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Gastbeitrag zu Halloween – Herkunft und Erklärung

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Es wird geliebt oder gehasst, aber nur selten verstanden. Was ist das für ein Fest, über dessen Herkunft man so wenig weiss? Fakt ist: Halloween ist kein Konsumfest und es stammt auch nicht aus Amerika. Es geht zurück auf alte europäische Allerheiligenbräuche und ist den USA nur groß raus gekommen. Jetzt ist es wieder da und erfüllt sogar eine soziale Funktion.

Was hat es mit Halloween auf sich?
Die Menschen im mittelalterlichen England und auch in anderen katholischen Ländern glaubten, dass über Allerheiligen und Allerseelen die Toten noch einmal für zwei oder drei Tage aus dem Fegefeuer zurückkehren würden, um ihre Angehörigen um Fürbitte zu ersuchen. Früher begann der neue Tag nicht Punkt Mitternacht, sondern abends. Deshalb kommt der Nikolaus auch heute noch in vielen Gegenden am Vorabend des 6. Dezembers, und jeder weiß, dass Weihnachten mit dem Heiligen Abend beginnt. Das Wort ‚hallow‘ kommt vom altenglischen ‚halga‘ (Heiliger) und mit e’en sagte man zum Vorabend eines Feiertages. Vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es kein Anzeichen dafür, dass man in Halloween etwas anderes sah als den Abend, an dem die Glocken den Gedenktag der Heiligen einläuteten. Erst danach, mit der Romantik, traten Geister, Hexen und Feen auf den Plan. Heute ist Halloween ein Fest der Phantasie. Hier der Geruch von Schminke, dort der Geschmack von Karamell; überall Kinder und Erwachsene, die ihre Träume feiern und ihre Albträume zum Vorschein bringen.

Das traditionell christliche Fest hat weit mehr zu bieten hat als nur Rüben oder Kürbisse, Süssigkeiten und Spukgeschichten.
Halloween ist das einzige christliche Fest, das in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat. Aber statt es neu für sich zu entdecken, lehnt die Kirche den alten Brauch empört ab. Dahinter steckt die Sprachlosigkeit der modernen Theologie, wenn es um die Frage nach Tod und Auferstehung geht. So ist Halloween eine Art Waisenkind geworden, und Esoteriker, Neuheiden und Satanisten adoptieren es nur allzu gerne. Gefährlich wird es, wenn aus dem bunten Treiben eine schwarze Inszenierung des Bösen wird.

Soziale Funktion
Statt vor grimmigen Kürbisfratzen zu warnen und gegen bunte Papierhexen zu wettern, sollten sich die Gegner des wiederentdeckten Fests die soziale Komponente von Halloween neu vor Augen führen. Es würde etwas verloren gehen, wenn das Fest plötzlich aus dem Kalender verschwände, denn auch in ländlichen Regionen wachsen heute Kinder heute auf, ohne die Namen der Nachbarn zu kennen. Die Entfremdung, die für Erwachsene unangenehm ist, macht Kindern Angst. Mit Fremden spricht man nicht. Vielleicht sind sie böse. Aber auch Erwachsene, die selber keine Kinder haben, empfinden Misstrauen.
Durch das Halloweenfest kann dieses Misstrauen ausgetrieben werden. Das Trick or treat ist keine Bedrohung, und vor der Tür stehen keine Missetäter. Das Trick or treat kommt von verkleideten Kindern, die sich getraut haben, an fremde Türen zu klopfen. So gesehen handelt es sich dabei um eine Einladung, Ängste zu überwinden und sich ein bisschen weniger fremd zu werden.
Wer sich zu Halloween als Skelett oder Geist verkleidet, demonstriert darüberhinaus eine gehörige Portion Respektlosigkeit, gegenüber dem Tod, der durch die unendliche Liebe Gottes seine Gewalt über uns verloren hat. „Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?“ (1Kor 15,54-55).

Über den Autor:

Rainer Beel; Studium der Theologie, Anglistik und Pädagogik an der Universität – GH Siegen und Justus-Liebig-Universität Gießen;
www.beel-online.com/Halloween.html
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Gastbeiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Spreadnews behält sich vor, Leserbeiträge zu kürzen.

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