Start Aktuelles Japan aktuell: Abdeckung an Fukushima-Reaktor 3 erweitert

Japan aktuell: Abdeckung an Fukushima-Reaktor 3 erweitert

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Fukushima-Reaktor 3: Neue Abdeckung am 25. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Neue Abdeckung am 25. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Neue Abdeckung am 25. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Neue Abdeckung am 25. Mai 2013 (Foto: TEPCO)

Der Zwischenfall an einer Nuklearforschungseinrichtung hat möglicherweise weitergehende Folgen für die Betreiber.

Dagegen hat der Betreiber des AKW Fukushima heute vergleichsweise angenehme Nachrichten, berichtet er doch über Fortschritte bei Arbeiten an einem Reaktor.

Trotz dieser positiven Fukushima News dürfte die Ankündigung mehrerer japanischer AKW-Betreiber einen Neustart für Reaktoren zu beantragen, nicht nur bei überzeugten Atomkraftgegnern für Stirnrunzeln sorgen. Mehr zu dem, was am AKW Fukushima aktuell geschah, als auch zu den übrigen Meldungen, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Mai 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Neue Abdeckungen an Fukushima-Reaktor 3
  • Mehrere AKW-Betreiber wollen Neustarts beantragen
  • Zahl verstrahlter Mitarbeiter am J-PARC gestiegen
  • JAEA wird zu Reformen gedrängt
  • Zonenmodell für letzte Fukushima-Gemeine in Kraft

Neue Abdeckungen an Fukushima-Reaktor 3: Am 22. April war der Schutz über dem Abklingbecken und der Luke des Ausgleichsbehälters von Reaktor 3 angebracht worden. Wie TEPCO am Dienstag veröffentlichtem Material zeigt, wurde diese Abdeckung über dem Abklingbecken erweitert und der Schutz über der Luke des Ausgleichsbehälters ersetzt bzw. verstärkt.

Fukushima-Reaktor 3: Computersimulation zeigt verbliebene Trümmer und Stahlträger (rot) auf der Ostseite  (Grafik: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Computersimulation zeigt verbliebene Trümmer und Stahlträger (rot) auf der Ostseite (Grafik: TEPCO)

Dies soll nach Angaben des Betreibers TEPCO, diese Bereich vor Trümmern schützen, die bei der Entfernung von Teilen der früheren Strukturen im Obergeschoss, insbesondere von verbliebenen Stahlträgern auf der Ostseite, möglicherweise herabstürzen könnten.

TEPCO begleitet diese Erklärungen mit einer Reihe von Vorher-Nachher-Aufnahmen, die den unterschiedlichen Zustand der Abdeckungen dokumentieren sollen. Computersimulationen zeigen dagegen, wo sich noch Trümmer und Stahlträger befinden und welche Bereiche nun durch die neue Abdeckung besser geschützt werden.

Mehrere AKW-Betreiber wollen Neustarts beantragen: Vier von zehn Betreiberfirmen planen nach dem Inkrafttreten der neuen Sicherheitsrichtlinien der Regierung am 18. Juli 2013, eine Neustartgenehmigung für mehrere Reaktoren zu beantragen. Das ist das Ergebnis einer gestern von der NHK durchgeführten Befragung von zehn Energiekonzernen, die Kernkraftwerke betreiben.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Energiekonzerne wollen AKW-Neustarts beantragen (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Auch wenn die Elektrizitätsanbieter teilweise noch die Risiken durch Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche oder Tsunami kalkulieren, um eine möglicherweise erforderliche Anpassung der Sicherheitsmaßnahmen zu ermitteln, gaben vier AKW-Betreiber an, gleich für mehrere Reaktoren eine Genehmigung zum erneuten Hochfahren bei der Regierung zu beantragen.

Während Shikoku Electric lediglich den Neustart eines Reaktors plant, wollen sowohl Kansai Electric, als auch Kyushu Electric, jeweils zwei Reaktoren wieder hochfahren. Hokkaido Electric will sogar eine Neustarterlaubnis für drei Reaktoren erhalten.

Doch vor den Neustart hat die Regierung entsprechende Sicherheitskontrollen gestellt und auch wenn es sich bei allen Anlagen nicht um Siedewasser-Reaktoren, wie sie am AKW Fukushima Daiichi genutzt worden, sondern um Druckwasserreaktoren handelt, werden Inspektoren der Atomsicherheitsbehörde NRA die Einhaltung und Umsetzung der neuen Sicherheitsstandards kontrollieren.

Gegenwärtig sind landesweit nur zwei Reaktoren am Kernkraftwerk Oi in Betrieb, die im Juli 2012 trotz Protesten von Atomkraftgegnern und Anwohnern wieder hochgefahren worden waren. Da die Möglichkeit besteht, dass die Anlage auf einer aktiven Verwerfung liegt, ist ihr langfristiges Schicksal nach den neuen Richtlinien unklar.

Zahl verstrahlter Mitarbeiter am J-PARC gestiegen: Nach den letzten Tests, die an 55 Beschäftigten der Nuklearforschungseinrichtung J-PARC in Tokai durchgeführt worden waren, ist die Zahl der Personen, die von inkorporierter Radioaktivität betroffen sind, auf 33 Personen angestiegen.

Vergangene Woche war es am Donnerstag zu einem Zwischenfall in einem Forschungslabor gekommen. Durch eine nachlässige Fehleinschätzung und fehlende Filter in der Lüftung, war radioaktives Material aus dem Labor in weitere Teile des Komplexes gelangt. Die Behörden waren erst verspätet in Kenntnis gesetzt worden.

Die höchste nachgewiesene Strahlungsbelastung beträgt 1,7 Millisievert und überschreitet damit zumindest den Grenzwert von einem Millisievert für den normalen Bürger. Bei 19 der 55 Personen konnte keine inkorporierte Strahlung nachgewiesen werden.

Zu den 55 Personen in der Einrichtung gehören neben Wissenschaftlern der Atombehörde JAEA und der „High Energy Accelerator Research Organization“, die gemeinsam die Forschungseinrichtung betreiben, auch Studenten mit Hochschulabschluss, die sich dort weitergehend akademisch qualifizieren. Das berichtet die jiji.

Nach einem Besuch der Anlage am gestrigen Montag kritisierte Hideki Niwa, Vize-Minister für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT), dass die Forscher im Bezug auf Strahlung zu sorglos gewesen seien und drängte die Betreiber dazu, eine Wiederholung eines derartigen Ereignisses zu verhindern.

JAEA wird zu Reformen gedrängt: Für Japans Atomenergiebehörde JAEA, die sowohl Sicherheitskontrollen an wichtigen Teilen des Forschungsreaktors Monju nicht durchführte, als auch am jüngsten Zwischenfall an einer Nuklarforschungseinrichtung beteiligt war, sollen nun umfassende Reformen anstehen.

Wissenschaftsminister Hakubun Shimomura kündigte gegenüber der Presse die Bildung einer Taskforce an, die sich mit umfassenden Reformen der JAEA befassen und Möglichkeiten zur Anpassung von Struktur und Vorgehen der Organisation ausarbeiten wird, die dafür sorgen sollen, dass künftig der Sicherheit oberste Priorität eingeräumt wird.

Darüber hinaus sollen die Betreiber von Beschleunigern in ganz Japan ihre Notfallrichtlinien und Sicherheitskonzepte überprüfen. Die „High Energy Accelerator Research Organization“ (KEK) die am Forschungszentrum J-PARC mitwirkt, wurde ebenfalls angewiesen, ihr Sicherheitsmanagement zu prüfen und die Ergebnisse dem Ministerium zu melden.

Über die aktuellen Schritte berichteten etwa  jiji und NHK.

Zonenmodell für letzte Fukushima-Gemeine in Kraft: Mit Futaba hat nun auch die letzte der Gemeinden, die bislang im 20-Kilometer-Sperrgebiet um das AKW Fukushima Daiichi lagen, das Drei-Zonen-Modell eingeführt. Die Regierung hob am heutigen Dienstag den Status als Sperrgebiet für die Stadt auf.

Dieses Zonenmodell teilt die neun betroffenen Gegenden anhand des Strahlungsniveaus in drei Zonen. Deren durchschnittliche Strahlung hat Auswirkungen auf  die Rückkehrmöglichkeiten der Einwohner, so dass in einigen Gemeinden einzelne Ortsteile zumindest tagsüber besucht werden dürfen.

Für die einst 6.520 Einwohner der jetzigen Geisterstadt Futaba bringt diese Umstrukturierung, zählen doch 96 Prozent der Gemeinde zu der Zone, die aufgrund einer Strahlung von mehr als 50 Millisievert pro Jahr langfristig nicht bewohnbar sein wird. Hierüber berichteten etwa Kyodo, jiji und Asahi Shimbun.

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