Gelungenes Japan-Festival 2016 in Berlin

Gelungenes Japan-Festival 2016 in Berlin

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Artikelbild - Japan Festival 2016 (Foto: Copyright by Ronny Rose)
Artikelbild - Japan Festival 2016 (Foto: Copyright by Ronny Rose)

Am 23. und 24. Januar 2016 fand in Berlin das nunmehr 11. Japan Festival in der Urania statt. Weshalb es durchaus zu Unrecht im Schatten des Japan-Tages NRW in Düsseldorf steht, lässt sich aus dem Bericht unseres Redakteurs entnehmen, der für Spreadnews vor Ort war.

Das Japan Festival hat einiges mit japanischen Großstädten gemein. In beiden Fällen bewegen sich viele Menschen auf engem Raum und dennoch gibt es stille Refugien und Rückzugsorte, die einen Eindruck von der Tradition des Landes vermitteln.

Auch die sprichtwörtliche Kundenfreundlichkeit der Japaner lässt sich sowohl in Japan, als auch auf dem Festival in Berlin finden. Wir bieten ihnen nun einen Einblick in zwei Tage, die ganz im Zeichen von “Japan an der Spree” standen.

Durch diese hohle Gasse…

Wie sich aus der Einleitung bereits erahnen lässt, ist die Veranstaltung nichts für Menschen mit Raumangst, oder Sozialphobie.

Japan Festival 2016 (Foto: Copyright by Ronny Rose)
Japan Festival 2016: Ein Moment der Ruhe in der Merchandising Rush Hour (Foto: Copyright by Ronny Rose)

Insbesondere jene Verkaufsbereiche in denen Cosplaybedarf und Merchandising angeboten wurden, wirkten wie ein geschäftiger Basar, bei dem man nicht so recht weiß, ob es dort mehr Waren, oder Kunden gibt.

Trotz der teilweise beengten Zustände, die sich mit fortschreitender Stunde jedoch lichteten, herrschte unter den Besuchern ein rücksichtsvolle Atmosphäre – man stand ja irgendwie auf der selben Stufe.

Über sieben Treppen musst du gehen

Wer alle Aspekte des Japan Festivals erleben will, sollte eine robuste Konstitution haben – denn anders als in großen Messehallen verteilen sich in der Urania die Schauplätze über mehrere Etagen, die über großzügig angelegte Treppen zu erreichen sind.

Doch der Aufwand lohnt sich und der Besucher wird für seine Bemühungen mit der Vielfalt japanischer Kultur belohnt.

In den Sälen boten dynamische Kampfkunstvorführungen und Taiko-Trommeln der Gruppe “Tengu Daiko” ebenso einen Einblick, wie das Ensemble Nagomi mit japanischem Chorgesang, oder eine Lolita Fashion Show, die moderne Mode-Aspekte der japanischen Kultur visuell in Szene setzte.

Wann immer man den kulinarischen Verlockungen und dem Shopping-Wahn widerstehen konnte, wurde man mit einem der zahlreichen Kulturprogramme auf den Bühnen belohnt.

Handwerk und Kommerz

Wie in Japan selbst, war auch auf dem Festival der Schritt von der traditionellen Handwerkskunst hin zu den Produkten des modernen Merchandising nicht weit – teils bedurfte es nur weniger Schritte oder Stufen, um Welten aufeinandertreffen zu sehen.

Japan Festival 2016: Lackwaren und Küchenbedarf (Foto: Copyright by Spreadnews.de)
Japan Festival 2016: Lackwaren und Küchenbedarf (Foto: Copyright by Spreadnews.de)

Während einige Besucher ihr Augenmerk auf Teekeramik und Lackprodukte, wie etwa Suppenschalen richteten, stand insbesondere den jüngeren Anwesenden der Sinn eher nach den Erzeugnissen mit Bezug zur Popkultur des asiatischen Landes.

Vermutlich dürfte fast jeder das für sich passende Objekt gefunden habe. Antike Möbel, Kimono, Bonsai, oder Suiseki erfreuten das Herz der Traditionalisten, während Fans von Anime sich über “Nemu Neko” Plüschkissen und Cosplaybedarf freuen konnten.

Einblicke in die japanische Wohnkultur bot der Online-Händler Japanwelt.de, in dessen kleiner Ecke sich Tatami, Bodenstühle (Zaisu) und geflochtene runde Sitzkissen (Enza) entdecken ließen.

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen

Beim Treppensteigen verbrannte Kalorien konnten auf vielfältige Weise wieder zugeführt werden. So unterschätzt man leicht den Sättigungswert eines Onigiri – jener in ein Algenblatt gewickelten Reisdreiecke, die als Imbiss auch in Deutschland zunehmend beliebter werden und etwa von Nigi Berlin angeboten werden.

Japan Festival 2016: Süßwaren und Bento-Lunchboxen (Foto: Copyright by Spreadnews.de)
Japan Festival 2016: Süßwaren und Bento-Lunchboxen (Foto: Copyright by Spreadnews.de)

Wem weniger an Mahlzeiten, oder dem Löschen des Durstes gelegen war, der konnte sich an der Verköstigung von japanischem Sake, oder einem Grüntee erfreuen.

Tatsächlich zeigten Aussteller wie Matcha-Matcha Berlin und Chasen.de dass dieses traditionelle Getränk weit mehr sein kann, als ein bitterer Aufguss aus einfachen Teebeuteln.

Strahlende Tasse, aromatischer Duft und im Fall des Matcha feiner Schaum, dürften vielen Besuchern neue Eindrücke des Heißgetränks verschafft und einen Moment der Ruhe vermittelt haben.

Freunde von Süßwaren und Bäckereiprodukten kamen ebenfalls nicht zu kurz – dafür sorgten nicht nur die Matcha-Süßspeisen der Teeanbieter, denn mit der japanischen Bäckerei Kame verfügt Berlin über eine kulinarische Attraktion, die man eher in Düsseldorf erwarten würde.

In der Ruhe liegt die Kraft

Das Spiel der Bambusflöte Shakuhachi wird in Form des”Suizen”, als Meditation des Praktizierenden verstanden, doch auch die Zuhörer konnten sich des beruhigenden Klangstroms nicht erwehren, der von Shakuhachi-Spieler Patrick Urban durch kurze Erläuterungen ergänzt wurde.

Um so bemerkenswerter war der Umstand, dass sich der dynamische Stil der Tsugaru-Musik, den die Gruppe des Shamisen Berlin e.V. darauf folgen ließ, nahezu harmonisch in die zuvor geschaffene Atmosphäre einfügte.

Japan Festival Berlin 2016: Mitglieder des Shamisen Berlin e.V. (Foto: Copyright by Spreadnews.de)
Japan Festival Berlin 2016: Mitglieder des Shamisen Berlin e.V. (Foto: Copyright by Spreadnews.de)

Dies war sicher nicht allein dem Umstand zu verdanken, dass das Volkslied “Sakura, Sakura” zunächst von Patrick Urban auf der Shakuhachi gespielt wurde, bevor die Shamisen-Gruppe ihre Instrumentierung des Stücks zum besten gab.

Die Gruppe japanisch-deutscher Musikerinnen entlockten dem dreisaitigen Lauteninstrument eine große Vielfalt an Klängen, die Personen, welche zuvor keinen Kontakt mit dem Instrumenten, durchaus verblüfft haben dürfte.

Definitiv einer der ausdrucksstärksten Auftritte während des Festivals.

Fazit

Viel ließe sich noch schreiben über das diesjährige Japan Festival, seine Shows, Attraktionen und die zahlreichen Angebote – aber kommen sie beim nächsten doch einfach selber mal nach Berlin.

In jene Stadt, die nicht nur “arm aber sexy” ist, wie der ehemalige Bürgermeister Klaus Wowereit sagte – sondern manchmal eben auch ganz nah dran, am fernen Japan.

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrter Herr Proll,
    herzlichen Dank für diesen herzerfrischenden Artikel, der durchaus das Treiben beim Japanfestival widerspiegelt. Ich selbst war Aussteller und habe den Zweig der Eiermaler vertreten. Anders, als die sorbischen Eier findet man hier ganze Landschaften aus Japan auf einem Ei. Neben dem Verkauf gab es viele schöne Gespräche. Da ich selbst fast jedes Jahr in Japan bin, konnte ich den einen oder anderen Tipp an meine Kunden weitergeben. Viele der Kunden planen einen Urlaub in Japan, was mich sehr freut. Das Japanfestival hat dazu letztlich beigetragen. Viele Aussteller haben eine sehr enge Beziehung zu Japan und sind mit ihrem Herzen ganz nah dran “KOKORO”.
    Ich hoffe sehr, dass 2017 mindestens genau so schön wird. Ich freue mich jedenfalls unheimlich drauf.
    Kerstin Lucas

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