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Japan aktuell: AKW Fukushima wird auf Sommerhitze vorbereitet

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AKW Fukushima: Rückseite des Puffertanks - im Vordergrund sechs Kühleinheiten am 13. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Rückseite des Puffertanks - im Vordergrund sechs Kühleinheiten am 13. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Rückseite des Puffertanks - im Vordergrund sechs Kühleinheiten am 13. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Rückseite des Puffertanks - im Vordergrund sechs Kühleinheiten am 13. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Neben einem 29. Todesfall durch die sintflutartigen Regenfälle, hat Japan nun auch einen ersten Hitzetoten.

Nachdem das Thermometer in Japan zuletzt auf  37,6 °Celsius gestiegen war, starb gestern ein 80 Jahre alter Mann an einem Hitzschlag, mehrere Personen kamen in ein Krankenhaus.

Offenbar bereitet man sich auch am AKW Fukushima aktuell auf die Hitze vor, werden doch Kühleinheiten am Kraftwerk in Stellung gebracht.

Wenig vorbereitet auf Erdbeben scheint dagegen das AKW Shika, wird dort doch eine offenbar bislang unterschätzte Verwerfung unter der Reaktoranlage als potentiell kritisch angesehen. Weitere Fukushima News und sonstige Nachrichten, etwa über Atomlobbyismus jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Gefahr durch aktive Verwerfung unter AKW Shika möglich
  • Erneut Atomlobbyisten bei Bürgeranhörung zur Atomenergie
  • Neustart für Reaktor 4 des AKW Oi für Mittwoch vorgesehen
  • Erster Strand in Präfektur Fukushima wieder freigegeben
  • Hitzewelle nach Regenzeit mit erstem Hitzetoten
  • Japans Naturkatastrophen als Dauerbrenner bei YouTube

Kühlaggregate am AKW Fukushima aufgebaut: Aufgrund von Ergebnissen einer Analyse zum Einfluss der sommerlichen Hitze auf die Kühlung des AKW Fukushima, hat die Betreiberfirma TEPCO mit dem Aufbau von Kühlaggregaten an den Puffertanks für das Kühlwasser begonnen. Die Umgebungstemperatur in Druckbehälter und Sicherheitsbehälter könnte durch die Sommerhitze auf etwa 65 Grad steigen.

AKW Fukushima: Rohrleitung für die Kühleinheiten am 13. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Rohrleitung für die Kühleinheiten am 13. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Diese Schätzungen liegen zwar noch im Rahmen der technischen Spezifikationen, dennoch habe man die Kühleinheiten aufgebaut, um einen Temperaturanstieg zu verhindern, ohne deshalb den Kühlwasserzufluss erhöhen zu müssen.

Nach Inbetriebnahme der Kühlanlage am Puffertank der Wasserversorgung, wird die Temperatur des darin enthaltenen Wassers abnehmen. Die Temperatur wird dadurch auf unter 23 Grad heruntergekühlt werden. Unter den gegenwärtigen Bedingungen, sollte sich die Temperatur jedoch sogar auf niedrigerem Stand einpendeln.

Die Aufrechterhaltung der Abkühlung von unter 23 Grad soll sogar unter folgenden Bedingungen möglich sein:

  • Kühleinheiten arbeiten auf 70 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit
  • Extremen Sommertemperaturen (dem heissesten in den letzten 30 Jahren)
  • Einleitung von Warmwasser von etwa 33 Grad

Die Raumtemperaturen im Druckbehäler/Sicherheitsbehälter sollen sich innerhalb von drei bis zehn Tagen abnehmen und stabilisieren. Abhängig von der ermittelten Umgebungstemperaturen in Druck/Sicherheitsbehälter soll nach einer Temperaturstabilisierung der Wasserzufluss angepasst und verringert werden.

Gefahr durch aktive Verwerfung unter AKW Shika möglich: Bereits am 3. Mai 2012 berichtete Spreadnews von Vermutungen japanischer Wissenschaftler, eine geologische Verwerfung, die in nördlicher Richtung neun Kilometer vom AKW Shika (Präf. Ishikawa) entfernt verläuft, könne möglicherweise aktiv sein und daher eine potentielle Gefahr bei Erdbeben darstellen.

Jetzt hat eine Untersuchung der Atomaufsichtsbehörde NISA eine teilweise unter Reaktor 1 verlaufende Verwerfung als potentiell aktiv eingestuft. Damit zieht sie ihre bisherige Einschätzung zurück.

Bislang habe man die Meinung der Betreiberfirma Hokuriku Electric geteilt, das es sich nicht um eine aktive Verwerfung handele. Möglicherweise habe man bei der ersten Untersuchung die Verwerfung, die auf den Namen S-1 hört, übersehen.

Bei dem Antrag auf Bauerlaubnis im Jahr 1987 hatte der Betreiber Horuriku Electrics angegeben, es handele sich bei der Verwerfung lediglich um die Folge von Erosion. Die Verwerfung sei geologisch nicht aktiv. Auch eine Untersuchung der NISA hatte die Inaktivität bestätigt.

Sowohl beim Bauantrag von Reaktor 2 im Jahr 1997 als auch bei der Überprüfung der Sicherheitsrichtlinien aufgrund der Forderung der Regierung in den Erdbebenrichtlinien von 2006 leugnete der Elektrizitätskonzern eine Aktivität.

Man habe beim Bau insgesamt acht Verwerfungen gefunden, eine Untersuchung nach den aktualisierten Richtlinien damals habe ebenfalls keine Auffälligkeiten ergeben. Daher gebe es für das Unternehmen keinen Grund, die bisherige Ansicht zu ändern.

Bei einem Expertentreffen das am Dienstagnachmittag stattfinden soll, wird auch diskutiert werden, ob möglicherweise eine neue Untersuchung notwendig ist, um möglicherweise weitere, bislang nicht registrierte  Verwerfungen zu lokalisieren.

Industrieminister Yukio Edano erklärte heute auf einer Pressekonferenz, er werde die Expertenmeinung einholen und umgehend Schritte ergreifen, sollte dabei erneut die Einschätzung erfolgen, es handele sich um eine aktive Verwerfung.

Eine derartige Neuuntersuchung würde den Zeitplan für einen möglichen Neustart von Reaktor 1 verschieben. Auch eine Stilllegung des Reaktors könnte angeordnet werden, wenn die Behörde zu der Einschätzung kommen sollte, dass die Anlage dort unsicher sei.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die NISA die Möglichkeit einer aktiven Verwerfung, die unmittelbar unter einem Reaktor verläuft, aufzeigt. Bereits im April diesen Jahres hatte es einen ähnlichen Hinweis für das AKW Tsuruga (Präf. Fukui) ausgesprochen.

In den japanischen Richtlinien zum Bau sicherer Atomkraftwerke, spielt der Status von geologischen Gegebenheiten eine Rolle. Demnach gilt eine Verwerfung als aktiv, wenn Bewegungen innerhalb der letzten 120.000 Jahre nachgewiesen werden können. In diesem Fall gilt der Standort als nicht sicher genug für den Bau von Atomkraftwerken.

Über die neue Entdeckung und Einschätzung berichteten Nachrichtenagentur jiji und die Asahi Shimbun.

Erneut Atomlobbyisten bei Bürgeranhörung zur Atomenergie: Bei der dritten, von der Regierung organisierten Anhörung der Bürger über ihre Meinung zur Zukunft der Atomenergie in Japan im Jahr 2030, die am gestrigen Montag stattfand, haben zwei Mitglieder eines Elektrizitätskonzerns als einer von neun Sprechern agiert.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Weitere Atomlobbyisten bei Bürgerbefragung (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Der Angestellte von Chubu Electric gab sich zwar freiwillig als Mitglied des Atomkonzerns zu erkennen, behauptete jedoch, lediglich seine private Meinung zum Ausdruck zu bringen.

So erklärte er dann der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, „Niemand starb an den unmittelbaren Auswirkungen der Strahlung nach dem Unfall am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, des Betreibers Tokyo Electric Power. Diese Situation wird sich auch in fünf oder zehn Jahren nicht ändern.“

Wie sich herausstellte, war am gestrigen Montag sogar ein weiterer Atomlobbyist unter den neun Rednern. Es handelte sich um einen Angestellten der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA. Diese Behörde betreibt den Forschungsreaktor am AKW Monju. Er äußerte unter anderem Zweifel an stabiler Energieversorgung – gab sich aber anders als sein Vorredner nicht als Atomlobbyist zu erkennen.

Bereits bei der zweiten Anhörung in Sendai am Sonntag, war ein hochrangiger Angestellter des Elektrizitätskonzerns Tohoku Electric als Redner aufgetreten. Bei dieser zweiten Anhörung hatte die Regierung versichert, man habe aus den Bewerbungen von insgesamt 170 Personen, die ihre Meinung äußern wollten, die neun Sprecher „nach dem Zufallsprinzip“ gezogen.

In Sendai war es am Sonntag zu einer feindseligen Stimmung und dem Vorwurf der Manipulation gekommen. Angesichts der erneuten „zufälligen“ Wahl von zwei Atomlobbyisten als Redner am gestrigen Montag wurde erneut die Frage im Publikum laut, ob es sich um einen Fall von Manipulation handeln würde.

Erneut beteuerte der Veranstalter, man habe aus 161 Bewerbungen als Sprecher die neun Personen „wahllos“ ermittelt. Unter den drei möglichen Optionen, die für die künftige Nutzung der Atomenergie geboten wurden, verteilten sich diese wie folgt:

Von 161 Personen stimmten

  • 106 Personen für eine Null-Prozent-Lösung, den Verzicht auf Atomenergie
  • 18 Personen für einen Energiemix mit 15 Prozent Atomenergie
  • 37 Personen für einen Energiemix mit 20-25 Prozent Atomenergie.

Neustart für Reaktor 4 des AKW Oi für Mittwoch vorgesehen: Sollte es keine Störungen geben, so kann der Betreiber Knasai Electric bereits Mittwochnacht den erfolgreichen Neustart des zweiten Reaktors am AKW Oi melden. Damit wird die 1,18 Millionen Kilowatt generierende Anlage der zweite Reaktor, der seit dem Halt von Reaktoren in Japan wieder anläuft. Zuvor war Reaktor 3 am 1. Juli in Betrieb gegangen. Die Energieübertragung soll am Samstag beginnen und am 25. Juli vollständiges Leistungsniveau erreichen.

Erster Strand in Präfektur Fukushima wieder freigegeben: Mit dem Nakoso-Strand in Iwaki ist erstmals seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima wieder ein Badestrand in der Präfektur Fukushima eröffnet worden. Der Strand liegt etwa 65 Kilometer südlich des Atomkraftwerks und seine Wiedereröffnung wurde neben Schwimmdemonstrationen auch von sommerlichen Aktivitäten wie Hula-Tanz und Beachvolleyball begleitet.

Nach Angaben der Stadtverwaltung Iwaki liegt die Konzentration an radioaktivem Material unter einem Becquerel pro Liter und wird daher nicht nur für die drei Frauen die dort Touren leiten, als sicher bezeichnet. Um das Vertrauen der Besucher zu stärken, werden zweimal am Tag die aktuellen Messergebnisse am Strand öffentlich gemacht. Hierüber berichteten etwa die Nachrichtenagentur Kyodo und die Asahi Shimbun.

Hitzewelle nach Regenzeit mit erstem Hitzetoten: Wie die japanische Wetterbehörde heute meldete, ist in großen Teilen Japans die Regenzeit vorüber. Während somit Gebiete vom Westen bis zum Osten Japans aufatmen können, endete die Saison in mehreren Regionen vier Tage früher als gewöhnlich. Keine Entwarnung gibt es jedoch für das südwestlich gelegene Kyushu, wo sintflutartige Regenfälle und Erdrutsche bislang 29 Todesopfe forderten.

Unterdessen führt ein Hochdruckgebiet mit warmen Südwinden zu steigenden Temperaturen in den südwestlichen und westlichen Teilen der Region Tohoku, das im Nordosten von Japans Hauptinsel Honshu liegt.

Da die hohen Temperaturen vom Sonntag nicht über Nacht fielen, kam es heute zu einem neuen Hitzerekord von 39,2°Celsius in Tatebayashi (Präf. Gunma). Gestern lag dieser noch bei  37,6°Celsius. Ein weiterer Temperaturanstieg wird erwartet –  für einige Gebiete Japans werden bereits Maßnahmen gegen Hitzschlag empfohlen.

In Kashiwazaki (Präf. Niigata) wurde ein 80 Jahre alter Mann leblos auf einem Feld aufgefunden und später für tot erklärt. Als Todesursache geht man von einem Hitzschlag aus. Nach Angaben der Kyodo wurden zudem 682 Personen mit Hitzefolgen in Krankenhäuser eingeliefert.

Japans Naturkatastrophen als Dauerrenner bei YouTube: Ist es die Suche nach Informationen, echte Anteilnahme oder virtuelle Sensationsgier? Die Gründe mögen unterschiedlich sein, doch sie führen zum selben Ergebnis: Über einen Zeitraum von 15 Monaten seit dem Januar 2010 waren die am häufigsten betrachteten Videos solche, die Naturkatastrophen vom 11. März 2011 zum Thema hatten.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Pew Research Center, die am gestrigen Montag veröffentlicht wurde. In den sieben Tagen nach der Katastrophe konzentrierten sich die 20 meist angeklickten Videos auf die Ereignisse in Japan und wurden über 96 Millionen mal angesehen.

Das US-Unternehmen spricht dabei sowohl von einem Zeichen weltweiten Interesses an der Situation, als auch von einer „neuen Art virtuellen Journalismus“, da es sich bei vielen Videos um Privataufnahmen von Augenzeugen handelt.

Das Thema hatte mit einem Fünf-Prozent-Anteil aller 260 beliebtesten Videos mit Nachrichteninhalt mehr Interesse als die Meldungen zu den Unruhen im Nahen Osten oder die Wahlen in Russland. Das meldete die Nachrichtenagentur jiji am Montag.

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