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Fukushima aktuell: Zwischenlagerpläne für 2018 in der Diskussion

Abtransport von Dekontaminationsabfällen soll gesteigert werden

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"Furekon" - Säcke mit kontaminiertem Erdreich nahe Okuma (Foto: Copyright by Ai Kon, Fukushima-ken)

Mit den Zwischenlagerplänen für das neue Jahr, steht in den Meldungen aus der Präfektur Fukushima heute die Zukunft an erster Stelle. Weitere Fukushima News betreffen die Forderungen nach einem Gesetz zum schnellen Atomausstieg.

Diese und weitere Meldungen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. Januar 2018.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Landerwerb für Zwischenlager bleibt wichtiges Thema
  • Ex-Premierminister unterstützen Plan für Atomausstiegsgesetz
  • Rassismusvorwürfe gegen geplante Radiosendung
Landerwerb für Zwischenlager bleibt wichtiges Thema

Für den Bau eines Zwischenlagers für radioaktives Erdreich in der Präfektur Fukushima, müssen neben öffentlichem Baugrund auch zahlreiche Privatgrundstücke durch die Regierung gepachtet, oder aufgekauft werden. Das ist ein langwieriger Prozess.

Bei einem gestrigen Treffen zwischen dem Umweltminister und dem Gouverneur der Präfektur Fukushima wurden die aktuellen Zahlen für das Projekt vorgestellt.

So konnten bis Dezember vergangenen Jahres 775 der erforderlichen 1.600 Hektar gesichert werden. Das entspricht 48,4 Prozent der benötigten Gesamtfläche.

Die Kontaktaufnahme zu den Grundstückseigentümern ist nicht immer leicht – einige starben während der Tohoku-Katastrophen 2011 und ihre Angehörigen sind in andere Landesteile verzogen, so dass die Besitzrechte geklärt werden müssen.

Es konnten bislang 1.290 der 2.360 Besitzer erfolgreich durch die Behörden kontaktiert werden (das entspricht einer Rate von 54,7 Prozent). Doch auch über künftige Pläne wurde nach den Gesprächen berichtet.

Nachdem in diesem Fiskaljahr bislang 500.000 Kubikmeter radioaktives Erdreich an den Lagerstandort auf dem Gebiet der Gemeinden Okuma und Futaba gebracht wurden, sollen 2018 nun zusätzlich 1,8 Millionen Kubikmeter folgen.

Die Sicherheit habe dabei absoluten Vorrang, auch wenn man versuche, die behelfsmäßige Zwischenlagerung auf Grundstücken in der Präfektur so schnell wie möglich zu beenden und das Material wann immer möglich wiederzuverwenden.

Der Umweltminister betonte auch die Wichtigkeit durch die öffentlichen Demonstrationsprojekte die Zustimmung zum Recycling von kontaminiertem Erdreich zu erhöhen und weitere „Wiederaufbauposten“ zu schaffen.

Präfekturgouverneur Masao Uchibori betonte die Bedeutung von Dekontamination und übrigen Maßnahmen für die Wiederbelebung der Präfektur Fukushima und erklärte, er hoffe auf eine sorgfältige Arbeit des Umweltministeriums.

Über das Treffen berichteten Präfekturmedien.

Ex-Premierminister unterstützen Plan für Atomausstiegsgesetz

Zwei frühere Premierminister, die nun als Berater für eine Gruppe von Atomkraftgegnern tätig sind, haben in einer heutigen Pressekonferenz bekannt gegeben, dass man den Plan verfolge, bis 2050 einen vollständigen Atomausstieg Japans zu erzielen.

Die Gruppe um die Ex-Premiers  Junichiro Koizumi und Morihiro Hosokawa führen die Fukushima-Katastrophe als Beleg dafür an, dass das Risiko und die Belastung für die Bevölkerung, die durch die Kernkraft bestehen, zu groß seien.

Auch wenn es unter der derzeitigen Regierung vielleicht noch nicht möglich sei, den vollständigen Umstieg auf regenerative Energien zu schaffen, rechne man mit einer Umsetzung der Pläne in naher Zukunft, so Koizumi.

Während Koizumi bekannt gab, die Gruppe sei zur Zusammenarbeit mit allen politischen Parteien bereit und setze auf die Öffentlichkeit, die eine solche Debatte mobilisieren würde, äußerte sich die Regierung ablehnend.

Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga erklärte auf einer gesonderten Veranstaltung, dass man sich um eine Minimierung der Abhängigkeit von Kernkraftwerken bemühe und die Nutzung von erneuerbaren Energien unterstütze.

Sicherheit habe höchste Priorität – an den Neustarts von Reaktoren, die im Rahmen von Kontrollen den Sicherheitsstandards entsprechen, werde man in der Regierung unter Premier Shinzo Abe aber festhalten.

Die Mitte-Links-Oppositionspartei CDP will ein Gesetz zur Abschaffung der Atomkraft bis Ende des Monats ausarbeiten und zeigte sich bereit, Vorstellungen der Atomkraftgegner um Koizumi in das Konzept einzubeziehen.

Der Entwurf für das Gesetz, das einen sofortigen Stopp der Kernkraftnutzung vorsieht, wollen die Aktivisten mit Hilfe der politischen Opposition ins Parlament bringen. Über die Pläne berichteten japanische Medien, darunter die NHK.

Rassismusvorwürfe gegen geplante Radiosendung

Noch vor Beginn der Ausstrahlung sorgt eine Radiosendung des deutschen Senders „Planet Radio“, der vor allem in Hessen ausgestrahlt wird, für kleinere Proteste bei in Deutschland lebenden Japanern.

Stein des Anstoßes ist die Sendung „Mister Mushikawas Ding-Dong“, die ab dem 15. Januar wochentags zwischen 6:00 – 20:00 Uhr ausgestrahlt werden soll. Kritiker werfen den Schöpfern der Sendung Rassismus anhand diskriminierender Stereotypen vor.

Das eigentliche Prinzip des enthaltenen Gewinnspiels ist banal – werden im Laufe des Programms bestimmte Geräusche eingespielt, können Zuhörer anrufen und durch ihre Aufmerksamkeit Preise gewinnen.

Bei der Vorstellung des Programms in einem YouTube-Video werden jedoch die kritisierten Punkte für den Hörer schnell deutlich.

Nach Ansicht der Kritiker zeigen die Wortspiele mit dem Begriff „Mushi“ und der übertriebene asiatische Akzent, sowie die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Ding-Dong“ eine mangelnde Sensibilität für die Befindlichkeiten der Japaner und bediene rassistiche Stereotypen.

Manche Protestler befürchten, auch Vorurteile über Radioaktivität aufgrund der Fukushima-Katastrophe könnten in das Unterhaltungsprogramm der Sendung einfließen und so das Bild weiter verzerren.

Einige Auslandsjapaner in Deutschland wandten sich an den Sender und das japanische Konsulat, um gegen die aus ihrer Sicht unangemessene Darstellung zu protestieren.

Unbestätigten Berichten zufolge soll das Konsulat bereits auf die Zuschriften reagiert und eine formelle Beschwerde beim Sender eingereicht haben.