Start Aktuelles Japan aktuell: AKW Fukushima bleibt durch Gebäudeschwäche großes Risiko

Japan aktuell: AKW Fukushima bleibt durch Gebäudeschwäche großes Risiko

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Fukushima-Reaktor 4: Einblick in Kontrolleinheit der am 6. Juli 2012
Fukushima-Reaktor 4: Einblick in Kontrolleinheit der am 6. Juli 2012
Fukushima-Reaktor 4: Einblick in Kontrolleinheit der am 6. Juli 2012
Fukushima-Reaktor 4: Einblick in Kontrolleinheit der UPS am 6. Juli 2012

Sowohl Naturkatastrophen als auch das AKW Fukushima bleiben weiterhin große Gefahren für Japan. Mit diesem Satz lassen sich die Meldungen dieses Wochenendes am besten zusammenfassen.

Einschätzungen, welche die Stabilität von kritischen Reaktorgebäuden in Frage stellen, ungeklärte Brandspuren und bedrohliche Erdbebenszenarien waren in den letzten Tagen aus Japan zu hören.

Das es weitere Absprachen mit der Atomlobby gab, wirkt im Vergleich hierzu wenig dramatisch. Einzelheiten zu diesen Fukushima News und weiteren Themen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • AKW Fukushima durch Strukturschwäche weiterhin gefährlich
  • Ruß in Bauteil des Kühlsystems an Fukushima-Reaktor 4
  • Bericht: Details zum Kühlabbruch-Befehl von Fukushima
  • Über 10 Jahre geheime Gespräche bei der JAEC
  • Nankai-Erdbeben könnte 400.000 Menschen töten
  • Atomkraftgegner-Demonstration in Tokyo

AKW Fukushima durch Strukturschwäche weiterhin gefährlich: Das AKW Fukushima bleibt ein hohes Risiko – nicht allein wegen der abgebrannten Brennstäbe, sondern auch aufgrund der schwachen Gebäudestruktur. Das ist das heutige Fazit von Kiyoshi Kurokawa, Leiter des parlamentarisch eingesetzten Untersuchungsausschusses deren Bericht gestern vorgelegt wurde.

Kurokawa teilte diese Einschätzung bei einer Pressekonferenz des Fremdkorrespondenten-Clubs Japan ((FCCJ) mit und stellte fest, dass sich ein weiteres schweres Erdbeben, wie das Tohoku-Erdbeben 2011 vor der Nordostküste Japans ereignen könnte.Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Ruß in Bauteil des Kühlsystems an Fukushima-Reaktor 4: Am 30. Juni 2012 war es um 6:24 Uhr zu einem Alarm des Kühlsystems für das Abklingbecken von Reaktor 4 gekommen und das System schaltete sich automatisch ab. Der vom System ausgelöste Alarm erwies sich als falsch, da kein Leck festgestellt wurde.

Fukushima-Reaktor 4: Einblick in das ausgefallene UPS am 6. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Einblick in das ausgefallene UPS am 6. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Bei einer Untersuchung am selben Tag kam der Betreiber zu dem Schluss, dass es sich um ein Problem der unterbrechungsfreien Stromversorgung (UPS) gehandelt habe.

Aus diesem Grund habe man am 1. Juli  die Arbeiten unter Ausschluss des verdächtigen UPS weitergeführt und die Umgehungsleitung noch am selben Tag um 14:45 Uhr fertiggestellt. Ein Neustart der Kühlung erfolgte um 15:35 Uhr.

Am Donnerstag wurde das Kühlsystem um 11:58 Uhr angehalten, um die fragliche Einheit zur unterbrechungsfreien Stromversorgung zu entfernen und die Ursache der Störung zu ermitteln. Um 13:15 Uhr wurde das Kühlsystem wieder gestartet. Die Temperatur im Abklingbecken betrug sowohl zum Zeitpunkt des Abschaltens, als auch des Neustarts jeweils 32°Celsius. Da man Ruß in der entfernten UPS-Einheit entdeckte, habe man am selben Tag um 15:20 Uhr die Feuerwehr von Tomioka informiert.

Am Freitag kam eine Untersuchung der Feuerwehr um 10:35 Uhr zu dem Schluss, dass die Rußansammlung nicht durch ein Feuer entstanden sei. Als Folge dieser Entdeckung werde das Unternehmen nun die Belüftung der Bediengeräts verbessern, an dem das UPS angebracht ist und das Gerät austauschen, um dann die normale Stromversorgung des Kontrollsystems wieder herstellen zu können.

Bericht: Details zum Kühlabbruch-Befehl von Fukushima: Der gestern veröffentlichte Bericht der Kommission zur Fukushima-Krise bietet auch Einblick sowohl in die Details der Kommunikation zwischen TEPCO und Regierung, als auch in die innerbetriebliche Kommunikation während der Akutphase der Nuklearkatastrophe.

Eine besondere Position nimmt hier das Gespräch zwischen Ichiro Takeguro, einem Angestellten von TEPCO im Büro des damaligen Premierministers Naoto Kan und dem Kraftwerksleiter Masao Yoshida. Zum Vorgang der Einspeisung von Meerwasser zur provisorischen Kühlung der Anlage reagierte Takeguro ungehalten:

„Hey, hey, sie machen es? Hören Sie damit auf!“. Eine Gegenfrage von Yoshida, warum die Kühlung gestoppt werden sollte, wurde schroff abgewiesen: „Geben sie keine Widerworte. Das Büro des Premierministers ist am nörgeln“.

Zu diesem Zeitpunkt diskutierte der damalige Premierminister Naoto Kan mit Haruki Madarame, Chef der Atomsicherheitskommission (NSC) und anderen Personen, über die Möglichkeit, Meerwasser könnte eine Verschlimmerung hervorrufen.

Auf die Nachfrage von Kraftwerksleiter Yoshida „Was sagen sie denn?“ wurde das Telefon aufgelegt. Trotz dieses irritierenden Anrufs übernahm Yoshida die Verantwortung, setzte sich über die Anordnung hinweg und befahl eigenmächtig die weitere Kühlung der Reaktoren mit Meerwasser.

Der Bericht der Untersuchungskommission kam später zu dem Schluss, dass TEPCO den Handlungen des Premierministers zu viel Aufmerksamkeit zukommen liessen, was ein schnelleres Handeln verhindert hätte.

Yoshida erklärte dem Bericht zufolge, hätte er mit der Führung von TEPCO gesprochen, so hätte er die Angelegenheit diskutieren können. Mit einem Unbeteiligten wie dem Büro Premierminister einen derartigen Befehl zu diskutieren sei dagegen nicht möglich gewesen. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Über 10 Jahre geheime Gespräche bei der JAEC: Das Ausmaß der Absprachen hinter den verschlossenen Türen der Japanischen Atomenergiekommission JAEC reicht mindestens zehn Jahre zurück, heisst es in einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo vom Sonntag.

Demnach hat die JAEC neben den offenen Treffen am Dienstag jeder Woche diese vertraulichen Treffen abgehalten. Dabei seien auch wichtige Angelegenheiten der Atompolitik besprochen worden – ohne hierüber Aufzeichnungen zu führen. Dies hätten frühere Mitglieder, sowie Regierungsquellen am Samstag bestätigt.

Neben den Mitgliedern der fünfköpfigen Kommission nahmen an den inoffiziellen Treffen am Donnerstag jeder Woche auch Vetreter entsprechender Ministerien, sowie Privatunternehmen teil.

Nachdem bereits zuvor die Existenz von Treffen mit Befürwortern der Atomenergie bekannt geworden war, sei die neuste Entdeckung ein weiterer Beweis dar, dass die offiziellen Treffen aufgrund der internen Absprachen,  keinerlei wirkliche Bedeutung gehabt hätten.

Nankai-Erdbeben könnte 400.000 Menschen töten: Ein Erdbeben, das sich im so genannten Nankai-Graben vor der Küste West- und Zentraljapans ereignen könnte, würde bis zu 400.000 Menschen das Leben kosten – falls es sich bei Nacht ereignete.

Zu diesem Schluss kamen Experten eines Katastrophenschutzausschusses der Regierung unter der Leitung von Professor Yoshiaki Kawata, der diese Einschätzungen am Freitag bei einer Rede in der Stadt Osaka bekannt gab.

Eine entsprechende Schadensbeurteilung die im kommenden Monat veröffentlich werden soll, wird voraussichtlich ähnlich hohe Einschätzungen enthalten.

Das Tohoku-Erdbeben 2011 das sich am Tag ereignet hatte bis zu 63.000 Opfer fordern können, wenn es sich gegen Mitternacht ereignet hätte, da zu diesem Zeitpunkt dreimal mehr Menschen in ihren Häusern aufgehalten hätten, als am Tage – so die Einschätzung von Professor Kawata.

Im Fall des erwarteten Erdbebens im Nankai-Graben sei selbst im Fall, dass sich das Beben ebenfalls am Tag ereignete, mit 120.000 Todesopfern zu rechnen. Die bisherigen Berechnungen der Regierung waren von 25.000 Opfern ausgegangen.

Da die Bevölkerung von Regionen wie Tokai, Kinki, Shikoku und Kyushu, welche von einem Beben betroffen wären, bei 47 Millionen Menschen liegt (was 6,3 Mal höher ist als in den vom Tohoku-Erdbeben betroffenen Gebieten), sei bei einem Mitternachtserdbeben  mit bis zu 400.000 Toten zu rechnen.

Die Schäden an der Infrastruktur und Gebäuden würde bis zu 150 Trillionen Yen betragen. Das berichtete die Kyodo am Samstag.

Atomkraftgegner-Demonstration in Tokyo: Das Wochenende begann am Freitag mit den Protesten vor dem Sitz des Premierministers, die dort seit März stattfinden. Privaten Berichten zufolge, soll die Polizei gegen die Demonstranten taktisch so vorgehen, dass ihre Zahl kleiner erscheint – etwa indem man Personen, die daran gehindert werden, die U-Bahnhöfe am Protestgebiet vor dem Regierungssitz zu verlassen, nicht in die offiziellen Polizeiangaben zur Teilnehmerzahl aufnimmt. Lediglich ein Ausgang sei kontrolliert offen gewesen.

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