Pläne abgelehnt.

Lagerung radioaktiver Abfälle auch im Großraum Tokyo: Das Problem, keinen festen Lagerplatz für kontaminiertes Erdreich, Laub und anderes belastetes Material zu finden, ist nicht auf die drei Katastrophenpräfekturen beschränkt. Mehrere Präfekturen, auch im Großraum Tokyo lagern zumindest vorübergehend derartiges Material ein.

Symbolbild: Atommüllfass (Foto: pd)
Entsorgung kontaminierter Abfälle bleibt Problem (Symbolbild: pd)

So werden beispielsweise in Abiko (Präf. Chiba) mehr als 500 Tonnen an Asche gelagert, die bei der Verbrennung von Dekontaminationsmaterial anfielen. Die Säcke befinden sich in den Gebäuden der Deponie Teganuma – nur wenige hundert Meter von Privathäusern entfernt.

Die Cäsiumwerte der dort gelagerten Abfälle liegen über mehr als 8.000 Becquerel pro Kilogramm und sind daher für eine gesonderte Behandlung vorgesehen.

Allerdings gibt es hier das gleiche Problem wie bei den übrigen 12 Präfekturen, die Ende 2013 insgesamt 140.843 Tonnen kontaminierter Abfälle lagern – es gibt kein Endlager. Die sollen nach dem Willen der Regierung in fünf Präfekturen entstehen – Fortschritte gibt es jedoch nicht.

Für die Präfektur Chiba, in der 3.612 Tonnen zwischengelagert werden, ist für März 2015 eigentlich die Schaffung eines Endlagers vorgesehen, aufgrund der geringen Forschritte fürchten die bislang einlagernden Gemeinden, sie könnten ungewollt zu Endlagern werden.

Ein Großteil des dortigen Materials stammt aus dem Nordteil der Präfektur. Im Zuge der Fukushima-Krise waren dort mehrere Hot Spots – Bereiche erhöhter Strahlung – entdeckt worden.

Saitama ist die einzige Präfektur des Großraums Tokyo, in der offiziell kein kontaminierter Abfall anfiel – allerdings befinden sich dort 245 Tonnen Asche, die von der Präfektur nicht als radioaktiver Abfall klassifiziert wurden, da man fürchtet, für die Entsorgung verantwortlich gemacht zu werden.

Stattdessen hofft man dort, dass die Strahlungswerte bis zu einem Wert sinken, ab dem die Asche an ein Unternehmen zur Entsorgung von Industrieabfällen übergeben und aus der Präfektur heraus transportiert werden kann.

Unterdessen protestieren in den Präfekturen Bürgergruppen gegen die temporäre Lagerung in ihren Wohngebieten. Sie fürchten um die Sicherheit von  Menschen und landwirtschaftlicher Nutzflächen, falls durch eine Naturkatastrophe das Material ins Freie gelangen würde. Über die Probleme berichtete die Asahi Shimbun.

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