Japan aktuell: 22 Hot Spots in Gebäuden der Präfektur Fukushima entdeckt

Japan aktuell: 22 Hot Spots in Gebäuden der Präfektur Fukushima entdeckt

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Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)

Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Fukushima: Hotspots auch in Gebäuden entdeckt (Foto: pd)

Nicht immer sind Meldungen, die aus der Präfektur Fukushima aktuell bekannt werden besonders spektakulär. Denn anders als die sichtbaren Auswirkungen des Tohoku-Erdbebens und des damit verbundenen Tsunami, ist von den Folgen der Fukushima-Katastrophe meist wenig zu sehen – auch wenn die Gefahr durch Radioaktivität ständig präsent ist.

Immer wieder neue Berichte, Erklärungen und Eingeständnisse von Regierung und Betreiberseite machen jedoch unter anderem nicht nur das Ausmaß des Problems, sondern auch die Versäumnisse deutlich, die beim Krisenmanagement gemacht wurden.

Mehr Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. Februar 2012.

Viele der 27 Hotspots in Fukushima sind Gebäude: Einem heutigen Zwischenbericht der Regierung in Tokyo sowie der Präfekturalregierungen zufolge, wurden in der Präfektur Fukushima bei der Prüfungen von bislang 150 getesteten Stellen, insgesamt 27 Punkte mit erhöhter Radioaktivität, als so genannte Hotspots entdeckt. In 22 Fällen handelt es sich um Gebäude, bei deren Bau radioaktiv kontaminiertes Gesteinsmaterial verwendet worden war. Die Überprüfungen sollen bis Ende März gänzlich abgeschlossen sein, meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Die Untersuchungen waren eingeleitet worden, nachdem im vergangenen Monat in einem Wohnkomplex in Nihonmatsu ungewöhnlich hohe Werte an Strahlung gemessen, und als Ursache einen Steinbruch in Namie ausgemacht werden konnte, aus dessen Kiesgrube das stark belastete Material geliefert wurde. Der dort gewonnene Kies wurde an über 1.000 Abnehmer geliefert, die das Gestein als Grundlage für Zement in mehreren Bauprojekten verwendeten.

Atomsicherheit entschuldigt sich für mangelhafte Regelungen: Haruki Madarame, Kopf von Japans Atomsicherheitskomission erklärte am heutigen Mittwoch,  die Richtlinien der Regierung für nukleare Sicherheit müssten überprüft werden und räumte zudem ein, dass die Regelungen in vielen Punkten mangelhaft seien. Damit beantwortete er eine Reihe von Fragen der unabhängigen Untersuchungskommission für den Atomunfall in Fukushima.

Er entschuldigte sich zudem für den unzureichenden Wortlaut der Richtlinien im Bezug auf Maßnahmen gegen Tsunami und unpassende Formulierungen die keine Notwendigkeit, auf langfristigen Ausfall der Stromversorgung vorbereitet zu sein, vorsehen.

Madarame äußerte sich zudem über die Handhabung der Daten eines Systems, das die Ausbreitung radioaktiven Materials berechnet. Er erklärte, es sei ein Missverständnis, wenn man behaupte, dass bei einer früheren Veröffentlichung eine schnellere Evakuierung möglich gewesen wäre. Allerdings hätten die Daten in der Tat zu einem früheren Zeitpunkt des Unglücks publik gemacht werden müssen.

Neben Madarame war auch Nobuaki Terasaka, früherer Vorsitzender der NISA beim Treffen anwesend, um Fragen zu beantworten. Dieser fügte den Ausführungen seines Vorredners hinzu, es täte ihm leid, dass der Krisenstab der Atomkatastrophe keine Aufzeichnungen seiner Treffen angelegt habe.

Terasaka, der während der Akutphase des Unglücks Generalsekretär des Krisenstabs war, erklärte, man arbeite jedoch daran Aufzeichnungen der Treffen aus Zusammenfassungen von Aktennotizen und Vermerken die verfügbar seien, zu rekonstruieren. Das berichtet die NHK.

Insgesamt verfüge die NISA, verglichen mit Regierungsbehörden in anderen Staaten über unzureichende Fachkompetenz und Kentnisse. Auf die Frage, warum er vom Beginn der Krise an, nicht im Büro des Premierministers anwesend war, entgegnete Terasaka, er sei der Ansicht gewesen, dass eher eine Person mit technischen Kenntnissen dort bleiben solle und sei in das Ministerium zurückgekehrt, während Vize- Generaldirektor Eiji Hiraoka im Büro verblieb, berichtet die jiji.

Stadt in Präfektur Fukushima bietet Zwischenlager an: Unter Berufung auf mit den Angelegenheiten vertrauten Quellen berichtet die Nachrichtenagentur jiji heute, der Bürgermeister von Naraha, einer Stadt im Landkreis Futaba, habe vorgeschlagen, zwei Zwischenlager für radioaktiv belastete Abfälle im Landkreis anzulegen. Bürgermeister Takashi Kusano habe diesen Vorschlag dem Minister für Wiederaufbau, Tatsuo Hirano, bei einem Treffen am Sonntag vorgelegt.

Den Quellen zufolge habe Kusano vorgeschlagen, eines der Zwischenlager in der Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi anzulegen, während das zweite Lager in der Nähe von Fukushima Daini eingerichtet werden könnte. Die Anlage von Fukushima 2 befindet sich sowohl im Gemeindebereich der Stadt Naraha, als auch der Stadt Tomioka.

Hirano habe sich zu dem Vorschlag nicht geäußert heisst es, da die Regierung in Tokyo jedoch ohnehin die Schaffung von Zwischenlagern in diesem Landkreis anstrebt und nach wie vor bei örtlichen Verwaltungen im ganzen Land versucht, für die Akzeptanz der Übernahme kontaminierter Abfälle zu werben, dürfte ein derartiges Angebot nicht gänzlich unwillkommen sein.

Erdbeben in Präfektur Fukushima: Um 15:28 Uhr Ortszeit wurde die Präfektur Fukushima von einem Erdbeben der Stärke 4,7 erschüttert. Das Epizentrum habe sich in 40km Tiefe befunden, berichtet die japanische Wetterbehörde. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht herausgegeben.

Bereits am Dienstagabend hatte sich in der Präfektur Nagano gegen 21:40 Uhr Ortszeit ein Erdbeben ereignet, dessen Stärke mit 3,5 angegeben wird. Das Beben hatte seinen Ausgangspunkt in etwa 10km Tiefe im Nordteil der Präfektur. Die japanische Wetterbehörde gab keine Tsunami-Warnung aus. In derselben Präfektur war es Anfang des Monats zum Einsturz einer durch Erdbeben beschädigten Brücke unter der Last des dortigen Schnees gekommen.

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