Start Aktuelles Japan aktuell: Abwässer aus AKW Fukushima sollen ins Meer geleitet werden

Japan aktuell: Abwässer aus AKW Fukushima sollen ins Meer geleitet werden

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Fukushima-Notfallübung bei Nacht: Notstromversorgung am 7. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Notfallübung bei Nacht: Notstromversorgung am 7. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Notfallübung bei Nacht: Notstromversorgung am 7. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Notfallübung bei Nacht: Notstromversorgung am 7. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)

An Jodo-e dem Erleuchtungstag des historischen Buddha, der in Japan am 8. Dezember gefeiert wird und dem in einigen Zen-Klöstern eine mehrtägige Periode besonders intensiver Meditationspraxis vorausgeht, wünschte man sich vielleicht doch,von positivere Meldungen berichten zu können, als in den vergangenen Tagen. Doch was aus Fukushima aktuell zu hören ist, bietet weiterhin keinen Anlass zur Freude.

Während der Energiekonzern TEPCO mit Pressefotos von Notfallübungen bei Nacht möglicherweise demonstrieren will, dass man auf alle Eventualitäten vorbereitet ist (siehe Foto oben), zeigt die jüngste unkontrollierte Freisetzung von radioaktiven Abwässern, dass dem keineswegs so ist. Somit ist auch der Zeitpunkt für die Bekanntgabe des Vorhabens, dekontaminiertes und damit vermeintlich sicheres Wasser kontrolliert einzuleiten, denkbar ungünstig gewählt. Weitere Fukushima News und sonstige Nachrichten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. Dezember 2011.

TEPCO will Wasser aus Fukushima ins Meer ablassen: Der Poesie der Namen wenig zugänglich, versucht man in Japan auf bewährte Weise der großen Mengen radioaktiven Abfalls nun Herr werden zu können. Nachdem Japan mit Yumenoshima, der künstlichen „Trauminsel“ bereits zeigte, was man aus in die Bucht gekippten Abfall machen kann, überlegt TEPCO nun offenbar im Fall von Fukushima, der „Glücksinsel“ ähnlich zu verfahren. So steht nach wie vor die Überlegung im Raum, die bei den Dekontaminationsarbeiten abgetragenen Erdschichten sowie sonstigen radioaktiv belasteten Schutt in geeigneten Behältern im Meer zu lagern.

Nun kündigte TEPCO an, beim Lagerungsproblem radioaktiv belasteten Wassers ebenfalls auf das Meer als Lösung zurückzugreifen – und erneut Abwässer des AKW in den Ozean zu leiten. Hintergrund dieses Plans ist der Umstand, dass durch den zirkulierenden Kühlkreislauf, zwar ein Teil des in den Reaktor gespeisten Kühlwassers dekontaminiert und erneut verwendet werden kann, dennoch ist die Lage in den Kellern der Turbinengebäude aufgrund des weiterhin durch Risse nachfliessenden Wassers von täglich 200 bis 500 Tonnen pro Tag.  praktisch unverändert,

Da die angesammelten Wassermengen das Maß, das für die Kühlung der Reaktoren benötigt wird übersteigt, muss das von dort abgepumpte Wasser dekontaminiert und anschließend in Wassertanks gelagert werden. Um Platz für diese Mengen an Wasser zu schaffen wurde auf ein riesiges Tankfloß zurückgegriffen und die Abholzung von Baumbeständen angeordnet um dort Wassertanks lagern zu können. Auch wurde schwach radioaktives Wasser bereits mit Schläuchen versprüht – zur Brandprävention wie es hieß (Spreadnews berichtete).

Um Abhilfe zu schaffen will der Betreiber der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, wie bereits zuvor geschehen, erneut Wasser kontrolliert ins Meer ablassen, versichert jedoch, lediglich abgepumptes Wasser das zuvor ausreichend dekontaminiert wurde und dessen verbliebener Gehalt radioaktiver Substanzen den gesetzlich vorgegebenen Grenzwerten entspreche, in den Ozean einzuleiten.

Während TEPCO also argumentiert, bei einem gleichmäßigen Verlauf wären die bisherigen Lagerungskapazitäten bis zum März erschöpft und das Unternehmen daher Platz für stärker belastete Abwässer schaffen will, meldete der japanische Fischereiverband bereits starke Bedenken gegen das Vorhaben an. Ein derartiges Vorgehen könne aus Angst vor Radioaktivität zu einem Rückgang des Verzehrs von Fisch führen und mit Einbußen beim Fischereigeschäft einen großen japanischen Industriezweig schädigen. Auch das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), dem unter anderem auch die Atomenergiesicherheitsbehörde NISA untergeordnet ist, wird sich voraussichtlich mit den Plänen des Konzerns beschäftigen müssen.

In Anbetracht, dass neben dem kontrollierten Ablassen bereits unabsichtlich radioaktive Abwässer ins Meer gelangt waren, die zuletzt sogar Strontium enthielten, ist die Skepsis der Betroffenen durchaus verständlich. Der Asahi Shimbun zufolge berichtete TEPCO, ursprünglich sei man von 45 Tonnen freigesetzten Wassers ausgegangen, es habe sich jedoch lediglich um 15 Tonnen gehandelt. Hiervon seien 240 Liter durch den Riss in einer Betonwand gedrungen, 90 Liter hätten sich im Gebäude angesammelt in dem die Anlage untergebracht ist und 150 Liter seien ins Meer gelangt.

Bei einem Treffen zwischen dem Vorsitzenden des nationalen Fischereivereinigung, Ikuhiro Hattori und dem Präsidenten des Energiekonzerns TEPCO, Toshio Nishizawa, wurde dem Unternehmen die Bedenken vorgebracht und dieser erklärte, man werde entsprechende Maßnahmen treffen, welche die Proteste berücksichtigen.

Doch zumindest die japanische Fischereibehörde ist für Tierschützer ebenfalls nicht ohne Tadel, denn wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace mitteilte, habe die Behörde eingeräumt, Teile der Hilfsgelder für den Wiederaufbau nach den Naturkatastrophen vom März stattdessen in den Walfang investiert zu haben.

Reaktor im AKW Mihama wegen Wasserleck abgeschaltet: Wie die NHK meldet, hat Kyushu Electrics, der Betreiber des Kernkraftwerks Mihama in der Präfektur Fukui einen der drei Reaktoren des dortigen AKW abgeschaltet. Grund hierfür ist ein seit Anfang November existierende undichte Stelle an einem Ventil des Druckbehälters wo radioaktives Wasser in einen Auffangbehälter gelangt.

Da das Risiko besteht, das Wasser könne die Verarbeitungskapazität des Behälters überschreiten, habe man Mittwochnacht damit begonnen, den Reaktor 2 von Hand herunterzufahren. Der Vorgang sei am Donnerstag um vier Uhr früh abgeschlossen gewesen. Die Flüssigkeit sei dabei lediglich im Behälter gesammelt, eine Gefahr für die Umwelt bestehe nicht. Der Reaktor, der 1972 in Betrieb genommen wurde, sollte am 18. Dezember für Standardüberprüfungen heruntergefahren werden.

Weiterer belasteter Reis in Präfektur Fukushima gemeldet: Nachdem in Reis aus Date und Teilen des Stadtgebiets von Fukushima teilweise Überschreitung des zulässigen Grenzwerts von 500 Becquerel pro Kilogramm entdeckt worden waren, meldete die Präfekturleitung von Fukushima gestern einen weiteren Fund. Bei in Nihonmatsu geerntetem Reis konnte eine Belastung mit radioaktivem Cäsium von 780 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen werden. Der Reis aus Nihonmatsu sei jedoch nicht in den Handel gelangt, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Demonstration gegen die "Giftgas-Sekte" Omu Shinrikyo im Jahr 2009 (Foto: pd)

Genehmigung zur Überwachung der Giftgas-Sekte verlängert: Die Prozesse gegen Mitglieder der Sekte Ōmu Shinrikyō (fälschlich „Aum-Sekte“ genannt) endeten offiziell am 21. November –  doch am 28. November reichte die Public Security Intelligence Agency, der japanische Geheimdienst, bei der zuständigen „Untersuchungskommission für öffentliche Sicherheit“ einen Antrag auf Genehmigung einer weiteren dreijährigen Überwachungsgenehmigung gegen die Glaubensgemeinschaft, die sich 2000 in Aleph umbenannte, ein.

Als Begründung wird etwa angeführt, dass die Sekte, welche unter anderem für den Sarin-Anschlag auf die U-Bahn von Tokyo im Jahr 1995 verantwortlich ist, auch unter dem neuen Namen weiterhin den endzeitbezogenen Lehren des zum Tode verurteilten und auf seine Hinrichtung wartenden früheren Führers Chizuo Matsumoto folgen und dessen quasi-religiösen Praktiken weiter fortführen.

Die Untersuchungskommission gab nun nach einer Anhörung dem Antrag statt, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Aktivitäten der Nachfolgeorganisation Aleph sowie der Splittergruppe „Hikari no Wa„, dürfen weiter vom Geheimdienst überwacht werden, die Behörden behalten zudem das Recht, Kontrollen in den Gebäuden und Räumen der Sekte, sowie die Aushändigung von persönlichen Daten zu fordern.

Unterdessen berichtet etwa die Asahi Shimbun von den Aktivitäten derartiger fanatischer Gruppierungen im Internet. Diese tarnten sich beispielsweise zunächst als nicht religiös motiviertes Angebot, sollte ihre Verbindung zu einer derartigen Sekte bekannt werden, ändern sie ihren Namen und agieren unter diesem weiter. Damit ist es schwer sie dauerhaft zu überwachen, mit ihren per E-Mail Newsletter versandten Gleichnissen erreichten sie zudem mehr Menschen als durch das Verteilen von Flugblättern.

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