Start Aktuelles Japan aktuell: AKW-Betreiber bestreitet erstmals absolute Sicherheit von Kernkraftwerken

Japan aktuell: AKW-Betreiber bestreitet erstmals absolute Sicherheit von Kernkraftwerken

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Präfektur Fukushima: Radioaktives Kobalt im Boden nachgewiesen (Symbolbild: pd)
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Japanische Betreiber verneint totale Sicherheit

Auch in Japan wird heute am 14. Februar der Valentinstag begangen, wenn auch etwas anders als hier. Während die weiblichen Angestellten heute ihre männlichen Kollegen formal beschenken und am 14. März am „White Day“ dann Gegengeschenke in Form weisser Schokolade erwarten können, gibt es den kleinen aber feinen Unterschied zwischen „giri-choko„, also Schokolade die aus Verpflichtung geschenkt wird und „honmei choko„, dem Schokoladengeschenk an den wahren Favoriten.

Ein wenig mehr Kontinuität und etwas mehr wahre Kontrolle wären dagegen die Geschenke, die man sich für das AKW Fukushima aktuell nach wie vor wünschen würde. Doch stattdessen auch heute die üblichen Fukushima News: Stagnation, Probleme und Versprechen. All das im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen sind:

  • Betreiber  verneint totale AKW-Sicherheit
  • Fukushima-Thermometer offenbar defekt
  • AKW Tokai entkam Tsunami nur knapp
  • Suche nach minderjährigen Tsunami-Opfern
  • Hohe Strahlung von Gewächshaus-Erde
  • Miniatur-Dosimeter entwickelt
  • Tenno bis zur Herz-OP aktiv
  • Einige TEPCO-News zum Tag


Elektrizitätsanbieter verneint totale AKW-Sicherheit:
Wie die Nachrichtenagentur jiji berichtet, legte der Energiekonzern Hokkaido Electrics gestern einem Gericht in Sapporo ein Dokument vor, indem erklärt wird, dass man eine absolute Sicherheit von Kernkraftwerken nicht garantieren könne. Demnach müsse man die Erlaubnis zum Betrieb der AKW von der relativen Sicherheit abhängig machen.

Diese Aussage wurde anlässlich eines Gerichtsverfahrens gemacht, in dem 612 Kläger, die meisten von ihnen Einwohner der nördlichsten Präfektur, die Stilllegung des AKW Tomari aufgrund unzureichender Sicherungsmaßnahmen gegen Naturkatastrophen fordern.

Unabhängig davon, dass der Betreiber Hokkaido Electrics versichert, nach der Fukushima-Katastrophe ausreichend zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen zu haben, ist dieser Prozess in dem Eingangs genannten Punkt für die Kernkraftgegner eine kleine Sensation: Erstmals hat ein Betreiber schriftlich eingeräumt, dass Atomkraftwerke keine absolut sichere Energiequelle sind.

Laut einem Artikel der Mainichi Shimbun vom heutigen Dienstag forderte der Stromkonzern gestern am ersten Tag der öffentliche Anhörung die Abweisung der Klage durch das Gericht. Die Kläger sprächen lediglich von der Atomenergie als unsichersten Energiequelle. Konkrete Gründe warum das AKW Tomari gefährlich sei, würden von den Gegnern nicht angeführt, argumentierte Hokkaido Electrics.

Fukushima-Thermometer offenbar defekt: Nach Angaben des Betreibers TEPCO gibt es offenbar deutliche Hinweise dafür, dass die Rekordtemperaturen, die in den vergangenen Tagen im Reaktor 2 gemessen worden waren, tatsächlich auf ein defektes Thermometer zurückzuführen sind. Während Tests an dem Thermometer, bei denen der elektrische Widerstand eines Sensors geprüft wurde, sei ein Draht fast abgebrochen und tatsächlich wird ein solcher möglicher Abbruch als wahrscheinlichste Ursache angenommen.

Gegen 11:00 Uhr Ortszeit zeigte das fragliche Thermometer eine Temperatur von 251,2°Celsius an, während die beiden anderen Thermometer konstante Temperaturen im 31°Celsius anzeigten. Auch bei neuen Messungen sei kein Xenon nachgewiesen worden. Der Reaktor befände sich damit nach wie vor in stabilem Zustand. Dennoch werde man die Situation weiterhin im Auge behalten. Das berichtet die NHK

Laut jiji  zeigte das Gerät um15:00 Uhr Ortszeit eine Temperatur von 342,2 Grad, was über dem Maximalwert von 300°C liegt, die das Thermometer im Regelfall messen kann. Später habe man sogar über 400 Grad gemessen, während die beiden anderen Thermometer bei Temperaturen um die 32 Grad blieben.

AKW Tokai entkam Tsunami mit viel Glück:  Eine Expertengruppe, die im Auftrag der NISA die Auswirkungen des Tohoku-Erdbebens und des damit verbundenen Tsunami auf Kernkraftwerke im ganzen Land untersucht, kommt nach einer Besichtigung des AKW Tokai 2 zu dem Schluss, dass das von der Japan Atomic Power betriebene Atomkraftwerk dem Tsunami gerade noch standhalten konnte. Bereits einem Tsunami von geringfügig größerer Höhe wäre die Anlage nicht mehr gewachsen gewesen, erklärten die Experten am Montag.

Im Artikel bezieht sich die jiji auf den emeritierten Professor Takao Nishikawa der Universität Tokyo, der jedoch zumindest lobend anerkannte, dass der Betreiber Japan Atomic Power sofort nach der Feststellung von Problemen am AKW Tokai  reagiert habe.

Suche nach Kindern mit schwerem Gerät: Erstmals seit dem Tsunami vom 11. März wurde auf Drängen der Eltern in Ishinomaki der Nähe der Grundschule in Okawa (Präf. Miyagi) eine Suchaktion durchgeführt, für die sogar ein 13 Kilometer langes Teilstück des nahe gelegenen Fujigawa, einem Nebenfluss des Kitakami, aufgestaut wurde. Am heutigen Dienstag begannen dann Baufahrzeuge, die auch im Wasser operieren können, mit dem Aushub von Material aus dem Flussbett.

Insgesamt wird nun zehn Tage lang nach vier offiziell noch als vermisst geltenden Kindern, sowie mehr als 40 weiteren Personen gesucht werden, die vermutlich bei der Evakuierung ums Leben kamen. Zuvor waren bereits 79 der 108 Schüler und Lehrer in der Katastrophe getötet worden. Das berichten NHK und Mainichi Shimbun.

Hohe Strahlung bei Erde in Plastikgewächshäusern: Ein halböffentliches Recycling-Unternehmen aus Togane (Präf. Chiba) liess das Erdreich in gebrauchten Plastikgewächshäusern vor der  Weiterverwendung der Anlagen überprüfen – und entdeckte dabei eine hohe Kontamination mit radioaktivem Cäsium.

Eine Überprüfung von  140 Tonnen Erdreich, die nach der Reinigung der Gewächshäuser von Landwirten angefallen waren, wies eine Belastung von 58.000 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm Erdreich nach. Das übersteigt den Grenzwert für „Abfälle die besonders behandelt werden müssen“ um das Siebenfache, so der Bericht der jiji.

Die Recycling-Firma will nun das Erdreich, das bereits auf sieben Felder der Stadt verbracht worden war, sammeln und den Richtlinien der Regierung zufolge lagern. Das zur Reinigung der Gewächshäuser eingesetzte Wasser war nicht mit radioaktivem Material belastet, da das Unternehmen dies vorher reinigen liess.

Miniatur-Dosimeter entwickelt: Ein Team des „National Institute of Advanced Industrial Science and Technology“ (AIST), ein Forschungsinstitut für Industrietechnik hat die erfolgreiche Entwicklung von extrem kleinen und dennoch sehr leistungsfähigen Dosimetern vermelden können.

Das Kleinste der drei Geräte, das auf den ersten Blick einer SD-Speicherkarte ähnlich sieht, ist gerade einmal 35 Millimeter lang, 25 Millimeter breite und hat ein Gewicht von lediglich 10 Gramm. Die neuen Geräte sind in der Lage Strahlung nicht nur zu messen, sondern die Daten auch zu speichern, so dass sie per Adapter an einem PC auf Datum und Uhrzeit genau abgeglichen werden können.

Die aus stabilem Silikon bestehenden Dosimeter können mit handelsüblichen Uhrenbatterien sechs Monate lang durchgängig betrieben werden und warnen den Benutzer zudem durch Summen und ein Lichtsignal.

Nun sucht das Institut nach einem Hersteller für die Massenfertigung der Geräte, bei denen es sich nach Angaben der Forscher um das weltweit kleinste Dosimeter mit Fähigkeit zur Datenspeicherung handelt. Die Geräte und Adapter sollen nach dem Willen der Entwickler dem Verbraucher für Preise von jeweils unter 5000 Yen verkauft werden. Das meldet die Mainichi Shimbun.

Tenno sieht Herz-OP gelassen entgegen: Die Ankündigung der Ärzte, die für Samstag eine Bypass-Operation vorsehen, wurde vom Tenno ruhig aufgenommen, berichtet die Yomiuri Shimbun. Bei einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag erklärte der Kardiologe Prof. Ryozo Nagai vom Universitätsklinikum Tokyo, es handele sich dabei um die in Japan am häufigsten durchgeführte Form einer Herz-Operation. Aufgrund der Form der Koronaraterie und weiterer Faktoren kommt die Alternative, stattdessen einen so genannten Stent zu setzen, für die Ärzte des Tenno nicht in Frage.

Der 78 Jahre alte künftige Patient habe bereits jetzt ein starkes Bedürfnis danach geäußert, an den Gedenkfeierlichkeiten am Jahrestag des Tohoku-Erdbebens teilzunehmen. Unterdessen meldet die Asahi Shimbun, der Tenno werde bis zu seiner Operation alle öffentlichen Pflichten wahrnehmen. Für den Kronprinzen Naruhito wird es dann nach der Operation das dritte Mal sein, dass er seinen Vater vertritt, bis dieser wieder seine Aufgaben übernimmt.

Einige TEPCO-News zum Tag: TEPCO berichtet heute in seinen Pressemitteilungen unter anderem, dass um 10:08 Uhr Ortszeit die Luftschleuse an Reaktor 3 geöffnet wurde, um Arbeitern den Zugang zum Sicherheitsbehälter (PCV) zu ermöglichen, damit diese dort den einwandfreien Zustand des Behälters begutachten können. Zuvor hatte es um 8:52 Uhr Ortszeit eine Abnahme des Wasserdurchflusses durch die zweite Cäsiumfilteranlage gegeben, so dass man die Anlage vorübergehend stoppte, um durch eine Umkehr der Fliessrichtung die Anlage zu reinigen.

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