Start Aktuelles Japan aktuell: AKW Fukushima benötigt mehr Wassertanks

Japan aktuell: AKW Fukushima benötigt mehr Wassertanks

1408
0
TEILEN
Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. Foto: Tepco
TEPCO will Lagerkapazität für radioaktiv belastetes Wasser aufstocke (Symbolfoto: TEPCO)
Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. Foto: Tepco
Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. (Foto: TEPCO)

Offiziell gilt der japanische Flußotter nun als ausgestorben, nachdem über 30 Jahre lang kein Exemplar mehr gesichtet wurde. Die vom AKW Fukushima aktuell gemeldeten Probleme reihen sich in die Reihe jener Schwierigkeiten ein, die keineswegs ausgestorben sind und deren Lösung noch mindestens 30 Jahre auf sich warten lässt.

So ist der zunehmende Bedarf an Wassertanks am AKW Fukushima heute ebenso Thema, wie die Freigabe von Fukushima-Reis und die Erwägungen der Regierung, künftig auch den Bau von Atomkraftwerken in bislang als riskant geltenden Gebieten zu erlauben. Einzelheiten zu diesen Fukushima News sowie sonstige Meldungen auch heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • AKW Fukushima benötigt mehr Wassertanks
  • TEPCO veröffentlicht Bilder der Brennstäbe-Inspektion
  • Gesundheitsprobleme in Miyagi nach Naturkatastrophen gestiegen
  • Regierung erwägt künftigen AKW-Weiterbetrieb trotz Verwerfungen
  • Fukushima-Reis kommt nach Strahlungsprüfung in den Handel
  • Gedenkfeierlichkeiten für getötete japanische Journalistin
  • TEPCO will Gebäude von Zweigstelle verkaufen
  • Erotisch präsentiertes Sushi in Italien brüskiert Japans Botschaft

AKW Fukushima benötigt mehr Wassertanks: Wie der Betreiber des AKW Fukushima mitteilte, wird die Errichtung neuer Wassertanks für radioaktiv kontaminiertes Wasser erforderlich. Besonders durch das Eindringen von Grundwasser durch Risse, sammele sich Wasser in den Kellergeschossen an und werde dort kontaminiert.

Behälter für schwach radioaktive Abwässer. (Foto: TEPCO)
Behälter für schwach radioaktive Abwässer. (Foto: TEPCO)

Dies sei eine der Ursachen, weshalb am Kernkraftwerk täglich 400 Tonnen an stark belastetem Wasser anfielen. Die bisherigen Kapazitäten von 220.000 Tonnen seien bereits jetzt zu 85 Prozent ausgeschöpft. Mit einer gänzlichen Auslastung der Wasserbehälter wird, bei gleichbleibender Zunahme des Wassers, in drei Monaten zu rechnen sein.

Die für den Neubau geplanten Lagertanks würden die Kapazitäten um 170.000 Tonnen erhöhen, was zunächst bis November kommenden Jahres ausreichen dürfte, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Wassermenge steigen lassen. Allerdings gibt es bislang keinen geeigneten Standort für weitere Wasserlagertanks.

Aus diesem Grund wird die Abholzung und Planierung von bewaldeten Bereichen auf dem Gelände der Kraftwerksanlage erforderlich, will man ausreichend Fläche für den Aufbau der neuen Behälter schaffen, berichtet die NHK.

TEPCO veröffentlicht Bilder der Brennstäbe-Inspektion: Am heutigen Dienstag stellt der Betreiber des AKW Fukushima aktuelle Fotos eines der geborgenen Brennstäbe zur Verfügung, nachdem gestern die Kontrolle auf mögliche Schäden durch Korrosion oder sonstige Einwirkungen bekannt gegeben worden war.

Fukushima-Reaktor 4: Visuelle-inspektion des ersten Brennelements am 28. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Visuelle-inspektion des ersten Brennelements am 28. August 2012 (Foto: TEPCO)

Die heute veröffentlichten Bilder zeigen zum einen die visuelle Kontrolle des Brennelements durch die Angestellten, als auch separat die Sicherungsmuttern des Reaktorteils, sowie vom Betreiber TEPCO nicht näher benannte „gefundene Substanzen“.

Die Untersuchung des zweiten Brennstabs soll morgen erfolgen

Die Brennelemente stammen aus dem Fukushima Reaktor 4 und sind ungenutzt, so dass nur eine geringe Strahlungsbelastung im Vergleich zu jenen ausgeht, die im Zuge der Kernschmelze bei der Reaktorkatastrophe geschmolzen waren. Die Untersuchung wird bis morgen weitergeführt, über das weitere Vorgehen gibt es bislang keine Angaben.

Fukushima-Reaktor 4: Bei der Untersuchung des ersten Brennelements festgestellte Substanzen (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Bei der Untersuchung des ersten Brennelements festgestellte Substanzen (Foto: TEPCO)

Die Entfernung der Brennstäbe aus dem Reaktor war am 19. Juli erfolgt und gilt als Testlauf für die künftige Entfernung geschmolzener Brennelemente. Die Leerung der Abklingbecken der Reaktoren ist Bestandteil der Anstrengungen, die Fukushima-Reaktoren 1 bis 4 endgültig stillzulegen.

Im Bezug auf die Zukunft der Reaktoren 5 und 6 gibt es noch keine einheitliche Stellungnahme von TEPCO und Regierung.

Gesundheitsprobleme in Miyagi nach Naturkatastrophen gestiegen: In Folge der Naturkatastrophen vom 11. März 2011 stieg die Zahl von gesundheitlichen Gefahren wie Herzinsuffizienz, Schlaganfall, Lungenentzündung und Herzstillstand in der Präfektur Miyagi signifikant an. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Forschern der Tohoku Universität unter Leitung von Professor Hiroaki Shimokawa.

Um Vergleiche zu Vorjahren ziehen zu können, griff das Forscherteam auf die Aufzeichnungen von Notfallpatienten zwischen dem 11. Februar und 30. Juni  in den Jahren 2008 bis 2011 zurück, die von örtlichen Feuerwehrstellen zur Verfügung gestellt worden waren, berichtet die jiji.

Der Anstieg der Todesfälle kann zum einen auf den Stress der Katastrophe und die Verwendung von Wasser, das durch den Tsunami verunreinigt wurde, zurückzuführen sein. Einen weiteren Faktor stellen nach Angaben der Forscher aber auch der Mangel an regelmäßig einzunehmenden Medikamenten und der Konsum salzhaltiger Lebensmittel darstellen.

Im Jahr 2011 wurden mehr Fälle an Herzinsuffizienzen, Herzstillständen, Schlaganfällen und Lungenentzündung bei Notfallpatienten festgestellt, als in den drei Jahre zuvor. Insbesondere die Zahl der Patienten mit Lungenentzündung stieg in den verwüsteten Küstenregionen der Präfektur auf das 4,8-fache. Miyagi ist eine der drei am schwersten betroffenen Gebiete.

Regierung erwägt künftigen AKW-Weiterbetrieb trotz Verwerfungen: Unter Berufung auf Regierungsquellen meldet die Nachrichtenagentur Kyodo, die Regierung überlege derzeit, den Betrieb von Atomkraftwerken zu gestatten, selbst wenn Verwerfungen unter den Anlagen festgestellt werden, sofern diese als unbedenklich gelten.

Diesbezüglich arbeite die Atomsicherheitsbehörde an einer Planung neuer Sicherheitsbestimmungen um derartige Genehmigungen ermöglichen und weicht damit von ihrer bisherigen Ansicht, Kraftwerke dürften unter keinen Umständen auf geologischen Verwerfungen errichtet werden, ab.

Die NISA werde nun neue Kriterien für die Einschätzung von Verwerfungen unter Kernkraftwerken erlassen und sich dabei auf Expertenmeinungen stützen, um die so gesammelten Standpunkte an ihre Nachfolgeorganisation weiterzugeben.

Onigiri-Noren vor Geschäft in Tokyo (Foto: KJ)
Geschäft in Tokyo: Gibt es hier bald Reisbälle aus Fukushima-Reis? (Foto: KJ)

Fukushima-Reis kommt nach Strahlungsprüfung in den Handel: Nachdem am Samstag die Präfekturverwaltung Fukushima in Nihonmatsu mit der vollständigen Strahlungskontrolle aller Reislieferungen des Jahres begonnen und in den ersten 14 der 30 Kilogramm schweren Reissäcke demonstrativ nur Werte unterhalb des feststellbaren Werts gefunden worden waren, begann  heute der offizielle Verkauf.

Anlässlich des Verkaufsstarts boten einige Händler bereits gekochte Reisproben zur Verkostung an. Berichten zufolge wurden auch die ersten Zwei-Kilo-Säcke bereits verkauft. Dennoch herrscht bei den Landwirten noch Besorgnis, ob die Verbraucher den Kontrollen weit genug vertrauen, um die Produkte regelmäßig zu kaufen, berichtet die NHK.

Gedenkfeier für getötete japanische Journalistin: Etwa 800 Menschen nahmen gestern an den Gedenkfeierlichkeiten für die getötete Journalistin Mika Yamamoto in ihrer Heimatstadt Tsuru (Präfektur Yamanashi) teil. Die 45 jahre alte Kriegsberichterstatterin war am 20. August in der syrischen Stadt Aleppo in einem plötzlichen Kugelhagel getötet worden.

Für die Tötung sind vermutlich Regierungstruppen verantwortlich. Für diese Annahme spricht, dass sie und ihr Vorgesetzter Kazutaka Sato, der gemeinsam mit dem 77 Jahre alten Vater der Getöteten, als Vertreter der Japan Press die Gedenkfeier ausgerichtet hatte, zum Zeitpunkt des Überfalls von Regierungsgegnern begleitet worden waren.

Neben der großen Hauptfotografie von Yamamoto, das 1996 während ihrer Zeit in Afghanistan aufgenommen worden waren, wurden in einem Seitenbereich auch neun Fotos, die sie während ihrer Arbeit von Kriegsschauplätzen und Flüchtlingen gemacht hatte, gezeigt. Yamamoto war für ihre menschliche Berichterstattung bekannt und ausgezeichnet worden.

Über die Trauerfeier berichteten unter anderem die Mainichi Shimbun und die Asahi Shimbun

TEPCO will Gebäude von Zweigstelle verkaufen: Zur Beschleunigung der Verschlankung des Unternehmens hat sich die Führung von TEPCO dazu entschlossen, früher als zunächst geplant, das Gebäude der Zweigstelle des Unternehmens an der Ginza in Tokyo (Bezirk Chuo) zu veräußern.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
Vor Verkauf sicher: TEPCO-Hauptsitz in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Anders als beabsichtigt, soll das Gebäude bereits im kommenden Jahr und nicht erst ab 2014 oder später zum Verkauf angeboten werden.

Da jedoch noch wichtige Einrichtungen für den Enenergiekonzern im Keller des Gebäudes befinden, die erste Ende 2015 entfernt werden, sieht der Verkaufsplan bis zu diesem Zeitpunkt ein Nutzungsrecht als Bürogebäude für TEPCO vor.

Der Käufer wird TEPCO nicht nur das dringend benötigte Geld in die Kassen spülen, sondern ein zehnstöckiges Betongebäude (zwei Keller, sechs Stockwerke, zwei Penthouse-Stockwerke) mit einer Gesamtnutzfläche von 7.933,07 Quadratmetern erwerben. TEPCO will einen Großteil der eigenen Immobilien und Grundstücke verkaufen.

Erotisch präsentiertes Sushi in Italien brüskiert Japans Botschaft: Die Praxis des Nyotaimori, bei der Lebensmittel (vornehmlich Sushi) auf dem Körper einer unbekleideten, zumeist weiblichen Person präsentiert werden, ist insbesondere durch entsprechende Filmszenen, etwa in Ridley Scotts „Black Rain“ bekannt.

Nun übernahm mit Angela Li eine findige, aus Hongkong stammende Betreiberin des „Yoshi Restaurant“ in Italiens Hauptstadt Rom, die Idee – und ein damit verbundener Zeitungsartikel vom Juli 2012 zog den Unmut der japanischen Botschaft nach sich.

Man wehre sich laut Bericht der Asahi Shimbun gegen die Behauptung der Zeitung, es handele sich um einen Teil von Japans kulinarischer Tradition.

Hier liege eine Umdeutung vor, die vermutlich vor allem dazu diene, den Umsatz des Lokals zu erhöhen, heisst es in dem Protestschreiben an die „Corriere della Sera„. Für den durchschnittlichen Japaner liege eine derartige Praxis außerhalb des Bereichs des gesunden Menschenverstands.

Die Lokalbesitzerin, die zwei japanische Sushimeister beschäftigt erklärte, das Angebot, das wahlweise mit männlichem (Nantaimori) oder weiblichem (Nyotaimori) „Tablett“ serviert wird, sei nicht illegal und werde bislang vor allem zu besonderen Anlässen bestellt.

Japaner gehörten jedoch bislang nicht zu den Kunden dieses Dienstes.

Die Zeitung hatte Geschrieben, der „japanische Trend“ des Nyotaimori habe mit dem Lokal nun auch Rom erreicht und zitiert das Restaurant, es handele sich um eine neue Art des Sushi, die sich bereits in Metropolen der Welt wie New York und London verbreitet hätte. Das Angebot wird auch auf der Webseite des Restaurants beworben.